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VfL Wolfsburg Hoeneß klappt das Buch Diego wieder auf

26.08.2010 ·  Diego kehrt in die Bundesliga zurück. Der Brasilianer spielt vielleicht schon am Samstag für seinen neuen Klub VfL Wolfsburg gegen Mainz 05. Der Transfer ist dem Verhandlungsgeschick von Manager Dieter Hoeneß zu verdanken.

Von Roland Zorn, Wolfsburg
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Nach acht Stunden Schlaf wacht Dieter Hoeneß derzeit oft „hundemüde“ auf. Den ganzen Tag hellwach sein zu müssen, ist ja auch aufreibend genug. Speziell in diesen Wochen, da es um gut und richtig angelegte Millionen für den VfL Wolfsburg geht. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des niedersächsischen Bundesligaklubs ist momentan am Ende seiner ersten neun arbeitsintensiven Monate beim VfL als Geschäftsmann ständig gefragt, ehe von Mittwoch, 0 Uhr an, die in Wolfsburg zuletzt besonders hochtourig vorangetriebenen Transferaktivitäten ruhen, und fürs erste keine Spieler mehr verpflichtet werden dürfen. Dass der jüngere Bruder des Münchner Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß danach eine Woche Urlaub vom Fußballstress braucht, ist nachvollziehbar. Schließlich hat der Schwabe, wie Bruder Uli eine Mischung aus liebenswertem Gemütsmensch, kühl kalkulierendem Kaufmann und machtbewusstem Fußball-Chef, in jüngster Zeit auch Rollen spielen müssen, die ihm nicht auf den mächtigen Leib geschrieben sind. Hoeneß ist in der Bundesliga neben dem Schalker Trainer/Geschäftsführer Felix Magath und seinem Bremer Kollegen Klaus Allofs der gegenwärtig beste Pokerprofi im Ein- und Verkaufsbusiness. Am Donnerstag hat er seinen Königstransfer so gut wie sicher unter Dach und Fach gebracht: Hoeneß holt den Brasilianer Diego zurück in die Bundesliga.

Jenen formidablen Spielmacher, der vor rund einem Jahr Werder verließ, um gegen eine Ablösesumme von 24,5 Millionen Euro Italiens Rekordmeister Juventus Turin sportlich zu bereichern. Das glückte dem Fünfundzwanzigjährigen aber nicht wie erhofft. Juve und Diego rutschten in eine Krise, an deren Ende nur Platz sieben für „Juve“ in der Serie A stand. Nun ist ihn die „alte Dame“ wieder los geworden, auch weil im Spielsystem des neuen Trainers Luigi del Neri, der auf ein 4-4-2 mit zwei Außen, aber ohne Regisseur in der Mitte setzt, kein Platz für den Fußball-Dirigenten ist, und die Italiener frisches Geld brauchen. Aus dem Diego-Transfer fließen ihnen demnächst angeblich rund 15 Millionen Euro zu, aber nicht die zunächst kolportierten 20 Millionen.

Über die vergangenen Wochen duellierten sich die dank der Patronage durch Volkswagen mindestens so betuchten Wolfsburger mit dem Fiat-Klub um den passenden Preis für den Künstler am Ball. Zwischendurch tat Hoeneß sogar so, als wäre die Messe zwischen den beiden Klubs schon gelesen. „Wir haben selbst das Buch zugeschlagen“, erklärte er scheinbar kategorisch, „das lag nicht an Diego oder uns, denn mit dem Spieler sind wir klar. Erst wurde Diego angeboten, dann wieder für unverkäuflich erklärt. Dieses Hin und Her wollen wir jetzt beenden.“ Aber nicht wirklich.

