08.05.2007 · Vor dem vorentscheidenden Kellerduell in der Bundesliga gegen Aachen sorgen beim VfL Wolfsburg Gerüchte um Klaus Augenthaler für Unruhe. Weil das Team die Erwartungen des VW-Konzerns nicht erfüllen konnte, soll der Trainer ersetzt werden.
Von Frank HeikeMan kann genau datieren, ab wann das Leben für Klaus Augenthaler als Trainer des VfL Wolfsburg zunehmend unbequemer geworden ist. Am Tag, als Audi die Macht bei Volkswagen übernahm, begann eine verschärfte Dienstaufsicht auch auf das tägliche Tun der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH, der neunzigprozentigen Tochtergesellschaft von VW.
Der neue Boss Martin Winterkorn machte Fußball am 1. Januar 2007 zur Chefsache. Seine Vorgänger Piech und Pischetsrieder hatten sich kaum für den VfL interessiert. Als Winterkorns Statthalter sitzt seit Anfang März der machtbewusste VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem im Aufsichtsrat der GmbH. Dass der Fußball plötzlich an Bedeutung gewonnen hatte, wurde für jedermann sichtbar, als Winterkorn und Grühsem die Profis im März spontan in der Kabine besuchten. Da war noch alles gut beim VfL, die Abstiegsgefahr schien gebannt, im Pokalwettbewerb war man weit gekommen, und Augenthaler sagte: „Die Spieler haben mit eigenen Augen und in ihrer Kabine gesehen, dass es auch noch jemanden gibt, der über ihnen steht. Das kann keinem schaden.“
Magath zieht es ins Ausland
Zwei Monate später könnte es Augenthaler zum Verhängnis werden, dass der Konzern nun ganz genau hinschaut in Sachen Fußball. Im Pokal ausgeschieden und in der Bundesliga dem Abstieg entgegentaumelnd, könnten seine Tage als Coach des VfL gezählt sein. Wie Wolfsburger Zeitungen übereinstimmend melden, bereiten sich Verein und VW auf die Entlassung Augenthalers vor, obwohl sein Vertrag erst im Winter bis zum Juni 2009 verlängert worden war. In Sachen Nachfolge könnte die Audi-Connection greifen: Winterkorn kennt Felix Magath aus seiner Zeit bei Audi. Der Autobauer sponserte die Bayern. Winterkorn saß im Aufsichtsrat der Münchner.
Magath selbst hatte zuletzt Angebote aus Dortmund und Hamburg ausgeschlagen und gesagt, er wolle erst zur neuen Serie wieder einen Verein übernehmen. Allerdings fällt der Name Magath an jeder Stelle, wo derzeit oder demnächst ein Trainerposten neu zu besetzen ist. Am Dienstag sagte Magath nur, er habe zum Fall Wolfsburg nichts zu sagen. Aber wie es heißt, zieht es Magath vor allem ins Ausland.
Renovierung misslungen
Die Unruhe beim VfL ist groß in den Tagen vor dem Abstiegsendspiel am Samstag bei Alemannia Aachen. Für viele gilt es als sicher, dass Augenthaler nach der von Grühsem angekündigten Saisonanalyse den Hut nehmen muss. Natürlich will in Wolfsburg niemand konkret werden. Grühsem, längst von Augenthaler abgerückt, sagt nur: „Wir beobachten alles genau und werden nach der Saison nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Ich sehe die Situation als Gesamtpaket, aus dem ich den Trainer nicht ausnehmen kann.“ Die Fragen auch anderer Räte an Augenthaler (und zunehmend an Manager Klaus Fuchs) lauten: Warum ist es Augenthaler in seinen achtzehn Monaten nicht gelungen, die Mannschaft spielerisch weiterzuentwickeln? Warum bekommt man für 50 Millionen Euro Etat nur Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag geboten? Warum schaut Augenthaler dem Treiben auf dem Feld so emotionslos zu?
Die Stimmung in Wolfsburg ist innerhalb nur einer Woche gekippt. Mitte April schied der VfL einigermaßen unglücklich gegen den VfB Stuttgart im Pokal-Halbfinale aus. Vier Tage später unterlag das Team gegen Bielefeld. Es gab „Auge raus!“-Rufe; zum ersten Mal in Wolfsburg, denn eigentlich wird der bärbeißige und selbstkritische Trainer geschätzt. Augenthaler wehrt sich gegen den vorzeitigen Abgang, er will Trainer der „Wölfe“ bleiben: „Ich beschäftige mich nicht mit Spekulationen, nach denen ich auf der Kippe stehe. Klar ist: das Spiel gegen Stuttgart war der Knackpunkt.“ Danach ging es abwärts mit dem vorläufigen Tiefpunkt beim 0:2 gegen Dortmund am Samstag. Der VfL steht wie im Mai 2006 gegen Kaiserslautern vor dem Absturz, die Renovierung und Neuausrichtung ist Augenthaler und Fuchs trotz der Verpflichtung Marcelinhos im Winter misslungen: Nur elf Siege in 49 Bundesliga-Spielen gab es in ihrer gemeinsamen Zeit.
Kader nach dem „Trial and error“-Prinzip
Wieder einmal wirkt eine Mannschaft des VfL leb- und reglos, spielt langweilig und ist mit geringem Ertrag zufrieden. Aufsichtsrat Grühsem, der Ende April das Werben um Thomas von Heesen als neuen Sportchef für beendet erklärte, weil dieser zu lange gezögert hatte, erachtet die Installierung eines neuen Managers als besonders wichtig. So steht auch Fuchs auf der Kippe, zumindest vor der Degradierung. Seit Jahren sucht man in Wolfsburg einen Sportchef, der den Kader nicht nach dem „Trial and error“-Prinzip erstellt.
Seit Jahren wurde die Aufsichtspflicht vom Hauptgeldgeber VW aber auch chronisch vernachlässigt: Pander, Strunz, Fuchs, sie alle durften sich bei der Zusammenstellung selbst verwirklichen, die Räte schauten zu und nickten Millionen-Transfers ab. Dass Volkswagen nicht länger nur zubuttert und zuschaut, könnte für Augenthaler nun schlecht, für den Verein aber gut sein. Schon jetzt interessiert sich bundesweit kaum jemand für den VfL. Wie sollte das erst in der zweiten Liga aussehen?
Wann...
Tim Doubleyou (Wilmo)
- 08.05.2007, 17:45 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |