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VfB verliert gegen Hannover Meister mit Plattfuß

07.10.2007 ·  Der VFB Stuttgart steckt in der Krise. Die Spieler sind erschöpft, die Niederlagen häufen sich. „Der Akku ist leer, die Kraft fehlt“, sagte Stürmer Mario Gomez nach dem 0:2 gegen Hannover. Aber frische Profis sind nicht in Sicht.

Von Oliver Trust
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Mario Gomez schien in diesem Moment mit ein paar trockenen Sätzen den Weg für einen Neuanfang zu ebnen. Bei Opfern des sogenannten „Burn-out“, eines Erschöpfungssyndroms, erklären Wissenschaftler immer wieder, sei es zuerst wichtig, es bewusst zu erkennen und nicht nur dessen fatale Auswirkungen zu fühlen. Man muss sich also den Frust von der Seele reden.

Nun sollte sich niemand einbilden, allein die Erkenntnis, tief im Schlamassel zu stecken, reiche aus, um den Genesungsprozess einzuleiten. So etwas dauert gewöhnlich Wochen, manchmal sogar Monate, bis Besserung dort eintritt, wo sie ihre Wirkung entfalten soll: beim Fußball eben auf dem Rasen. So gesehen, wird es eine Weile dauern, bis sich die Chance für den VfB Stuttgart bietet, die ernüchternde Gemengelage aus Frustration und Ratlosigkeit abzuschütteln. Auch Gomez sieht derzeit überfordert aus.

„Der Akku ist leer, die Kraft fehlt

Als hätte er allein eine Last zu tragen, die ihm momentan zu schwer vorkommt. „Ich bin platt“, sagte der 22 Jahre alte Nationalspieler am Samstag nach der 0:2-Heimniederlage des VfB gegen Hannover 96. „Es gibt Tage, da geht nichts. Der Akku ist leer, die Kraft fehlt.“

Mit solchen Sätzen sprach Gomez auch seinen wegen eines Handspiels schon nach sieben Minuten des Feldes verwiesenen Abwehrchef Fernando Meira von jeder Schuld frei. „Auch ich habe heute versagt“, hob Gomez hervor. Als Beispiel hierfür taugte die 41. Minute. Gomez stürmte dynamisch, wie man sich es wünscht. Nur sprang ihm diesmal der Ball vom Fuß, weit weg und ins Aus. Der „Fußballer des Jahres“ warf danach seine Arme enttäuscht in die Luft.

Schwache Neuzugänge

Was die Sache beim kriselnden Meister erschwert, ist dies: Gomez ist kein Einzelfall. „Wir stecken in einer Krise“, sagte Trainer Armin Veh nach den Toren des Ungarn Szabolcs Huszti, der zuerst den von Meira verschuldeten Handelfmeter (8.) verwandelte und dann eine Flanke (52.) zum 2:0 für die Niedersachsen veredelte. Schön für 96, das zuvor 36 Jahre lang in Stuttgart nicht mehr gewonnen hatte. Diesmal siegten die Niedersachsen verdientermaßen. Trainer Dieter Hecking hatte es schon früh geahnt: „So Jungs, hab ich gedacht, jetzt liegen da drei Punkte auf dem Tablett, lasst sie euch nicht mehr nehmen.“

Bei den Stuttgartern war auch kaum jemand da, der Hannover am vollen Erfolg hätte hindern können. Kapitän Meira schmorte nach seinem absichtlichen Handspiel und der Roten Karte längst auf der Tribüne, der Rest seiner Elf schleppte sich mühevoll durch die Partie. Nun versucht man verzweifelt herauszufinden, was schiefläuft. Mit dem Problem, auf keinen Neuzugang zurückgreifen zu können, der nur annähernd die Erwartungen erfüllt, schlagen sich Manager Horst Heldt und Coach Veh schon eine Weile herum. Aber ein an Jahren so junger Meister braucht dringend frische Kräfte, die die Konkurrenzsituation anheizen und dem Rest der Mannschaft ein bisschen Dampf machen können. Da die Neuen wie Ewerthon und Marica inzwischen keinen Vertrauensbonus mehr genießen und nur eingeschränkt das Vertrauen von Veh finden, muss der erschöpfte Gomez trotzdem spielen.

Ausfalllisten werden länger

Wie angespannt die Stimmungslage am Neckar ist, offenbarte sich am Tag danach. Leicht gereizt meinte Veh: „Ich bin doch kein Papagei, es gibt nichts Neues.“ Dann klagte er doch sein Leid: „Mit diesem Kader schaffen wir die englischen Wochen nicht, er ist zu klein. Letztes Jahr hatten wir einfach weniger Verletzte.“ Neue Spieler allerdings sind frühestens in der Winterpause zu bekommen. Zuvor, am traurigen schwäbischen Fußballabend, schien man fast froh, über die kommenden Länderspiele sprechen zu können und den allerdings ziemlich aussichtslosen Wunsch, „im Dialog“ mit den jeweiligen Trainern der DFB-Auswahlteams zu erreichen, einige angeschlagene Profis wie Gomez oder Roberto Hilbert daheim zu pflegen.

Die Ausfalllisten werden länger, gegen Hannover kam Verteidiger Boka dazu, der nach einen Innenbandriss vier bis sechs Wochen ausfällt. Aus dem Kreis von Matthieu Delpierre (Kreuzband), Hitzlsperger (Überlastungsreaktion im Mittelfuß), Bastürk (muskuläre Probleme), Tasci (Nasenbeinbruch), Hilbert (Bandanriss Knöchel), Boka, Khedira (muskuläre Probleme) und da Silva (Muskelfaserriss) ließe sich eine prächtige Mannschaft formen. Tasci sagte inzwischen bei der U-21-Mannschaft für das Spiel gegen Moldau am morgigen Dienstag ab.

Ist Veh zu milde?

Veh und Heldt sind in diesen Tagen auch als Gefangene der Umstände zu betrachten. Intern aber heißt es, die Klubführung warte seit langem auf eine Reaktion, die frische Tatkraft der sportlichen Leitung verrate. Veh jedoch stellte sich nach der Pleite gegen Hannover wieder demonstrativ vor seine Mannschaft. Der Trainer, so heißt es intern hier und da, lasse am Ende vielleicht vieles zu sehr laufen. Auf der anderen Seite taucht die Frage auf, wen Veh als „Signal“ denn überhaupt opfern könne und ob sein „sanfter Weg“ nicht doch der richtige sei. Auf viel Geduld des Umfeldes - und sicher bald auch des Vorstandes - kann er nicht mehr bauen.

VfB Stuttgart - Hannover 96 0:2 (0:1)
Stuttgart: Schäfer - Osorio, Tasci, Fernando Meira, Boka (59. Farnerud) - Pardo - Hilbert, Cacau, Khedira - Marica (17. Magnin), Gomez (78. Ewerthon)
Hannover: Enke - Cherundolo, Vinicius, Fahrenhorst, Schulz - Balitsch (60. Jankow), Lala - Rosenthal (65. Bruggink), Pinto, Huszti (77. Lauth) - Hanke
Schiedsrichter: Markus Merk (Otterbach)
Tore: 0:1 Huszti (8., Handelfmeter), 0:2 Huszti (52.)
Zuschauer: 49.000
Rote Karte: Fernando Meira wegen absichtlichen Handspiels (7.)
Gelbe Karten: Boka (2) - Huszti, Fahrenhorst

Quelle: F.A.Z.
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