27.03.2010 · Klinsmann, Elber, Gomez: Die Liste der Stuttgarter, die zu den Bayern wechselten, ist lang. Sami Khedira könnte sich einreihen, weil der VfB Stuttgart nichts Vergleichbares zu bieten hat. Das wird besonders vor dem Spiel gegen den mächtigen Rivalen aus München deutlich.
Von Oliver Trust, StuttgartMario Gomez befand sich damals mit der deutschen Nationalelf auf Asien-Reise und bekam kaum etwas von der Aufregung in Stuttgart mit. In einem Internetforum hatte ein Fan des VfB Stuttgart die Privatadresse des Nationalstürmers veröffentlicht, nachdem dessen Wechsel im Mai vergangenen Jahres zum FC Bayern München bekanntgeworden war. Man überlegte kurz, die Polizei einzuschalten, um möglichen Unannehmlichkeiten für Gomez vorzubeugen. Doch ein Eingreifen war nicht mehr nötig. Gomez zog unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Asien um, und der Seitenbetreiber nahm die brisante Information nach 20 Minuten aus dem Netz.
Das Beispiel zeigt jedoch, wie schwierig Wechsel von Stuttgart nach München sind und wie besonders sich die Beziehung beider Klubs gestaltet. Man sieht sich als ewige „Rivalen“. Dabei bleibt bei der Betrachtung des Verhältnisses ein schwäbischer Minderwertigkeitskomplex übrig. Denn meist landeten die Stuttgarter in der Bundesliga hinter den Bayern, die Bilanz der Derbys fällt auch negativ aus und zudem musste der VfB meist seinen Star ziehen lassen, wenn der größere FC Bayern rief. Das könnte auch diesmal so sein.
Noch hat Sami Khedira einen Vertrag in Stuttgart, der ein weiteres Jahr bis 2011 läuft. Dann allerdings könnte der „Stuttgarter Junge“, wie er sich selbst nennt, ablösefrei gehen. Warum also, so fragt sich mancher in Stuttgart, sollte es beim U-21-Europameister nun anders sein als etwa bei Gomez, bei Trainer Felix Magath, Philipp Lahm (der nur ausgeliehen war), Giovane Elber oder Jürgen Klinsmann und jeder Menge anderer? Auch ein Sieg im „Südschlager“ an diesem Samstag, wenn der VfB in München um seine letzte Chance spielt, würde die Stuttgarter Ausgangslage im Poker nicht dramatisch verbessern.
Khedira will international spielen, Stuttgart muss sparen
Vorerst gibt es keine endgültigen Meldungen über einen Wechsel, aber seit Monaten steht der Deutsch-Tunesier auf der Bayern-Liste. Allein, dass die Münchner ihrem Kapitän Mark van Bommel nur einen Einjahresvertrag gegeben haben, werten manche schon als Zeichen dafür, dass Khedira als dessen Nachfolger im defensiven Mittelfeld ausersehen ist. „Wenn nichts Dramatisches passiert, werde ich auch nächste Saison beim VfB spielen“, sagte Khedira zwar der „Stuttgarter Zeitung“. Aber er fügte auch an: „Ich bin Stuttgarter, aber man sollte nie etwas ausschließen.“ Bisher mühte sich Stuttgarts Manager Horst Heldt vergeblich, den Vertrag vorzeitig zu verlängern.
Bei Khedira, der seit der E-Jugend in Stuttgart spielt und seine Herkunft kaum verbergen kann, wenn er den Mund aufmacht, erinnern die Argumente an viele seiner Vorgänger. Der VfB kann dem defensiven Mittelfeldspieler mit Tordrang kaum eine echte Perspektive bieten. Seit Monaten ist er dabei, sich als Führungskraft zu positionieren. Die Intention ist eindeutig: „Ich habe den Anspruch, international zu spielen“, sagt Khedira.
Die Schwaben können ihm das nicht garantieren, wohl aber die Bayern. Stuttgarts Finanzchef Ulrich Ruf kündigte bereits an, der Klub könne sich in der kommenden Saison keine großen Sprünge mehr leisten. Rund 50 Millionen Euro soll der Kader des VfB in dieser Saison kosten. Rund 33 Millionen verdienten die Schwaben mit der Champions League. Einnahmen, auf die man in der kommenden Saison nicht mehr bauen kann.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |