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VfB Stuttgart Meister zwischen neuer Qualität und alten Lasten

25.11.2007 ·  Der Saisonbeginn des VfB Stuttgart war alles andere als gut. Doch der Meister hat sich gefangen. Mehr noch: Das 4:1 in Frankfurt erinnerte an alte Zeiten. Doch so ganz können die Schwaben ihre Vergangenheit noch nicht abschütteln.

Von Tobias Rabe, Frankfurt
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Die Bundesliga schrieb den 20. Oktober, da sah sie ihren amtierenden Meister am Tiefpunkt. Der Hamburger SV spielte seinerzeit Katz und Maus mit dem VfB Stuttgart. Am Ende schlichen die Schwaben mit einem 1:4 vom Rasen - aber selbst bei objektiver Betrachtung wäre ein 1:8 keineswegs ungerechtfertigt gewesen. Es war die sechste Niederlage im zehnten Spiel; die Tabelle wies die Stuttgarter nur noch als Rangvierzehnten aus. Von der Form des Meisterjahres war das Team so weit entfernt wie der FC Bayern von der zweiten Liga.

Fünf Wochen später sieht die Fußballwelt ganz anders aus. Zwar ist der Abstand zwischen den Münchnern und dem Unterhaus eher größer als kleiner geworden, doch der VfB versprüht wieder den Glanz der Vorsaison, als die Mannschaft sich mit spielerischer Hochkultur und unermüdlichem Willen den Titel sicherte. Der 4:1-Erfolg am Samstag in Frankfurt ließ nicht nur das Punktekonto anwachsen und beförderte die Stuttgarter auf Platz sieben, sondern weckte vielmehr Erinnerungen an Zeiten, die noch gar nicht so lange vergangen sind.

Armin Veh: „Diesen Dreier wollten wir heute unbedingt“

Wer Thomas Hitzlsperger nach dem Spiel zuhörte, der dachte fast, er hätte eine Zeitreise in den Mai dieses Jahres unternommen. Von „starker Phase“, „großem Selbstvertrauen“ und „aggressivem, zweikampfstarkem und kombinationssicherem Spiel“ sprach der deutsche Nationalspieler, der in der 57. Minute mit seinem 3:1 für die Vorentscheidung gesorgt hatte. Zuvor hatten Roberto Hilbert (45.) und Ciprian Marica (48.) Benjamin Köhlers Führung (41.) in ein 2:1 verwandelt. Cacau setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt zum 4:1.

Dass die Stuttgarter Saisonarbeiter wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden haben, wollte Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel schon vor der Partie erkannt haben und sah sich zum eigenen Leidwesen bestätigt: „Das Spiel kam für uns zum falschen Zeitpunkt. Vor ein paar Wochen hätten wir vielleicht eine Chance gehabt.“ Sein Kollege Armin Veh wollte freilich nicht widersprechen: „Diesen Dreier wollten wir heute unbedingt.“ Und sie bekamen ihn, den vierten in Folge. Nicht unbedingt, weil die Frankfurter so schlecht waren, sondern weil die Stuttgarter an diesem Tag so gut auftraten.


Die Altlasten verschwinden nicht von heute auf morgen

Exemplarisch für die neue alte Qualität steht die Offensivabteilung. Der Fußballer des Jahres Mario Gomez war mit Rückenproblemen von den Einsätzen für die Nationalmannschaft zurückgekehrt, versuchte es dennoch, musste aber noch in der ersten Halbzeit das Feld mit Schmerzen am blockierten Wirbel verlassen. Vor kurzem noch hätte der VfB diese Schwächung kaum weggesteckt, in Frankfurt jedoch sprangen seine stürmischen Mitstreiter ein - und trafen. Für Marica war es gar das erste Tor in der deutschen Eliteliga überhaupt.

„Wir spielen wieder einen Fußball, der schön anzuschauen und erfolgreich ist“, sagt VfB-Manager Horst Heldt. Die Haltungsnoten stimmen also wieder, Zählbares in Form von Punkten wird auch eingefahren, nur für die ganz vorderen Tabellenregionen reicht es noch nicht. Die Altlasten des punktearmen Auftakts kann man nicht von heute auf morgen hinter sich lassen. Eines ist aber ohne Frage erkennbar. Die Strategie der Ruhe, die die Verantwortlichen bewahrt haben, war richtig. Eine nicht alltägliche Tugend im Tagesgeschäft Bundesliga. Auch die zurückgekehrten Verletzen wie Abwehrstütze Mathieu Delpierre und Hitzlsperger trugen nicht unwesentlich zum Aufschwung der letzten Wochen bei, der mit dem Heimsieg über den FC Bayern vor vierzehn Tagen ein dickes Ausrufezeichen beinhaltete.

Horst Heldt: „Wir haben noch eine Rechnung offen“

Doch auch wenn der Meister wieder in Schuss ist, holt ihn die Krise schon am kommenden Dienstag abermals ein. Dann steht das Heimspiel in der Champions League gegen die Rangers aus Glasgow auf dem Spielplan. Mit null Zählern und ohne Aussicht auf den Sprung auf den Uefa-Pokal-Rang drei empfangen sie die Schotten. Es ist also eigentlich ein Spiel, dass die Schwaben nicht mehr brauchen - und das Kraft kosten wird. Dennoch sagt Manager Heldt: „Wir haben mit den Rangers nach dem 1:2 aus dem Hinspiel noch eine Rechnung offen.“

Viel wichtiger als die Königsklasse sind indes die Aufgaben in der nationalen Liga. Der Spielplan meint es gut mit den Stuttgartern und hält zwei Heimaufgaben gegen Dortmund und Wolfsburg bereit, ehe es zum Abschluss vor der Winterpause nach Bielefeld geht. „Wir wollen natürlich alle drei Spiele gewinnen - und das können wir auch“, sagt Thomas Hitzlsperger mit dem Selbstbewusstsein des wiedererstarkten Meisters. Setzt der VfB seinen Siegeszug tatsächlich fort, wird wohl keiner mehr an den schwarzen 20. Oktober von Hamburg denken.

Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart 1:4 (1:1)
Frankfurt:
Pröll - Galindo, Chris, Kirgiakos - Ochs (58. Takahara), Inamoto (80. Fink), Spycher - Mahdavikia, Köhler - Thurk - Amanatidis
Stuttgart: Schäfer - Beck, Fernando Meira, Delpierre, Magnin - Pardo, Hilbert (74. Osorio), Hitzlsperger (89. Meißner) - Khedira - Gomez (41. Marica), Cacau
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Köhler (41.), 1:1 Hilbert (45.), 1:2 Marica (48.), 1:3 Hitzlsperger (57.), 1:4 Cacau (90.+1)
Gelbe Karten: Thurk (1) / Beck (1), Hitzlsperger (1), Cacau (3)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1983, Sportredakteur.

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