Bei diesem sachdienlichen Hinweis wusste man zunächst nicht, ob Klaus Allofs scherzte. Eljero Elia und Marko Arnautovic hätten in ihrer gemeinsamen Zeit beim FC Twente Enschede eine phantastische Flügelzange gebildet, sagte der Vereinschef von Werder Bremen. Es sollte Werbung sein für die beiden exzentrischen Außenspieler und ein Argument dafür, dass es mit ihnen auch im Bremer Trikot klappen könnte.
Der nächste Problemprofi für Werder
Ein schräges Argument, denn an der Eingliederung der sicher talentierten, im Tagesgeschäft aber anstrengenden und überheblichen Teilzeitkraft Arnautovic beißen sich Allofs und Trainer Thomas Schaaf seit längerem die Zähne aus. Niemand zählt mehr mit, wie oft Arnautovic bei Allofs zum Rapport antreten musste. Seit Dienstagvormittag ist nun der Transfer von Elia vollzogen, und Werder Bremen bekommt einen weiteren sogenannten Problemprofi.
Ob er denn nicht gelernt habe aus den Fällen Carlos Alberto und Arnautovic, Namen, die an der Weser für Geldverbrennung und Verhaltensauffälligkeit stehen, wurde Allofs gefragt. Mit einem Lächeln antwortete er: „Wir sind doch alle Sozialarbeiter im Fußball. Wenn man nicht mehr riskieren darf, kann man mit dem Job ja aufhören.“
„Wir sind doch alle Sozialarbeiter im Fußball“
Rund 5,5 Millionen Euro soll Werder an Juventus Turin überweisen, um sich die Dienste des 25 Jahre alten niederländischen Außenstürmers für vier Jahre zu sichern. Dass noch einmal jemand bereit sein würde, so viel Geld für Elia auf den Tisch zu legen, überrascht - nicht nur in Hamburg, wo die Verantwortlichen sehr froh waren, den am Ende nur noch lustlosen Spieler vor einem Jahr für neun Millionen Euro losgeworden zu sein.
Die Sperenzchen Elias in seinen Hamburger Jahren sind legendär. Vor allem sein wochenlanger Ausfall in Folge einer Hautentzündung blieb im Gedächtnis. Sie war nach einem großflächig angelegten Brust-Tattoo aufgetreten. Elia sollen die Schmerzen so gepeinigt haben, dass ihm das Tragen des Trikots unmöglich war. Aus der brennenden Brust machte der HSV Anfang 2011 lieber eine nicht näher spezifizierte Schädigung am Muskelapparat. Der zur Großspurigkeit neigende Elia sollte vor Spott bewahrt werden. Heraus kam die Sache trotzdem. Das erste Bild in der Post-HSV-Ära zeigte ihn im Juve-Learjet, die „Gazzetta dello Sport“ lesend, grinsend, Daumen hoch.
Doch es gab auch einen anderen Elia als den lustlosen, der nach dem ersten verlorenen Zweikampf aufsteckt. Der Spätsommer 2009 war die kurze, große Zeit des Flügelflitzers beim HSV. Er rannte los, als hätte er einen Raketenantrieb, und vergaß auch den Ball nicht. Elia wurde zur Hamburger Attraktion. Ein übler Tritt des Mainzers Nikolce Noveski im folgenden Frühjahr brachte ihn vollkommen aus dem Rhythmus.
Es wirkte, als habe sich Elia von der Knöchelverletzung nie erholt. Unzufriedenheit und Entfremdung auf beiden Seiten waren die Folge. Auch im Trikot der niederländischen Nationalmannschaft hinterließ er kaum Spuren; zuletzt bei der EM war Elia nicht nominiert, eine Folge seines schwachen Juve-Jahres mit nur vier Einsätzen in der Serie A.
Neue Bremer Angriffsreihe
Ob man nun den Mut der Bremer bewundern oder es töricht finden soll, die gesamten Marin-Millionen für Elia auszugeben, ist noch nicht zu sagen. Auf die neue Angriffsreihe mit dem nüchternen Mittelstürmer Nils Petersen, gefüttert von Arnautovic und Elia, darf man in jedem Fall gespannt sein. Man soll jedem Menschen eine zweite Chance geben, manchen auch eine dritte. „Es stimmt nicht, dass ich schwierig bin“, sagt Elia.
"Wir können alles...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 11.07.2012, 09:21 Uhr
Ich wuensche Elia viel Gluck ... doch haette ich mir lieber Eugen
Polanski ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 10.07.2012, 22:12 Uhr