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VfL Wolfsburg Was kommt nach Magath?

12.05.2009 ·  Das Verhältnis VfL Wolfsburg/Felix Magath ist vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund zur reinen Zweckbeziehung verkommen. Sein Denkmal hat der Trainer durch die Indiskretionen rund um seinen Wechsel zum FC Schalke selbst zerstört.

Von Frank Heike
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Wenn die Wolfsburger Befindlichkeit gemessen werden soll, wird Rolf Schnellecke gefragt. Das ist schon seit Jahren so. Als nebenberuflicher Fußball-Psychologe wird der Oberbürgermeister auch in diesen Tagen wieder benötigt. Mit dem Finger am Puls seiner ängstlichen Bürger muss er die Frage beantworten: Verspielt der VfL Wolfsburg tatsächlich noch die Meisterschaft? Schnellecke hat mit sich gerungen, er ist ein höflicher Mann, er ist Politiker, und er wollte eigentlich nichts Schlechtes über Felix Magath sagen. Aber er ist ja auch ein Mann des Volkes, und also hat er ganz vorsichtig lächelnd gesagt: „Wir hätten uns gewünscht, dass es erst zum Saisonende rauskommt.“

Nach dem 1:4 in Stuttgart und vor dem Heimspiel an diesem Dienstag gegen Borussia Dortmund (20 Uhr/FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) zieht eben doch Verunsicherung durch die ostniedersächsische Provinz. Und - entgegen allen Behauptungen - auch durch die Mannschaft. Natürlich wollen alle Profis deutscher Meister werden, selbstverständlich denken sie nicht vor jedem Ballkontakt an die Zukunft ohne Magath. Sehr wohl denken sie zwischen den Spielen aber an ihre Zukunft mit wem auch immer. Gerade für junge Spieler mit glänzenden Karriere-Aussichten ist es entscheidend, ob der nächste Trainer Christoph Daum oder Thomas Schaaf heißt, um nur die beiden äußeren Enden der kolportierten Kandidaten-Liste ins Auge zu fassen.

Bald ist der Allmächtige weg

Die persönliche Ungewissheit ist es, die für Unruhe sorgt. „Es ist am VfL, meine Forderungen zu erfüllen“, sagte etwa Grafite mit dem Selbstbewusstsein von 23 Toren. Er würde gern bleiben und den bis 2011 laufenden Vertrag verlängern. Aber mit wem soll er verhandeln? „Der Verein hatte anderes zu tun“, sagt er. Auch Partner Dzeko soll (wegen seines jungen Alters vermutlich noch etwas heißer) begehrt sein, sogar vom AC Mailand. Dzeko sagt erst mal gar nichts.

Auch Kapitän Josué, dessen Vertrag bis 2011 läuft, schweigt. „Wir haben noch zwei ganz wichtige Wochen. Dann wird man sehen, was passiert“, sagt Spielmacher Misimovic, der noch bis 2012 an den Klub gebunden ist. Es ist kein Geheimnis, dass Werder Bremen und der FC Bayern Interesse an ihm haben. Andere, von Magath Ausgemusterte wie Verteidiger Ricardo Costa, sind froh, dass der Allmächtige bald weg ist - Costa wird beim VfL bleiben.

Verhältnis VfL/Magath ist zur reinen Zweckbeziehung verkommen

Zur Zukunft seiner möglichen Meisterspieler kann, will und darf Magath nichts mehr sagen. Das übernimmt nun einer, den bisher nur Eingeweihte kannten: Jürgen Marbach, bislang untergeordneter Geschäftsführer Marketing. Er beruhigt die Fans. „Alle Leistungsträger sind langfristig unter Vertrag.“ Doch seit kurzem weiß man ja gerade in Wolfsburg, was Verträge wert sind.

Im Klub und im Werk ist man spürbar auf Abstand zu Magath gegangen. Es sind nur noch Lippenbekenntnisse zur Fanberuhigung, wenn Marbach etwa sagt, Magath habe Großartiges geleistet. Das stimmt natürlich. Aber sein Denkmal in Wolfsburg hat der Trainer durch die - woher auch immer kommenden - Indiskretionen rund um seinen Wechsel zum FC Schalke selbst zerstört.

„Bestehen wir gegen Dortmund, bin ich sehr zuversichtlich“

Unverständlich sind auch mediale Aktionen wie das Wochenend-Interview, in dem Magath schon von seinen Zielen mit den „Königsblauen“ sprach. Damit hätte er auch noch zwei Wochen warten können. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ist das Verhältnis VfL Wolfsburg/Felix Magath zur reinen Zweckbeziehung verkommen.

Allerdings sagt das fast gar nichts über die tatsächlichen Wolfsburger Chancen aus. In Stuttgart hat zuletzt fast jeder verloren. Nach Dortmund warten die Bundesliga-Sommerfußballer aus Hannover und Bremen auf die „Wölfe“. In solchen Spielen gewinnt normalerweise die Mannschaft, für die es noch um etwas geht. Fragte man Schnellecke, würde er wohl antworten: „Bestehen wir gegen Dortmund, bin ich sehr zuversichtlich für die Meisterschaft.“

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