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Kommentar : Wie die Bundesliga ihr Fan-Problem begrenzen kann

Die schwarzen Schafe des HSV benahmen sich in Bremen daneben. Bild: EPA

Für viele Probleme zwischen Fußball und Fans gibt es keine Lösung. Aber es gibt Möglichkeiten der Linderung. Ein Verein der Bundesliga verhält sich dabei vorbildlich. Ein Kommentar.

          Zum Glück wird Felix Zwayer im Mai erst 37 Jahre alt, der Berliner Schiedsrichter kann noch zehn Jahre in der Bundesliga pfeifen und seine Nervenstärke zum Wohle des deutschen Fußballs einbringen. Innerhalb einer Woche hat Zwayer zwei brisante Bundesligaspiele über die Bühne geschaukelt. Zunächst das von ausgeklügelten Fanprotesten begleitete erste Montagsspiel der höchsten deutschen Spielklasse zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig. Dann am Samstag das Nordderby zwischen Bremen und Hamburg, das von Ausschreitungen der Hardcore-Anhänger des HSV überschattet wurde. Der Immobilienkaufmann schätzte die Situationen kaltblütig ein, leitete die Partien gelassen und vermied damit einen jeweils möglichen Spielabbruch.

          Es ist ein Kreuz mit der organisierten Fan-Szene, deren Spitze vielerorts von einer Ultra-Bewegung gebildet wird. Einerseits bieten die Bilder von vollen Stadien mit stimmgewaltigen Anhängern, die eindrucksvolle Choreographien aufführen, der Deutschen Fußball Liga bei der Auslandsvermarktung sehr gute Argumentationshilfen. Wenn schon die Messis, Neymars und Ronaldos dieser Welt woanders spielen, dort, wo es mehr zu verdienen gibt, dann ist es doch schön, auf eine lebendige Fußball-Kultur und eine mitreißende Atmosphäre verweisen zu können.

          Doch die organisierten Fans beschränken sich nicht auf ihre Rolle als Stimmungskanonen. Mit einem Selbstbewusstsein, das gar nicht selten die Grenzen zur Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit überschreitet, vertreten sie ihre speziellen Ansichten über den Einsatz von Pyrotechnik, über den Umgang mit gegnerischen Fans, über die Zersplitterung von Anstoßzeiten oder über die 50+1-Regel. Und stören dabei manchmal Frieden und Ordnung. Für viele Probleme gibt es keine Lösungen. Wer Pyrotechnik ins Stadion schmuggeln will, dem wird es gelingen, keine angemessene Kontrolle vermag das offenbar zu verhindern.

          Aber es gibt Möglichkeiten der Linderung: indem die Fans nicht aufgestachelt werden, wie durch den neuen HSV-Präsidenten Hoffmann („wir mischen die Bremer auf“), und indem die Fans nicht für dumm verkauft werden. All die aufgeführten Argumente, um den ungeliebten Montag-Termin zu rechtfertigen (mehr TV-Geld, mehr Regeneration für Europa-League-Teams, mehr Schutz für den Amateur-Sonntag), erwiesen sich bei näherer Betrachtung als nicht stichhaltig. Eine ehrliche Kommunikation, die Risiken benennt (weniger Anstoßzeiten kosten x-Millionen Euro an TV-Erlösen) und klare Grenzen zieht, ist nötig.

          In diesem Punkt verhält sich Hannover 96 vorbildlich. Der Klub, namentlich Vorstand Martin Kind, zeigt sich rigoros gegenüber den Ultras und lässt sich auch durch einen Stimmungsboykott nicht erpressen. Am Samstag erhob sich zum ersten Mal auf der Haupttribüne ein massenhafter Gegenprotest: „Ultras raus“. Sicher keine ganzheitliche Lösung. Abgesehen davon, dass die Verbannung einer Fangruppe kaum in die Praxis umzusetzen wäre – die Mitglieder könnten sich unter anderem Namen neu formieren. Und wer sich an die Regeln hält, hat ohnehin ein Recht auf Fußball. Es geht um die Auswüchse. Doch leider besteht keine große Hoffnung, dass die schwarzen Schafe aussterben werden. Der Fußball kann durch die richtigen Maßnahmen nur die Zahl gering halten.

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