Nur Diegos Unterschrift fehlt noch

Und so schlugen der gewiefte Hoeneß und Juventus Turin das Buch mit der märchenhaften Hauptfigur Diego wieder auf. Der Brasilianer, der zwischen 2006 und 2009 die Werder-Fans, und nicht nur die, verzauberte, schoss in seinen 84 Bundesligaspielen für die Bremer 38 Treffer und lieferte dazu 32 Torvorlagen. Der VfL Wolfsburg stattet Diego mit einem Vierjahresvertrag und einem Gehalt aus, das dem Vernehmen nach bei rund 6 Millionen Euro per annum liegen soll. Die medizinische Untersuchung hat er schon hinter sich, nur die Unterschrift unter dem vereinbarten Vertrag fehlt noch.

In Wolfsburg begegnet der Ballzauberer auch noch Zvjezdan Misimovic, dem bisherigen Spielmacher des VfL. Der 28 Jahre alte Bosnier mag schon seit längerem nicht mehr mitspielen bei den Grün-Weißen. Er lässt jedermann seinen Unmut spüren, wenn er auf seine Situation angesprochen wird - und tritt dabei so missmutig auf, als müsste er, dessen Vertrag im Vorjahr nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft bis 2013 verlängert wurde, in Wolfsburg Hunger leiden.

Schalke soll Misimovic nur gegen Abgabe von Farfan bekommen

Da ist ihm Diego voraus, der allzeit freundlich-professionell und vor allem verschwiegen die Verhandlungen zwischen Wolfsburg und Turin sowie zwischen dem VfL und seinem Vater und Berater Djair da Cunha begleitet hat. „Wolfsburg? Davon weiß ich gar nichts“, hat der Brasilianer noch vor kurzem auf Nachfragen reagiert. Misimovic dagegen gab sich öffentlich bockig und vermied jedes Bekenntnis zum VfL Wolfsburg. Er, den es schon länger zu seinem ehemaligen Förderer und Meistertrainer Felix Magath nach Schalke zieht, sagte, nach einem Bekenntnis zum VfL gefragt: „Ich weiß nicht einmal, was morgen ist. Woher soll ich dann wissen, was in einigen Tagen ist.“ Vielleicht weiß er schon bald mehr, ob ihn seine Reise als nächstes zu Galatasaray Istanbul, das eine Ablöse von acht Millionen Euro bietet, oder zu Magath und damit zu Schalke 04 führt.

Dieter Hoeneß, nicht amüsiert über die miesepetrigen Auftritte seines wechselwilligen Stardarstellers, will den Bosnier nicht so einfach an einen Ligarivalen hergeben. Für die Option Schalke könnte sich der VfL-Geschäftsführer nur erwärmen, falls die Westfalen mit einem Kompensationsgeschäft einverstanden wären. Also etwa ihren Angreifer Jefferson Farfan nach Wolfsburg abgäben und obendrauf noch geschätzte fünf Millionen Euro extra für Misimovic packten. „Wir stärken keinen Konkurrenten“, lautet Hoeneß' Credo, „ohne ihn nicht auch gleichzeitig zu schwächen.“

Hoeneß kann aus einer Position der Stärke verhandeln. Er hat Diego plus Misimovic, den sich Wolfsburg auch noch leisten könnte, und dazu die Mittel, die nun schon 23 Millionen Euro an Transferausgaben für die Abwehrgrößen Simon Kjaer und Arne Friedrich sowie den Offensivspieler Mario Mandzukic um weitere 15 Millionen aufzustocken. Mit der Schubkraft des VW-Konzerns ist für den Meister von 2009 sehr vieles möglich. „Wir wollen“, sagt Hoeneß, „möglichst regelmäßig in der Champions League mitspielen.“ Im Jahr nach dem Titelgewinn wurde der VfL nur Achter. Der vorläufig letzte Ausrutscher, hoffen sie in Wolfsburg. Mit Diego und dem international begehrten und nach kurzem Zicken in Wolfsburg gebliebenen Stürmer und Neu-Kapitän Edin Dzeko vorneweg muss die Sehnsucht nach neuen Titeln kein Traum bleiben.

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