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Werder Bremen Auf dem Sprung in den finanziellen Gesundbrunnen

29.08.2007 ·  Für Bremen geht es beim entscheidenden Qualifikationsspiel für die Champions League in Zagreb um viele Millionen. Sollte die Elf von Trainer Schaaf die Gruppenphase verpassen, muss sich das Team mit der Strafversetzung in den Uefa-Cup begnügen.

Von Frank Heike, Bremen
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Für einen langjährigen Banker wie Jürgen L. Born fühlt es sich einfach zu schön an, wenn am Ende der Saison die Millionen aus Nyon auf das Konto von Werder Bremen gebucht sind. Man hat dann das Gefühl, etwas richtig gut gemacht zu haben im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die Schwierigkeit ist nur: Man möchte, dass es immer wieder so kommt.

Dass Werder Bremen also auch im Spätsommer 2008 von der gut geschmierten Geldvermehrungsmaschine namens Champions League profitiere und wieder etwa 15 Millionen Euro überwiesen bekomme. Allein aus Prämien für erreichte Punkte und dem Marketing-Topf hat Werder in den drei aufeinanderfolgenden Jahren der Teilnahme fast 50 Millionen Euro eingenommen. Im Vergleich zum Meisterjahr 2004 hat der Klub von der Weser den Umsatz im Geschäftsjahr 2006/07 auch dank dieser europäischen Gratifikation auf über 90 Millionen verdoppelt. Am Ende dürfte auch wieder ein kleiner Gewinn übrig bleiben.

Alles ist teurer geworden

Für einen Verein in wirtschaftlich problematischer Randlage abseits der großen Geldströme, wie die Bremer es sind, ist die Champions League ein finanzieller Gesundbrunnen. Sie ermöglicht erst einen etwa 35 Millionen Euro teuren Kader, wie die Bremer ihn sich leisten (2004 waren es noch 24 Millionen Euro). „Wir haben nicht mehr das niedrige Lohnniveau wie vor fünf Jahren“, sagt Born, der 66 Jahre alte Vorsitzende der Geschäftsführung.

Weil alles teurer geworden ist und es in den meisten Geschäftsfeldern, abgesehen von der Veräußerung des Stadionnamens, kaum mehr Luft gibt, ist die Partie der Bremer an diesem Mittwoch (20.30 Uhr, im FAZ.NET-Liveticker) bei Dinamo Zagreb von großer, wenn auch nicht existentieller Bedeutung: Gelingt es den nach wie vor ersatzgeschwächten und formschwachen Bremern, das 2:1 aus dem Hinspiel zu verteidigen (Siehe auch: Es hakt überall: Der geschwächte Werder-Jahrgang '07), kommt es, wie Born und Allofs es sich wünschen – siehe oben. Wenn nicht, müsste man sich mit der Strafversetzung in den Uefa-Cup begnügen (dort verdiente selbst Sieger FC Sevilla nur knapp sieben Millionen Euro). „Es wäre ein bedauerlicher Einnahmeausfall, würden wir uns nicht qualifizieren“, sagt Born, und Sportchef Klaus Allofs assistiert: „Das wäre ein herber Rückschlag.“

Grundlagen fürs Wachstum

Sie wissen genauso wie Trainer Thomas Schaaf, dass die guten Plazierungen in der Bundesliga die Grundlage für Werders Wachstum sportlicher und wirtschaftlicher Natur sind, dass der Klub aber erst durch die Teilnahme an der Champions League zur international geachteten Adresse geworden ist und als die deutsche Nummer zwei hinter Bayern München wahrgenommen wird. Die Bremer Abhängigkeit von der Champions League ist dabei (wirtschaftlich) viel größer als die der Bayern: Der Umsatz der Münchner ist doppelt so hoch.

Born und Allofs heben hervor, dass in Bremen nichts aus dem Gleichgewicht gerate, sollte Werder einmal die Champions League verpassen. „Unsere Planung für die jeweilige Saison verläuft zunächst immer ohne diese Einnahmen“, sagt Born. Doch zwei Jahre ohne die kontinentale Königsklasse? „Dann müssten wir überlegen“, sagt Born vorsichtig. Denn das Gehaltsgefüge im ganzen Team ist natürlich mit steigenden Einnahmen angehoben worden – wie auch die sommerlichen Vertragsverlängerungen mit Naldo und Torsten Frings nicht billig gewesen sein dürften.

„Die Jungs rufen ja ganz muntere Preise auf“

Das wiederum ist ein Signal an Profis mit bald auslaufenden Verträgen wie Tim Borowski oder Tim Wiese; sie sind bis Mitte 2008 an Bremen gebunden, Clemens Fritz ein Jahr länger. Alle drei will Werder unbedingt halten. Alle drei versprechen sich nun saftige Aufstockungen des Gehalts von ihrer Unterschrift. „Die Jungs rufen ja ganz muntere Preise auf“, sagt Born gewohnt jovial. Alle Wünsche wird ein Verein wie Werder Bremen aber nie erfüllen können. Born und Allofs wollen das auch gar nicht. Beiden ist eine schuldenfreie und vollkommen kreditwürdige Werder Bremen GmbH & Co. KGaA lieber.

Dass man allerdings auch unter Investitionsdruck geraten kann, zeigte sich in diesem Sommer: mehr als fünf Millionen Euro Ablöse für Boubacar Sanogo, knapp acht Millionen für Carlos Alberto: Das sind riesige Summen für Spieler, hinter deren Fähigkeiten man ein Fragezeichen setzen darf. „Der Markt für Stürmer ist derzeit völlig überhitzt“, sagt Allofs und gibt so indirekt zu, dass Sanogo, gemessen an seinen Qualitäten, ungewöhnlich teuer war. Andererseits hatte Werder ja auch die 15 Millionen aus dem Klose-Transfer zur Verfügung. Die sind nun angelegt. Was die Rendite betrifft, wird man erste Aussagen nach dem Schlusspfiff in Zagreb machen können.

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