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Völler attackiert Bierhoff „Füße aus Malta“ an Rudis Stammtisch

19.11.2007 ·  Traditionalisten kontra Reformer: Der deutsche Fußball-Konflikt ist neu entbrannt - mit Rudi Völler und Oliver Bierhoff in den Hauptrollen. Der Altbundestrainer hatte dem Nationalelf-Manager „mehr Demut“ angeraten.

Von Michael Horeni
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Irgendwie dachte man, dass es vor allem an der polarisierenden Persönlichkeit Jürgen Klinsmanns gelegen habe, dass die Bundesliga in den ersten beiden Jahren der Nationalmannschaftsreformen immer wieder allergisch bis hysterisch auf Veränderungen reagierte. Aber während es sich der ehemalige Fußball-Bundestrainer derzeit in Kalifornien gutgehen lässt und Pläne für die Zukunft entwickelt, ist in diesen Tagen der alte Konflikt zwischen Traditionalisten und der Reformgruppe im Deutschen Fußball-Bund (DFB) ebenso unerwartet wie scharf wieder aufgebrochen.

Diesmal sah sich ausgerechnet Klinsmanns Vorgänger Rudi Völler genötigt, die Führung der Nationalmannschaft und vor allem Oliver Bierhoff frontal anzugreifen. Völler hielt sich dabei nicht allzu sehr mit Argumenten auf, er wurde schnell sehr persönlich gegenüber seinem ehemaligen Nationalmannschaftskapitän. Bierhoff wehrte sich umgehend. Zwei Tage vor dem letzten Europameisterschafts-Qualifikationsspiel gegen Wales in Frankfurt reagierte er sehr energisch und auch wütend auf die Anwürfe aus dem Hause Bayer. „Ich finde es schon ein bisschen traurig, dass man - wenn man keine Argumente hat oder einem die Argumente ausgehen - persönlich wird und es unter die Gürtellinie geht. Das ist eine absolute Frechheit“, sagte Bierhoff.

Löw: „Das Geld ist da“

Völler war am Wochenende der Kragen geplatzt, weil er mit den Vorschlägen von Bierhoff und Joachim Löw zur Verbesserung des Fußballs in Deutschland offenbar nicht viel anfangen konnte. „Ich kann das alles nicht mehr hören“, meckerte Völler. Der Bundestrainer und der Manager hatten einen Runden Tisch im deutschen Fußball vorgeschlagen, nachdem die Bundesliga im Europapokal in dieser Saison bisher nur beklagenswerte Ergebnisse zustande gebracht hat.

„Wir müssen überlegen, wie können wir Taktik, Technik und die Ausbildung optimieren“, hatte Löw gefordert. Das Hauptargument der Vereine, die deutschen Klubs seien durch niedrigere Fernseheinnahmen im Vergleich zur europäischen Konkurrenz im Nachteil, will der Bundestrainer auch nur zum Teil akzeptieren. „Das Geld ist da, wo gut konzeptionell gearbeitet wird“, sagte der Bundestrainer, während Bierhoff darauf hinwies, dass die Bundesliga bei Marketing-Einnahmen führend in Europa sei.

Völler: „Mehr Demut“

„Er sollte sich in den nächsten Tagen bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen lassen. Das permanente Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen“, sagte Völler nun in Richtung seines ehemaligen Spielers. Er riet dem DFB-Manager, den Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Vorsaison schon als „Ich-AG vom Starnberger See“ ausgemacht hatte, zu „mehr Zurückhaltung“ und „mehr Demut“.

Vor allem der immer wieder von Löw und Bierhoff vorgetragene Wunsch nach einer einheitlichen Spielphilosophie im DFB hatte den Zorn bei Völler hervorgerufen. „Die Spielphilosophie von heute ist zuallererst ein Produkt der hervorragenden Jugendarbeit in den Vereinen“, behauptete der Sportdirektor von Bayer Leverkusen. „Mit Spielern, die Klubs wie Köln, München, Stuttgart, Bremen oder Leverkusen ausgebildet haben, kannst du diese Philosophie umsetzen. Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht“, schimpft Völler. „Jeder Trainer würde gerne offensiv spielen lassen. Aber wenn du zum Beispiel einen Spielertypen wie Bierhoff im Team hast, kannst du eben auch nicht brasilianisch spielen.“

„Jogi soll sich um die Nationalelf kümmern“

Bierhoff wertete den Beitrag des Weltmeisters inhaltlich als „Schwachsinn“ und in der Form als „Stammtischniveau“. Natürlich profitiere die Nationalmannschaft derzeit von der Jugendinitiative, die im Jahr 2000 gestartet wurde, das habe man auch nie bestritten „Aber unsere Philosophie machen wir schon selbständig. Jürgen Klinsmann hat das Konzept im Jahr 2004 von einem auf den anderen Tag initiiert. Die Bedingungen hatten sich da ja nicht geändert“, sagte Bierhoff und spielte damit auch auf Völlers Arbeit als Bundestrainer an, dessen Team bei der letzten Europameisterschaft einen spielerisch und körperlich kläglichen Eindruck hinterlassen hatte.

Bierhoff ärgerte sich zudem, dass ihm Angriffe unterstellt wurden, die er nicht gemacht habe. „Ich habe nur über unsere Arbeit gesprochen. Ich habe in keiner Weise die Arbeit der Bundesligavereine kritisiert“, sagte der Manager über seine Interviews zu diesem Thema. Er habe nur die Fakten dargestellt. Gleichwohl sind Bierhoffs unveröffentlichte, wenig schmeichelhafte Ansichten über die Arbeit der Bundesligaklubs weithin bekannt. Entsprechend fallen auch seit einiger Zeit die Reaktionen aus anderen Vereinen aus, auch wenn es dafür eigentlich keine offizielle Geschäftsgrundlage gibt.

„Jogi soll sich um die Nationalelf kümmern. Wir kümmern uns um die Vereine“, sagte etwa Friedhelm Funkel, Trainer der Frankfurter Eintracht. Auch der Bremer Sportdirektor Klaus Allofs wies die offiziell von der Nationalmannschaftsführung nicht geäußerte Kritik zurück: „Wir müssen uns keinen Vorwurf gefallen lassen, dass wir uns keine Gedanken machen und den Anforderungen nicht gerecht werden.“

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