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Volker Roth Mann mit einer Mission

25.02.2010 ·  Im DFB verstärkt sich der Wunsch, auf Schiedsrichter-Obmann Volker Roth möglichst bald zu verzichten. Denn auch er spielt in der Affäre Manfred Amerell/Michael Kempter eine Nebenrolle. Doch Roth denkt gar nicht an einen vorzeitigen Rücktritt.

Von Roland Zorn
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Im Deutschen Fußball-Bund (DFB) verstärkt sich der Wunsch, auf die Dienste von Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses, möglichst schon vor dem diesjährigen DFB-Bundestag am 21. und 22. Oktober in Essen zu verzichten. In der skandalumwitterten Geschichte um eine zerbrochene Beziehung zwischen dem ehemaligen Unparteiischen Manfred Amerell, einem langjährigen Weggefährten Roths im Schiedsrichterausschuss, und dem Bundesliga-Referee Michael Kempter spielt auch Roth eine Nebenrolle.

Der niedersächsische Oberschiedsrichter erfuhr am 17. Dezember als Erster von Kempter über dessen Vorwurf, von Amerell über Jahre sexuell belästigt worden zu sein. Aus der DFB-Zentrale heißt es nun, Kempter habe Roth auch noch über andere, ähnlich gelagerte Fälle berichtet, Roth habe diesen Teil der Kempter-Offenbarungen aber nicht an den Verband gemeldet. Weil der Niedersachse, der den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger erst Mitte Januar informierte, nur über die möglicherweise sexuell aufgeladene Affäre Amerell/Kempter berichtete, gilt Roth nun der Vorwurf der unzureichenden Sorgfalts- und Informationspflicht.

„Kempter hat nur über sich und Amerell gesprochen“

Das bestreitet der Unternehmer aus Salzgitter. „Ich habe mir“, sagte er am Mittwoch gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „nichts vorzuwerfen. Kempter hat nur über sich und Amerell gesprochen, nicht aber über andere, möglicherweise in Mitleidenschaft gezogene Schiedsrichter.“ Dass er selbst Zwanziger erst spät in Kenntnis gesetzt habe, hält Roth weiterhin für einen „unberechtigten Vorwurf“. In einem solchen Fall könne man „nicht vorschnell rausgehen und posaunen, haltet den Verbrecher. Ich musste erst mal ein paar Gespräche führen, ehe sich alles verdichtet hat.“

Einen Anlass, von sich aus vorzeitig zu gehen und den Platz zu räumen für seinen mutmaßlichen Nachfolger Herbert Fandel sieht Roth nach wie vor nicht. „Dafür gibt es keinen Grund. Ich werde bis Oktober weitermachen.“ Der seit langem geplante Generationswechsel an der Spitze der deutschen Schiedsrichterei vom 68 Jahre alten Roth auf den 45 Jahre alten Fandel soll nach Ansicht des ersten Mannes der schwarzen Zunft bis zum DFB-Bundestag in Essen auf sich warten lassen.

„Ich bin von meiner Mission überzeugt“

Dass Kollegen ihm gegenüber zunehmend auf Distanz gingen, kann Roth nicht bestätigen. „Ich kriege immer wieder Anrufe von den aktiven Schiedsrichtern, die mir sagen: Tritt ja nicht zurück, das hast du nicht nötig, du hast dir nichts vorzuwerfen.“ Roth sagt andererseits, „dass im Untergrund gegen mich geschossen wird“ – und deutet dabei, ohne Namen zu nennen, in Richtung Deutsche Fußball Liga.

„Ich aber bin von meiner Mission überzeugt“, hebt der sperrige Obmann hervor, „und kann mir auf die Fahne schreiben, dass unsere Schiedsrichter national wie international einen guten Ruf haben.“ Wenn Fandel und dessen Mitstreiter das Schiedsrichterwesen hin zu mehr Transparenz und Teamwork demnächst reformieren wollten, sei das „völlig in Ordnung“. Auch er habe, als er 1995 an die Spitze der Schiedsrichterkommission gewählt wurde, vieles verändert.

Roth will Kempter bald wieder einsetzen

Von generellen Abhängigkeiten, die ein Schiedsrichter auf dem Karriereweg nach oben zu gewärtigen habe, will Roth trotz des Falles Amerell, der Kempters Aufstieg auf seine Weise begleitet hat, nicht sprechen. „Wer in die Bundesliga kommt, entscheidet ein Gremium von elf Personen. Das muss einvernehmlich passieren, und ist immer einvernehmlich passiert.“

Kempter habe bewiesen, dass er ein „ausgezeichneter Schiedsrichter ist“. Roth will ihn bald wieder in der Bundesliga einsetzen. Für den 24. Spieltag indes steht Michael Kempter noch nicht auf der Besetzungsliste des Chefschiedsrichters. Daran könnte höchstens eine dringende Empfehlung Zwanzigers noch etwas ändern.

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