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VfL Wolfsburg Mit dem Meister-Plan in den großen Fußballfeiertag

22.05.2009 ·  Wolfsburg steht vor dem größten Tag der Vereinsgeschichte. Am Samstag reicht dem VfL ein Remis zum Titel. Alles ist in der Stadt angerichtet für die große Party. Und Trainer Felix Magath nahm schon Kontakt auf mit der Meisterschale.

Von Frank Heike, Wolfsburg
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Am Donnerstag um 14 Uhr lief doch tatsächlich eine Gruppe junger Männer durch die Innenstadt und brüllte: „Deutscher Meister wird nur der VfL!“ Dieser für ostniedersächsische Verhältnisse gewaltige Gefühlsausbruch lag aber eher am Termin: Himmelfahrt, Vatertag, da kann man mittags schon mal mit freiem Oberkörper durch die menschenleere Betonwüste in Wolfsburgs Mitte laufen und den Inhalt des Bollerwagens leer trinken.

Aber endlich einmal ein Bekenntnis zum VfL! Ansonsten versuchen die beiden Wolfsburger Zeitungen nämlich seit Tagen, irgendeine Form von Vorfreude, Meisterstimmung oder sich anbahnender Begeisterung aufzuspüren. Doch außer der Meisterkreation „Wölfe-Becher“ im Eiscafé Olivier (Joghurt-Eis, Kiwi-Sauce, Wolfsburg-Fähnchen) gab es nicht viel. Zumindest nicht in der City.

Etwas weiter außerhalb, auf dem Trainingsgelände des VfL neben der Autostadt, war die Atmosphäre weniger verschlafen und deutlich selbstbewusster. Rekordverdächtige 800 Fans sahen das letzte Training der „Wölfe“, bevor es am Donnerstag ins Vorbereitungsquartier ins nahe Rhode ging. Abschottung für das letzte Spiel. Am Samstag gegen Bremen (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) soll eine große Saison großartig und mit dem Meistertitel gekrönt werden.

Magath: „Das Heimspiel gegen Dortmund war sehr wichtig“

Trainermanager Felix Magath hat schon seit einiger Zeit auf zuversichtlich umgestellt und setzte das auch in dieser Woche fort: Fleißig unterschrieb er vor dem Training Meisterschalen aus Plastik. Am Donnerstag bei seiner letzten Heimspiel-Pressekonferenz als Chef des VfL ließ er keinen Zweifel daran, dass die Wolfsburger sich die Chance auf die erste Meisterschaft nicht mehr nehmen ließen. „Das Heimspiel gegen Dortmund war sehr wichtig. Seitdem glaube ich an die Meisterschaft“, sagte Magath, „noch vor ein paar Wochen habe ich die Meisterschaft im Bereich des Nichtmachbaren eingeordnet.“

Im Trainingslager wolle man sich vom Rummel etwas lösen, sich nicht mehr weiter ablenken lassen, denn: „Hier wurde die ganze Woche ja nur davon geredet, wie nach dem Spiel gefeiert wird. Das ist gefährlich.“ Allerdings wird Wolfsburg auf einen Gegner treffen, der frustriert aus Istanbul zurückkehrt und an das Pokalfinale gegen Leverkusen denkt - kaum vorstellbar, dass Werder Bremen sich am Samstag zerreißt (siehe auch: Uefa-Pokal-Finale: „Das war nicht das wahre Gesicht von Werder“).

„Mit großem Selbstbewusstsein nach zwei Superspielen“

Magath musste das natürlich anders sehen. Er hatte die Niederlage gegen Donezk „nicht ganz so konzentriert“ gesehen und war mit dem Resultat unzufrieden: „Mir wäre es lieber gewesen, die Bremer als Sieger im Uefa-Cup zu begrüßen. Unzufriedene Spieler sind gefährlicher als zufriedene.“ Doch in Wirklichkeit rechnet keiner mehr mit einem stolpernden VfL. „Wir gehen ja auch nicht mit hängendem Kopf, sondern mit großem Selbstbewusstsein nach zwei Superspielen in die Partie“, sagte Magath nach den Siegen gegen Dortmund und in Hannover (siehe auch: 5:0 in Hannover: Wolfsburg wie ein kommender Meister).

Wie gefeiert werden soll, ist längst bis auf die Minute geplant. Vor dem Rathaus bauen kräftige Männer in Schwarz gerade an der Bühne, auf der sich die Wolfsburger Profis am Samstagabend zeigen sollen. Man kann sie in ihren Ausmaßen schon gut erkennen. Am Donnerstag schien die Party-Grundlage ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, und zwar nicht nur von Vätern.

„Für Wolfsburg, den VfL, Volkswagen und für mich etwas Großes“

Die Fahrt dahin soll am Samstag ein Triumphzug in Cabrios werden. Noch auf dem Platz wird es im Fall der Fälle die üblichen Rituale geben - spezielle Meister-T-Shirts, vereinsfarbenes Konfetti aus Kanonen, „We are the champions“ und die echte Meisterschale aus den Händen vom Chef des Ligaverbandes, Reinhard Rauball. Dazu große Gläser mit, ja womit eigentlich? Magath sagte: „Ich kann gar nicht sagen, ob Bier oder Wasser ausgeschüttet wird.“ Die Prominenz in den Logen wird zahlreich und von jemandem angeführt sein, der zuletzt beim Wolfsburger Erstliga-Aufstieg 1997 im Stadion war: Ferdinand Piëch. Zusammen mit seiner Frau Uschi will sich der scheue VW-Aufsichtsratschef mal ein bisschen vom Gerangel mit Porsche erholen. Auch Bundestrainer Joachim Löw will kommen.

Magath erzählte am Donnerstag, dass er nach seinem Urlaub Mitte Juni nach Wolfsburg zurückkehren werde, um „hier die Zelte abzubrechen“ und die „große Herausforderung“ Schalke anzunehmen. Von Wehmut wollte er nicht sprechen. Aber: „Für Wolfsburg, den VfL, Volkswagen und für mich ist das etwas ganz Großes hier - alle haben wunderbare Arbeit geleistet.“ Da nutzte ein altgedienter NDR-Hörfunkreporter die Chance und bedankte sich bei Magath für die „gute Zusammenarbeit“ in den vergangenen zwei Jahren. Er habe den VfL zum beliebtesten niedersächsischen Verein gemacht. „Danke!“, sagte Magath.

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