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Freitag, 17. Februar 2012
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Visionär Vogts „Bayern gewinnt Champions League“

13.01.2008 ·  Berti Vogts hat seinem ehemaligen Spieler und Freund Jürgen Klinsmann eine glorreiche Zukunft als Trainer des FC Bayern vorausgesagt, aber auch im Stile Franz Beckenbauers die Latte sehr hoch gelegt: „München wird in den nächsten beiden Jahren die Champions League gewinnen.“

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Berti Vogts und Jürgen Klinsmann sind Freunde, seit sie 1996 als Bundestrainer und Kapitän die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in England zum Titel führten. Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in den Chaos-Wochen nach dem Rücktritt von Rudi Völler im Sommer 2004 mit einer „Trainerfindungskommission“ einen Nachfolger suchte, war es Vogts, der Klinsmanns überraschendes Interesse nach Frankfurt übermittelte.

Eine ganze Nacht lang hatte sich der frühere Bundestrainer, der zufällig auf Camping-Urlaub in Kalifornien unterwegs gewesen war, in Klinsmanns Haus dessen Ideen und Pläne angehört und anderntags DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt angerufen. Vogts berichtete nicht nur von der Bereitschaft des 108-maligen Nationalspielers, sondern empfahl auch „die Menge guter Ideen“, die Klinsmann mit nach Deutschland bringen werde. Die Folgen sind bekannt. Klinsmann und die deutsche Elf begeisterten bei der WM 2006 die ganze Nation.

Berti Vogts, der derzeit in Estepona (Spanien) als Nationaltrainer Nigerias die „Super Eagles“ auf die Afrikameisterschaft in Ghana (20. Januar bis 10. Februar) vorbereitet, im Gespräch mit FAZ.NET.

Wie sehr hat Sie die Nachricht überrascht, dass Jürgen Klinsmann Trainer beim FC Bayern wird?

Nicht sonderlich. Wir haben vor einigen Monaten mal darüber gesprochen, dass er bald etwas tun muss. Denn es ist nicht gut, wenn man zu lange aus dem Geschäft ist. Aber bei ihm muss eben alles stimmen. Bei einer Rückkehr nach Europa kamen für ihn nur London oder München in Frage. Diese beiden Städte liebt er. Ich wusste, dass er beim FC Chelsea kurz vor dem Abschluss stand. Im Übrigen war ich schon seit Donnerstag darüber informiert, am Tag bevor seine Verpflichtung in München bekanntgegeben wurde. Jürgen hatte mich angerufen. Wir hatten ein längeres Gespräch. Er hat mich nicht um Rat gefragt, er hatte seine Entscheidung bereits getroffen. Ich habe ihm dazu gratuliert und finde es großartig, dass er jetzt diese große Herausforderung annimmt. Ich kann nur sagen: „Gratulation FC Bayern München!“

Also ist die Münchner Trainerwahl eine gute?

Hundertprozentig. Die Bayern öffnen sich jetzt der modernen Art des Trainings und bewegen sich in eine neue, zukunftsweisende Richtung. Wenn all das angenommen wird, was Jürgen vorhat, ist er genau der richtige Mann.

Ist bei einer so eigenwilligen Trainerpersönlichkeit wie Klinsmann der nächste Krach mit der starken Führungstroika Rummenigge, Hoeneß und Beckenbauer beim „FC Hollywood“ nicht schon programmiert? Es sei an Otto Rehhagel oder Felix Magath erinnert.

Starke Persönlichkeiten sind die Voraussetzung für eine starke Mannschaft. Sie wird von oben gepuscht. Erfolge hatte die Mannschaft immer mit großen Persönlichkeiten wie Ottmar Hitzfeld, zwischendurch mal Franz Beckenbauer oder Udo Lattek. Sie wird von der neuen Konstellation profitieren.

Sie haben Erfahrung mit dem Wechsel vom Bundes- zum Klub-Trainer. Bei Bayer Leverkusen kam es zur vorzeitigen Trennung nach nur einem halben Jahr. Was können Sie Jürgen Klinsmann raten?

Jürgen kommt jetzt in eine andere Zeit, die er in Deutschland als Bundestrainer entscheidend geprägt hat. Was er für seine modernen Methoden verlangt, wurde ihm in München bereits vertraglich zugesichert. Bei mir in Leverkusen hatte man vor sieben Jahren noch über meine Vorstellungen und Forderungen gelächelt, dass man im modernen Fußball mehrere Trainer braucht, einen Psychologen, einen Fitnessexperten und so weiter. Inzwischen hat man wohl, glaube ich, eingesehen: „Oh, wir haben damals etwas nicht richtig verstanden in Leverkusen.“

Sie waren der Zeit Klinsmanns also bereits voraus?

Ich sage das nicht. Das sollen andere beurteilen, Leute, die das jetzt alles toll finden, damals aber die Notwendigkeit noch nicht erkannten.

Lässt sich die Arbeit mit der Nationalmannschaft ohne weiteres auf die Bundesliga übertragen?

Jürgen wird bei den Bayern fortführen, was er beim DFB angefangen hat. Er wird die Dinge noch intensivieren. Dass muss er auch. Denn er hat es nun tagtäglich mit den Spielern zu tun hat. Ein super Trainerstab ist zur Umsetzung seiner Ideen und seines Konzepts unerlässlich.

Wird er mit der Umstellung vom Monats- auf das Tagesgeschäft Probleme haben?

Nein. Es wird für ihn sogar einfacher sein. Er kann die Spieler täglich formen, sie auf seine Philosophie einschwören. Bei den Spielern wird eine Umstellung, ein Umdenken erforderlich sein. Jürgen hat starke Persönlichkeiten hinter sich, die ihn dabei unterstützen werden.

Welche Prognose geben Sie für die Zukunft des FC Bayern mit Klinsmann als Cheftrainer?

Bayern München wird in den nächsten beiden Jahren die Champions League gewinnen.

Das Gespräch führte Hartmut Scherzer

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.01.2008, Nr. 2 / Seite 14
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