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VfL Bochum Die Aktie Koller steht im Keller

07.01.2009 ·  Der Markt glaubt nicht mehr an Marcel Koller. Beim Publikum wird der Cheftrainer des stark abstiegsbedrohten Bundesliga-Vereins VfL Bochum von Tag zu Tag unbeliebter. Der einzige Anleger, der gegen den Trend setzt, ist die Klubführung.

Von Richard Leipold, Bochum
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Wenn der Ball ruht, macht der VfL Bochum zumeist noch weniger auf sich aufmerksam, als wenn der Ball rollt. Doch in diesem Winter ist die kleine Bühne zwischen den großen Fußballhäusern Gelsenkirchen und Dortmund Schauplatz eines Pausendramas. Natürlich ist das Getöse nicht so laut wie jüngst in Schalke, wo am Wochenende zwei weitere Spieler in die Regionalliga-Mannschaft abgeschoben wurden. Aber auch in Bochum ist es mit der idyllischen, zuweilen langweilig anmutenden Ruhe fürs Erste vorbei.

Auf Wunsch des Cheftrainers Marcel Koller setzte der VfL Thomas Zdebel als Kapitän ab und stufte ihn zum Spieler der zweiten Mannschaft zurück. Eine ungewöhnliche Maßnahme für einen Klub, in dem es sonst eher zu leise ist als zu laut. Die Vereinsführung wirft dem Mittelfeldspieler vor, Koller in Frage gestellt zu haben. „Wir haben uns entschieden, konsequent am Trainer festzuhalten, dann muss jeder diesen Weg bedingungslos mitgehen. Für einen Führungsspieler ist Loyalität ganz besonders wichtig“, sagt der Bochumer Manager Thomas Ernst. Wenn ein Profi der Meinung sei, der Trainer müsse weg, sei das keine geeignete Arbeitsgrundlage.

Zdebel, ein erfahrener Kämpfer mit Herz, zeigt sich empört über diese Version seiner Vorgesetzten. „Ich bin sicher nicht fehlerfrei, aber was jetzt aufkommt, ist schlicht und ergreifend erlogen, das lasse ich nicht auf mir sitzen“, sagt er. „Vor einiger Zeit hat Thomas Ernst noch ausdrücklich betont, er finde es gut, dass ich mich so loyal verhalte, obwohl ich wenig spiele.“

Eine Mannschaft von Jasagern aufgebaut

Der 35 Jahre alte Zdebel war vor der Saison von Koller abermals zum Kapitän ernannt worden, hatte wenig später aber seinen Stammplatz verloren und brauchte eine ganze Weile, um ihn zurückzubekommen. „Vielleicht habe ich mich ein wenig ungeschickt verhalten, als ich einige Dinge intern angesprochen habe“, sagt Zdebel, „aber es war wohlgemerkt intern.“ Ob Kritik von innen oder von außen kommt, willkommen ist sie beim VfL Bochum so gut wie nie, das hängt mit der nach wie vor sehr autoritären Führungsstruktur im Klub zusammen.

Insider sagen, Koller habe sich eine Mannschaft von Jasagern aufgebaut. Wer aufmuckt, hat nicht viel zu melden – wie etwa der dynamische Mittelfeldspieler Dennis Grote, das letzte in Bochum spielende Eigengewächs des VfL. Der junge Mann wird von Koller derartig konsequent übergangen, dass es schwerfällt zu glauben, das sei nur auf Trainingseindrücke zurückzuführen. Der junge Herr Grote und der reife Herr Zdebel weisen interessante Parallelen auf: Beide verstehen sich nicht sonderlich mit Trainer Koller, sind aber beim Publikum überaus beliebt.

Ein Verein wie Bochum hat in der Regel nicht viele Identifikationsfiguren, gerade solche aber brauchte der VfL mehr denn je, um das wettmachen zu können, was dem Tabellenvorletzten an Klasse offenkundig fehlt – bei nur einem Sieg aus den siebzehn Spielen der ersten Serie.

Koller wird von Tag zu Tag unbeliebter

Koller indes wird beim Publikum von Tag zu Tag unbeliebter. Dieser Eindruck kommt sogar während der Winterpause auf. Zdebels Degradierung hat der Protestbewegung nochmals einen Schub gegeben. Kurz nach der Entscheidung gegen den Kapitän hängten Fans auf dem Trainingsgelände ein Transparent im DIN-A3-Format auf, in dem sie kundtaten, was sie von den verbliebenen Spielern erwarten. „Eine Mannschaft mit Charakter steht zu ihrem Kapitän.“ Vor kurzem gab es sogar beim Training vereinzelte „Koller raus“-Rufe. Die Spieler halten sich bedeckt. Wie es heißt, stehen die meisten von ihnen tatsächlich hinter Zdebel, trauen sich aber nicht, es öffentlich auszusprechen.

Umgekehrt proportional zu seiner Beliebtheit hat Koller weitreichende Kompetenzen erlangt, im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat, genauer gesagt dessen Vorsitzenden Werner Altegoer. Die beiden Männer bilden eine feste Allianz, auch wenn ihr Bündnis von sportlichem Erfolg schon länger nicht mehr gedeckt ist. Obwohl Koller die Rückendeckung des noch immer mächtigsten Mannes im Klub mehr denn je verspürt, scheint er den Einfluss Zdebels ein wenig zu fürchten. Anders ist dessen Versetzung nicht zu erklären. „Wir hatten das Gefühl, dass er nicht ganz den Weg geht, den wir vorhaben zu gehen“, sagt Koller. Am liebsten wäre es ihm vermutlich, wenn Zdebel zum MSV Duisburg wechselte, dessen Trainer Peter Neururer sein Interesse an dem Routinier bekundet hat.

Fan-Aktionen pro Zdebel sind geplant

Solange Zdebel beim VfL Bochum ist, und sei es nur in der Regionalliga-Mannschaft, kann er die Stimmung gegen Koller beeinflussen, auch ohne selbst etwas zu tun. In Fankreisen werden schon jetzt, rund vier Wochen vor dem Rückrundenstart, Aktionen pro Zdebel geplant. Die Anhänger beabsichtigen, beim Heimspiel gegen den Karlsruher SC Karten mit der Rückennummer 8 des ausgemusterten Kapitäns hochzuhalten.

Bochum setzt alles auf Koller – wie auf eine Aktie, an die der Markt nicht mehr glaubt, sondern nur einzelne Anleger, die bewusst gegen den Trend handeln. Nicht einmal eine Heimniederlage gegen Karlsruhe könnte daran etwas ändern, behaupten die Verantwortlichen. „Marcel Koller ist und bleibt unser Trainer, unabhängig vom Ausgang des ersten Rückrundenspiels“, sagt Ernst. „Wir werden bestimmt nicht nach jedem Spiel eine Trainerdiskussion beginnen.“

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