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Werder Bremen Mit harter Hand doch noch in die Königsklasse

10.01.2009 ·  Werder Bremen spielte eine schwache Hinrunde. Nun zog der Klub personelle Konsequenzen. Neuzugang Alexandros Tziolis soll den neuen Kollegen Beine machen. Der Grieche könnte nicht der letzte Einkauf sein; ein Brasilianer wird gehandelt.

Von Sebastian Stiekel, Belek
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Gut 300 Fußball-Mannschaften halten im Winter ein Trainingslager im Süden der Türkei ab, aber die wenigsten von ihnen leben dort so feudal wie Werder Bremen. Der Verein hat sich im Luxushotel „Calista“ einquartiert, was aus der Luft betrachtet so aussieht, als wären am Strand von Belek mehrere Ufos gelandet. 900 Meter entfernt davon beansprucht Werder zwei Trainingsplätze für sich allein.

Diese Bedingungen sind nicht selbstverständlich, in derselben Straße etwa teilen sich Bayer Leverkusen und der Karlsruher SC ein Hotel und ein weitläufiges Übungsgelände. Aber diese Bedingungen spiegeln die Kräfteverhältnisse der vergangenen Jahre wider: Werder Bremen hat sich fünf Mal in Folge für die Champions League qualifiziert und dadurch einen gewissen Status erarbeitet. Karlsruhe und selbst Leverkusen sind davon etwas entfernt.

„Wir müssen hier noch mehr investieren als sonst“

Alles, was die Bremer in Belek tun, soll verhindern helfen, dass sie ihren Status als Spitzenteam verlieren. Werder ist nach der Hinrunde nur Tabellenachter und in der Champions League ausgeschieden. „Wir hatten keine gute Vorrunde“, sagt Frank Baumann. „Das bedeutet, dass wir hier noch mehr investieren müssen als sonst und unter besonderer Beobachtung des Trainers stehen.“ Das schließt aber auch personelle Konsequenzen ein. Mit dem griechischen Nationalspieler Alexandros Tziolis traf am Freitag der erste Neuzugang im Trainingslager ein. Auch seine Verpflichtung ist als Antwort auf die schwache Hinrunde zu verstehen.

Tziolis spielt im defensiven Mittelfeld. Dort wurden Werders Probleme zuletzt gut sichtbar. Platzhirsche wie Baumann oder Frings konnten sich ihrer Positionen fast immer sicher sein, weil die interne Konkurrenz verletzt (Jensen, Hunt) oder zu schwach (Niemeyer, Vranjes) war. Tziolis soll ihnen die Plätze nun streitig machen. „Er ist zweikampfstark und gut im Spiel nach vorn“, sagt Sportchef Klaus Allofs. Weil der Leistungsdruck zuletzt fehlte, nahm die Hinrunde einen derart wechselhaften Verlauf. Am Ende verlor man in Karlsruhe und schlug dann Inter Mailand – und das innerhalb von nur vier Tagen.

Erst Ausleihe, dann Kaufoption für 1,7 Millionen

Tziolis' Einstand bei Werder war am Freitag etwas hektisch. Um 14.20 Uhr landete er in Antalya, von wo aus er sofort ins 30 Autominuten entfernte Belek chauffiert wurde. Um 16 Uhr bat Thomas Schaaf dort zum zweiten Training des Tages, Tziolis schaffte es gerade noch rechtzeitig auf den Platz. Schon vorher war er den Bremern einige Mühen wert gewesen. Allofs bat Panathinaikos Athen schon im Sommer um die Freigabe. Am Donnerstag einigte man sich dann.

Der 23 Jahre alte Tziolis wird zunächst für ein halbes Jahr ausgeliehen. Danach kann er für 1,7 Millionen Euro gekauft werden. Er selbst spricht von einem „Traum“ und einer „tollen Mannschaft, für die ich spielen darf“. Bei seiner Vorgeschichte hätte er eine solche Bescheidenheit aber gar nicht nötig gehabt. Erst vor zwei Monaten gewann er mit Panathinaikos in Bremen mit 3:0. Er schoss dabei das dritte Tor.

„So können wir die Champions League noch erreichen“

Am liebsten würde Werder noch einen weiteren Zugang in Belek begrüßen. Bedarf besteht vor allem auf der linken Abwehrseite. An der Gerüchtebörse wird der Brasilianer André Santos (Corinthians) gehandelt. Dass umgekehrt noch kein Spieler den Klub verlassen hat, liegt an neuerlichem Verletzungspech. Prödl, Jensen, Hunt und Harnik fallen zurzeit aus. Die abwanderungswilligen Tosic und Sanogo werden deshalb wieder als Alternativen gebraucht. Obwohl man sie eigentlich lieber verkaufen würde.

Das Paradoxe an den Tagen von Belek erleben beide so noch einmal voll mit: Werder lebt im Luxus und kann ihn kaum auskosten. „Wir müssen die Mannschaft schnell flottkriegen“, sagt Schaaf, und sein Sportdirektor hatte schon am Ende der Hinrunde betont, dass es dabei nicht nur um Fitness und Taktik geht. Disziplinlosigkeiten sollen ab sofort stärker geahndet, der Kampf um die Stammplätze verschärft werden. „Wir brauchen jetzt eine harte Hand“, sagt Markus Rosenberg. „So können wir die Champions League noch erreichen.“

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