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Von der WM ins Abseits Schwer vermittelbar: Otto Addo

27.03.2007 ·  Otto Addo sitzt beim FSV Mainz 05 die Restlaufzeit seines Zweijahresvertrages ab - ein ziemlich steiler Absturz, schließlich war er noch im Sommer der einzige Mainzer WM-Teilnehmer. Als Abzocker will der 31-jährige aber nicht dastehen.

Von Uwe Martin, Mainz
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Da gibt es den Fußballprofi Otto Addo, einen höflichen, intelligenten und beliebten Menschen mit Abitur und abgeschlossenem Sportmanagement-Fernstudium; dem gegenüber stehen Zahlen, die ein rechtes Desaster sind. Sechzehn Bundesligaeinsätze in der Saison 2005/ 2006 für Mainz 05, davon nur zweimal durchgespielt (in Bremen, in Nürnberg), vierzehnmal ein- oder ausgewechselt. Summierte 692 Minuten.

In der aktuellen Spielzeit sind es zwei Einsätze geworden, der letzte datiert vom 4. November. Eingewechselt in der 56. Minute, durchgespielt bis zum Ende, dem 1:1 in Leverkusen. Dann war Schluss. Wenige Wochen später teilte ihm Manager Christian Heidel mit, dass er in den Planungen keine Rolle mehr spiele. Teilnahme am Training und fortlaufende Gehaltszahlungen ja, Prämien und Perspektive nein.

Alle Offerten abgelehnt

Seitdem sitzt der 31 Jahre alte Addo die Restlaufzeit seines bis Sommer gültigen Zweijahresvertrages ab - ein ziemlich steiler Absturz, schließlich war er noch im Sommer der einzige Mainzer WM-Teilnehmer. In der Winterpause, der sogenannten Transferperiode zwei, gingen bei seinem Berater Jürgen Milewski ein paar Angebote ein, Anfragen aus dem Ausland, Europa und Asien, deutsche Erst- und Zweitligaklubs hielten sich bedeckt. Alle anderen Mainzer Profis, die vor Rückrundenbeginn von Cheftrainer Jürgen Klopp mit dem Ausmusterungsprädikat "helfen uns nicht weiter im Abstiegskampf" versehen wurden, haben Mainz 05 verlassen. Christof Babatz und Bakary Diakite (TuS Koblenz), Tobias Damm (Wuppertaler SV), Edu (Samsung Bluewings/Südkorea), Conor Casey (Vereinigte Staaten) - nur Addo ist geblieben. Er lehnte alle Offerten ab, und nun hat er mit dem zweifelhaften Ruf zu tun, sich für nicht gerade wenig Geld einen flotten Lenz zu machen.

Addo sitzt im Restaurant "Haasekessel" hinter der Haupttribüne des Bruchwegstadions, und wie immer zeigt der Flachbildschirm irgendeine TV-Seifenoper. "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", sagt er. Derzeit eher schlechte Zeiten. Als er im Sommer 2005 von Borussia Dortmund nach Mainz wechselte, hatte er drei Kreuzbandrisse hinter sich und war auf der Suche nach einem neuen Anfang. "Doch es ist alles nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe." Er ist gesund geblieben, das ist die gute Botschaft, restlos überzeugt hat er nie im Mittelfeld von Mainz 05. Einzige Ausnahme: das DFB-Pokalspiel Ende Januar 2006 bei Bayern München (2:3). "Doch vielleicht war es im Gesamten zu wenig, damit der Trainer ein positives Bild von mir bekommt."

Den Fragesteller ins Leere laufen lassen

Bei seinem letzten Punktspiel im Mainzer Trikot, eben in Leverkusen, habe er "defensiv keinen Zweikampf verloren". Man kann es auch anders sagen: Addo ist mit indifferenter Körpersprache eine halbe Stunde ohne wirklichen Handlungsplan über den Rasen gelaufen. "Wenn Sie das so sehen", entgegnet er. Diese Bemerkung macht er gerne, lässt den Fragesteller ins Leere laufen.

Der 13-malige Nationalspieler wurde zum Präzedenzfall, Addo ist nämlich der erste namhafte Mainzer Profi, der seine Bezüge für Präsenz im Übungsbetrieb erhält. Testspiele einmal ausgenommen. Eine neue Situation, auch für ihn selbst. "Das hatte ich noch nie." Früher, bei Hannover 96, war er am Aufstieg beteiligt, später in Dortmund wurde er Meister. Oder war verletzt. Jetzt schlägt er im Training Flanken für die Galerie. Die Heim- und Auswärtsspiele seines Arbeitgebers verfolgt er im Bezahlfernsehen. Warum er nicht gewechselt ist? "Wenn ein stimmiges Angebot dabei gewesen wäre, würde ich nicht hier sitzen."

Spielen will er, das ist die Hauptsache

In ein paar Wochen geht es wieder los, dann sondieren die Auf- und Absteiger neues Personal, vielleicht ist dann etwas dabei. "Zwei, drei Jahre" will er noch aktiv sein, Addo sucht einen "vernünftigen Verein für einen vernünftigen Abschluss auf dem Rasen". Spielen will er, das sei die Hauptsache. "Es ist schade, wenn man so von der Bildfläche Bundesliga geht." In Hannover und Dortmund war er ein Held, am WM-Sommermärchen 2006 von Ghana (Achtelfinale) nicht ganz unbeteiligt, als Interviewpartner ein gefragter Mann.

In Mainz wurde er zum schwer vermittelbaren Arbeitnehmer. "Ich traue es mir zu, aber glaube nicht daran, dass mich ein Erstligist holt." Die möglichen Verdachtsmomente potentieller Interessenten kennt er schon: "Ein Profi, der in Mainz nicht spielt, bei dem kann doch etwas nicht stimmen." Hinzu kämen sein fortgeschrittenes Alter und die schweren Verletzungen in der Vergangenheit. "Aber ich bin fit und gesundheitlich in Ordnung." Die Bewerbungsphase läuft, doch Addo hat keine Plattform. Es dürfte auf ein Sonderangebot hinauslaufen, er weiß es. Zweite Liga, womöglich Regionalliga. Zu schade sei er sich dafür nicht.

Keine verlorene Zeit

Am Ende des Gesprächs spricht er von "großer Enttäuschung", dennoch seien es keine verlorenen zwei Jahre gewesen in Mainz. "Es ist mir schon Schlimmeres passiert, das wird mich nicht umbringen." Er motiviert sich für das Mannschaftstraining, das für ihn seit Monaten reine Beschäftigungstherapie ist, mal geht es besser, mal schlechter. Beides ist irgendwie egal. Auflaufen wird er sowieso nicht. Eine Viertelstunde später ruft Addo aus der Mannschaftskabine telefonisch durch, möchte einer eventuellen Tendenz des Artikels vorbeugen, nicht als Abzocker dastehen.

"Das sagt sich immer so leicht: Da sitzt jemand seinen Vertrag aus", beginnt er das Gespräch. Ein Kriterium für seine Entscheidung, bis zum Schluss in Mainz zu bleiben, sei das Jurastudium seiner Freundin gewesen. Ein Wechsel der Universität sei erst im Sommer möglich. Am Abend klingelt das Handy nochmals. "Ich habe vergessen, meinen Tee zu bezahlen", sagt er. "Kein Thema, ist erledigt." "Danke", sagt Addo. "Gehen, ohne zu bezahlen, ist normalerweise nicht meine Art."

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