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Werder Bremen Thomas Schaafs unendliche Geschichte

 ·  Thomas Schaaf kratzt bald an Otto Rehhagels Langzeitrekord an der Weser. Der Trainer von Werder Bremen verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis 2012. In Bremen schätzt er die Möglichkeit zur Selbstbestimmung.

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Was ist der richtige Beruf für einen, den es graust vor modernen Plagen wie Oberflächlichkeit, Schnelllebigkeit und ständigen Übertreibungen? Fußballtrainer dürfte nicht ganz oben auf der Liste stehen, zumal, wenn es sich um einen Posten im Rampenlicht der Bundesliga handelt. Und wer sich trotz allem darauf einlässt, wird früher oder später merken, dass ein solcher Job nicht zu machen ist, ohne dass er Spuren in der eigenen Persönlichkeit hinterlässt.

Auch Thomas Schaaf hat sich verändert in den nunmehr etwas mehr als zehn Jahren als Cheftrainer bei Werder Bremen. Man hat den Eindruck, er sei unnahbarer geworden, auch ein bisschen härter. Zu beobachten ist das etwa, wenn er an der Seitenlinie mit dem vierten Mann diskutiert (was er gern tut). Oder, wenn ihm eine Frage gestellt wird, die er entweder für ahnungslos, konstruiert oder für unangemessen formuliert hält – oder im schlimmsten Fall alles drei zusammen. Auf einer solchen Basis lässt sich mit Schaaf zwar sprechen, aber nicht wirklich kommunizieren. Er lässt das dann auch spüren.

Dabei gibt es für den Achtundvierzigjährigen kaum etwas, was er lieber tut, als über Fußball zu reden, wie er kürzlich in einem – tatsächlich sehr ausführlichen – Interview betonte. „Das erschöpft sich nie“, sagte Schaaf da. Und weil die Freude am Spiel größer geblieben ist als alle lästigen Begleiterscheinungen, ist Schaaf immer noch gern Trainer. In Bremen hat er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag am Montag bis 2012 verlängert. Überrascht hat das kaum jemanden. Man kann sich bei Werder ja längst kaum einen anderen mehr vorstellen als den gebürtigen Mannheimer, der mit seiner Verbindlichkeit, seinen Prinzipien und seinem trockenen Humor hanseatischer daherkommt als mancher waschechte Bremer.

Auf Rehhagels Spuren

Dass er einmal der dienstälteste Coach der Liga werden und gar an Otto Rehhagels 14 Bremer Jahren kratzen würde, war nicht unbedingt zu erwarten, als Schaaf, damals Trainer der Amateurmannschaft, den Chefposten am 10. Mai 1999 von Felix Magath übernahm. Es waren turbulente Zeiten bei Werder, doch mit der Rettung vor dem Abstieg und dem anschließenden Pokalsieg schuf Schaaf die Basis für alles, was er danach mit Werder noch erreichte: das Double 2004, fünf Teilnahmen an der Champions League, zuletzt der Pokalsieg 2009.

Natürlich kommen immer wieder Gerüchte auf, ob so einer nicht einmal eine andere Herausforderung suchen könnte. Mal war es Wolfsburg, mal der Hamburger SV, und warum sollte es nicht irgendwann einmal auch der FC Bayern sein. Schaaf hat sich dazu nie geäußert, nicht einmal im Ansatz, und sich so seine Souveränität erhalten. Es ist die Belohnung für einen, der so lange und so erfolgreich im Geschäft ist: Er kann selbst darüber bestimmen, was zum Berufsbild des Fußballtrainers gehört und was nicht – ein bisschen jedenfalls.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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