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VfL Wolfsburg Diegos Plan mit Risiko: „Ich bereue nichts“

 ·  Abstiegskampf, Trainerwechsel, Formschwäche: Diego die große Hoffnung der Wolfsburger, die verdorbene Saison noch unfallfrei zu Ende zu spielen. Am Freitag (20.30 Uhr) kommt es in Bremen zum Wiedersehen mit seinem früheren Verein.

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So schön müsste das Trainings-Leben immer sein: ein Spiel elf gegen elf mit großen Toren auf verkleinertem Feld. Angenehme Temperaturen. Und der letzte Schuss zischt in den Winkel. „Abpfiff!“, ruft Assistenztrainer Bernd Hollerbach. Diego hat den Ball gerade zum Sieg seiner Mannschaft ins Tor gedreht. Für ihn ist das Leben als Profi des VfL Wolfsburg allerdings selten so angenehm wie an diesem Tag.

Da gelingen ihm vor den Augen des VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn die Dinge, die der VfL Wolfsburg Fußball-GmbH 16 Millionen Euro Ablöse und etwa 6 Millionen Euro Jahresgehalt wert waren: Steilpässe, die Tore einleiten. Tempodribblings, die er mit Treffern abschließt. Und kunstvolle Freistöße. Eine Einheit wie gemalt, kurz vor dem Kellerduell bei Werder Bremen an diesem Freitag (20.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker).

Winterkorn gibt dem bisher teuersten Wolfsburger Profi später die Hand, berührt kurz seine Schulter. Nach seinem guten Spiel beim 4:1 gegen den 1. FC Köln ist Diego die große Hoffnung der Wolfsburger, die verdorbene Saison doch noch unfallfrei zu Ende zu spielen.

„Ich habe noch keine Rote Karte bekommen“

Noch nie war Winterkorn beim Training der Profis. Eine starke Symbolik, dass der Automann und Fußballfan nun kommt, etwas, das Diego nicht entgeht: „Natürlich kenne ich ihn. Und ich finde es gut, dass er da ist. Es ist gerade der wichtigste Moment, um zu zeigen, dass wir ein Team sind.“ Badelatschen, verschwitzte Stirn, aber entspannte Haltung, so steht Diego nach dem Vormittagstraining im Keller der Arena.

Der 26 Jahre alte Brasilianer ging 2009 von Bremen als Star der Bundesliga nach Turin, er kam ein Jahr später als Gescheiterter zurück in einen Klub mit viel Geld und großen Ambitionen. Die Champions League sollte es sein, versprachen sie ihm. Es wurde der Abstiegskampf. Diego sagt: „Jeder Plan hat ein Risiko. Ich bereue nichts. Wir müssen die Erfahrungen ausnutzen und es nächstes Jahr besser machen. Unser Problem war, dass wir gute Einzelspieler haben, es als Mannschaft aber selten zeigen konnten.“ So wurde Wolfsburg ein Fall für Magath, und Diego steckt mittendrin.

In Bremen sprach er Portugiesisch, sehr selten deutsch. Inzwischen hat er sich ein gutes Fußball-Englisch zugelegt. Die Sprache ist eine andere, sein Spiel auch und sein Image: Nach einigen Fouls und vielen „italienisch“ anmutenden Gesten hat sich der Bremer Musterknabe in der öffentlichen Wahrnehmung zum bösen Buben gewandelt und wird in fremden Stadien reflexartig ausgepfiffen. Diego sagt: „Ich habe noch keine Rote Karte bekommen. Ich kämpfe auf dem Platz und mache Fehler. Aber ich mache nichts vorsätzlich.“

Magath hat bei Diego ein „Kopfproblem“ entdeckt

Die Gründe für die Gereiztheit liegen auf der Hand. Abstiegskampf, Trainerwechsel, Formschwäche, allgemeine Unzufriedenheit. Er ist offenbar überfordert mit der Rolle als Anführer, Teilzeit-Coach Pierre Littbarski suspendierte ihn im Februar sogar für ein Spiel, nachdem Diego einen Elfmeter verschossen hatte, der für Helmes vorgesehen war. Diego sei Wolfsburgs wichtigster Spieler, sagt Trainer Felix Magath nun wieder, aber manchmal wolle er zu viel.

„Es ist erst einmal schön, wenn der Trainer so viel von mir hält“, sagt Diego. „Manches ist nicht so leicht, wenn man unerwartet gegen den Abstieg spielt.“ Vielleicht habe er zu oft versucht zu brillieren, sagt Diego, wo doch Kämpfen und Rennen gefragt seien. Seinen Beitrag zum Wolfsburger Punkte-Ertrag findet er so schlecht nicht: 28 Spiele, sechs Tore, sieben Vorlagen. In seiner ersten Bremer Saison waren es zwölf Tore. Ein „Kopfproblem“, wie es Magath bei ihm entdeckt hat, will Diego nicht erkennen.

Diego: „Ich denke immer gern an Werder“

Zum ersten Mal kehrt er an diesem Freitag nach Bremen zurück. Drei phantastische Jahre habe er dort verbracht, die Champions League erreicht, den DFB-Pokal gewonnen, als Bremer für Brasilien gespielt. „Ich denke immer gern an Werder“, sagt Diego. Mit den alten Kollegen hat er trotzdem nicht gesprochen, zumal seine Bremer Bezugsperson Naldo ja verletzt ist.

Sollten die Bremer Fans ihn auspfeifen, womit er nicht rechnet, könne er es nicht ändern, sagt Diego achselzuckend: „Negative Dinge gehören zum Leben. Ich hatte in Wolfsburg einige schlechte Momente, aber es waren nicht die ersten und werden nicht die letzten sein. Ich spiele gern hier.“ Diego merkt, dass man ihm kaum abnimmt, sich im Wolfsburger Abstiegskampf so wohl zu fühlen, wie er vorgibt. Es ist wohl eher eine professionelle Haltung. Andererseits ist er noch jung genug, um an die Erfolge aus Bremer Zeiten anzuknüpfen. Beim VfL oder anderswo.

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