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Bayern München : Die knifflige Suche nach dem nächsten Uli Hoeneß

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„Wir müssen die eierlegende Wollmilchsau suchen“: Uli Hoeneß. Bild: dpa

Uli Hoeneß kündigt seinen Abschied als Präsident des FC Bayern an. Nicht sofort. Aber bald. Und wer wird sein Nachfolger? Hoeneß hat ziemlich genaue Vorstellungen davon, was der mitbringen muss.

          Wenn Uli Hoeneß als Promi-Gast auf einer Veranstaltung ins Plaudern kommt, dann liefert der Vereinspatron des FC Bayern München regelmäßig Schlagzeilen. Kurz vor dem Topspiel in der Fußball-Bundesliga am Samstagabend beim Spitzenreiter Borussia Dortmund war es wieder so weit: Hoeneß kündigte beim 1. Sächsischen Wirtschaftsdialog am Donnerstagabend in Dresden seinen Rückzug aus dem Präsidentenamt des deutschen Rekordmeisters an. Nicht sofort freilich, aber womöglich doch vor dem nächsten runden Geburtstag.

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          „Ich bin jetzt 66 Jahre alt. Lassen Sie mich diesen Job noch zwei, drei Jahre machen“, sagte Hoeneß im Rudolf-Harbig-Stadion, wo er mit Moderatorin Birgit Nössing über Fußball, Wirtschaft und sein Leben sprach. Hoeneß skizzierte ein klares Bild eines Nachfolgers. „Er sollte jemand sein, der eine menschliche Seite hat – und einer, der aus dem Fußball kommt“, zitierte ihn die „Sächsische Zeitung“. Aber wer erfüllt dieses Profil? Das weiß auch Hoeneß (noch) nicht. „Wir müssen die eierlegende Wollmilchsau suchen. Das wird schwer. Wenn ich wüsste, der oder der kann das, würde ich nächstes Jahr aufhören.“

          Im November 2019 endet seine Amtszeit als Präsident. Vor zwei Jahren war Hoeneß im Anschluss an eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung an die Spitze des bedeutendsten deutschen Fußballklubs zurückgekehrt. Während seiner Abwesenheit von März 2014 bis November 2016 hatte ihn der langjährige Geschäftsführer und Finanzvorstand Karl-Hopfner (66) im Spitzenamt des FC Bayern München e.V. vertreten.

          Wirtschaftlich will Hoeneß den deutschen Rekordchampion auf jeden Fall in einem Topzustand übergeben. Der FC Bayern habe so viel Geld in der Kasse wie nie zuvor, berichtete er stolz in Dresden. „Ich will meinem Nachfolger eine volle Kasse übergeben. Dann können sie mit dem Geld machen, was sie wollen.“ Die Inflation der Ablösesummen und Spielergehälter im Zeitalter zahlungskräftiger Investoren bei der europäischen Konkurrenz verurteilt Hoeneß. Und er lehnt für sich bislang ab, mehr als 100 Millionen Euro für einen Star auszugeben.


          Hoeneß vor dem Bayern-Abschied? Gemach. Gerade die Gegenwart, in der nach sechs Meisterjahren am Stück die sportliche Vormachtstellung der Münchner in der Bundesliga bröckelt, wird Hoeneß eher anstacheln. Es ist auch nicht das erste Mal, dass der Mann, für den der FC Bayern sein Lebenswerk ist und der den Verein gerne seine „zweite Familie“ nennt, über eine Zukunft ohne ihn und auch den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge (63) nachdenkt – auch öffentlich. Zu Saisonbeginn sprach Hoeneß, der als Spieler in München anfing, dann 30 Jahre Manager war und schließlich seit 2009 mit einer Unterbrechung Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender ist, über die schwierige Nachfolgeregelung an der Spitze des Rekordmeisters.

          Damals plauderte Hoeneß beim Fußball-Talk von Jörg Wontorra im TV-Sender Sky. Dort schnürte er Vorstandschef (Rummenigge) und Präsident (Hoeneß) zu einem Paket. „Es geht nicht, dass wir beide gleichzeitig aufhören. Das können wir dem Verein nicht antun“, sagte Hoeneß. Die Zäsur an der Klubspitze würde ohnehin „extrem und sehr groß“ ausfallen. „Das wird eine schwierige Zeit“, prophezeite der Präsident für die Zukunft ohne die zwei langjährigen Bosse.

          Hoeneß bezeichnete es im August als „wichtigste Aufgabe“, den Klub „in der Führung in den nächsten zwei, drei Jahren auf die Zukunft vorzubereiten“. Auch Rummenigges Vertrag als Vorstandschef läuft Ende nächsten Jahres aus. Dass der dann 64-Jährige noch ein weiteres Mal um drei Jahre bis 2022 verlängert, ist noch nicht als fix verkündet worden. „Ich werde irgendwann sagen: Das war’s! Ich hoffe, dass ich den Zeitpunkt selbst bestimmen kann“, sagte Hoeneß zum Saisonstart. Eine Prognose scheint nicht gewagt: Der ganz große Umbruch in der Bayern-Spitze steht wohl erst im nächsten Jahrzehnt, also nach 2020, an.

          Hoeneß kündigt rechtliche Schritte gegen den „Spiegel“ an

          Münchens Präsident Uli Hoeneß will rechtlich gegen Veröffentlichungen des Magazins „Der Spiegel“ über den Fußball-Bundesligaverein FC Bayern vorgehen. Im Interview der „Sächsischen Zeitung“ (Freitag) sagte der 66-Jährige auf eine entsprechende Frage: „Ja, sicher“. Das Nachrichtenmagazin hatte in der vergangenen Woche über neue Pläne für eine europäische Superliga berichtet, in denen auch der FC Bayern eine Rolle spielt. „Wir stehen zu unserer Geschichte“, teilte „Der Spiegel“ am Freitag mit. Von Seiten des FC Bayern sei noch kein Schriftstück zu der Angelegenheit bei ihm eingegangen.

          Hoeneß sagte: „Das war der Wahnsinn. Der 'Spiegel' macht mit einer Geschichte unter der Schlagzeile 'Der Verrat' auf, die überhaupt nicht stimmt.“ Der Bayern-Präsident bekräftigte, dass es keinen Plan gegeben habe, aus der Bundesliga auszutreten und an einer Super League teilzunehmen. „Es wurde vor zwei, drei Jahren innerhalb der internationalen Gremien mal darüber diskutiert und auch bei uns im Aufsichtsrat. Dort wurde es einstimmig abgelehnt, damit war die Sache vom Tisch.“ Hoeneß schließt aus, dass der FC Bayern in den nächsten Jahren Mitglied einer Super League wird: „Da gibt es einen klaren Beschluss, und da wird auch nicht dran gerüttelt.“

          Eine Beraterfirma soll Real Madrid im Oktober Pläne für die Einführung einer Superliga als Konkurrenz zur Champions League vorgelegt haben, hatte der „Spiegel“ am Freitag vergangener Woche berichtet. Demnach sei vorgesehen, dass 16 Topklubs, darunter der FC Bayern München, im Laufe dieses Monats eine bindende Absichtserklärung unterzeichnen. Zudem soll der Klub 2016 die Möglichkeiten eines Bundesliga-Ausstiegs rechtlich geprüft haben. (dpa)

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