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Max Kruse : Der Problemprofi und die Ratlosen

  • -Aktualisiert am

Einer, der anders sein will: Fußballprofi Max Kruse. Bild: Thomas Rabsch/laif

Die Wolfsburger fragen sich, wie sich mit ihrem Stürmer Kruse umgehen sollen. Trainer Hecking wirkt genervt. Dabei braucht der farblose Verein eigentlich einen Profi wie ihn.

          Eigentlich ist Max Kruse ein ziemlich gewiefter Taktiker. Wenn er gerade keine Lust verspürt, sich öffentlich für die Belange des VfL Wolfsburg einspannen zu lassen, schaltet er auf lustlos und spult Interviews gelangweilt ab. Wann immer Fragen zu seiner Vorliebe für das Pokerspiel auftauchen, lässt er sie mittlerweile ins Leere laufen. Insgesamt versucht Kruse, als ziemlich cooler Typ aufzutreten, der sich nicht auf Knopfdruck anpasst.

          Seine privaten Inszenierungen als Lebemann führen aber auch dazu, dass sich unbequeme Fragen häufen. Der temporären Suspendierung aus der deutschen Nationalmannschaft folgt die Frage, wie willkommen der Angreifer noch beim VfL Wolfsburg ist. Denn zu „[...]“ vermehrten Ausflügen in das Nachtleben, die der Verein bereits mit Geldstrafen belegt hat, gesellt sich jetzt auch noch ein „[...]“, dessen Ursprung zu klären ist.

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          Sündenakte: Unter diesem wenig schmeichelhaften Titel tragen diverse Medien fleißig zusammen, was Kruse abseits des Fußballplatzes vollbringt und warum es deshalb auf den Rasen nicht sonderlich gut für ihn laufen kann. Am Dienstagvormittag hatte sich sein Verein deshalb entschlossen, den medial stark umworbenen Profi aus dem öffentlichen Training zu nehmen. „Das muss er nicht durchmachen“, sagte Cheftrainer Dieter Hecking. Er sah ziemlich grimmig aus, als die vielen Kameras, Objektive und Notizblöcke nach dem Üben mit der Mannschaft auf ihn gerichtet waren.

          Die Akte Kruse soll zu dessen Schutz vereinsintern gründlich besprochen werden. Zu wenig Elan, zu viel süßer Brotaufstrich: Über solche Themen ließe sich wohl noch lächeln. Dass Kruse aber in Berlin – offenbar nach einer Poker-Nacht – 75.000 Euro in bar verloren haben soll, ist ein anderer Kaliber. Gleiches gilt für seinen Aufenthalt in einem Berliner Nachtclub. Er soll am vergangenen Sonntag, als Feierlichkeiten zu seinem 28. Geburtstag anstanden, mit einer „Bild“-Journalistin um unerlaubt von ihm geschossene Handyfotos gestritten haben.

          Streng genommen braucht der VfL Wolfsburg genau solche Männer wie Kruse. Der Mann erzeugt jede Menge Aufmerksamkeit. Er macht das Bild eines Vereins, dessen Erfolgsgeschichte gerne auf die monetären Zuwendungen seines Hauptsponsors Volkswagen reduziert wird, auf besondere Weise bunter. Aber die Menge und die Qualität der Vorfälle sind offenbar kaum noch tragbar. Manches von dem, was Kruse privat unternimmt, mag in Teilen lustig erscheinen. „Wir haben darüber nur gelacht“, verriet VfL-Stürmer Bas Dost, wie der Rest der Wolfsburger Mannschaft zum Beispiel auf die Foto-Affäre reagiert habe.

          Klaus Allofs (links) und Trainer Hecking (rechts) finden Kruses Beitrag zur Außendarstellung des VfL Wolfsburgs nicht lustig.
          Klaus Allofs (links) und Trainer Hecking (rechts) finden Kruses Beitrag zur Außendarstellung des VfL Wolfsburgs nicht lustig. : Bild: dpa

          Aber wenn der Eindruck nicht täuscht, finden Geschäftsführer Klaus Allofs und Cheftrainer Hecking Kruses Beitrag zur Außendarstellung des Vereins überhaupt nicht lustig. Trotzdem soll ihr in Ungnade gefallener Offensivkünstler weiter am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen dürfen. Kruse wird angesichts seines besonderen Spielwitzes dringend benötigt. Das gilt vor allem für die anstehenden Duelle im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid.

          Die Suche nach der richtigen Balance läuft auf Hochtouren. Kruse wird dringend für sich klären müssen, was er sich privat erlauben kann, wer ihm durch gezielte Veröffentlichungen schaden will und wie er öffentlich wahrgenommen wird. Seine Auftritte in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram waren zuletzt nicht mehr aufrufbar. Der Verein will mit ihm genauestens besprechen, was aus dem Privatleben von Kruse warum kursiert.

          Werte und Verhaltensregeln sind zu stark ignoriert worden

          Offenbar haben der Spieler und sein Umfeld Probleme damit, die virale Wirkung zweifelhafter Geschichten, Fotos und Videos richtig einzuschätzen. „Darauf muss man sich einstellen“, sagt Oliver Bierhoff vor allem mit Blick auf die sozialen Netzwerke, in denen sich die Mehrheit der deutschen Nationalspieler und Bundesligaprofis gerne tummelt. Im Fall von Kruse ist Bierhoff der Ansicht, dass der Bogen inzwischen überspannt ist und gewünschte Werte und Verhaltensregeln zu stark ignoriert worden sind.

          Die Zielsicherheit, mit der Kruse von einem Fettnäpfchen ins andere tritt, lässt aufhorchen. Dass er auf dem besten Weg ist, seine Karriere nach vielen Höhen und Tiefen gründlich zu demolieren, wirft auch einen Schatten auf den VfL Wolfsburg. Der beschäftigt mit Stürmer Nicklas Bendtner einen weiteren Problemprofi, dessen Einstellung zu seinem Beruf nicht gerade vorbildlich ist. Der Däne darf im Gegensatz zu Kruse vorerst gar nicht mehr am Training des Profikaders teilnehmen. Dass Hecking ständig dazu befragt wird, wie er mit seinen Sonderfällen umgeht und warum trotz mehrfacher Ermahnungen und Bestrafungen keine Besserung eintritt, wächst sich für ihn als Vorgesetzten zum Problem in eigener Sache aus.

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