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VfB Stuttgart Gomez und die vielen Fragen

28.08.2008 ·  Vor dem Spiel in Györ dreht sich alles um Stuttgarts Starstürmer. Nach der schwachen EM und dem Transferpoker mit dem FC Bayern hat Mario Gomez noch nicht zurück in den Alltag gefunden. Doch ein Ausscheiden in Ungarn wäre ein Fiasko.

Von Oliver Trust, Stuttgart
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Es ist wirklich ziemlich schwer für Mario Gomez, sich nicht wie ein Sorgenkind vorzukommen. Alle fragen nach ihm, wirklich alle. Die Journalisten sowieso, aber auch sein Trainer Armin Veh „spricht intensiv“ mit ihm, Manager Horst Heldt muss an jeder Ecke unterstützende Statements abgeben, die Anhänger der Schwaben schreiben E-Mails, und selbst im Betreuerstab des Nationalspielers hat man fürsorglich einmal nachgefragt, wie es um den Gemütszustand des 23 Jahre alten Stürmers vor dem Rückspiel um den Einzug in den Uefa-Cup an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/ im FAZ.NET-Liveticker) beim ungarischen Klub FC ETO Györ, 140 Kilometer von Budapest entfernt gelegen, bestellt ist.

Beim gemütlichen Essen ging einer der Medienberater ein gewisses Risiko ein, als er den Deutsch-Spanier fragte, was denn wäre, wenn die Sache in Ungarn mit dem Uefa-Cup schiefginge. Gomez, so wird berichtet, unterbrach die Nahrungsaufnahme nur kurz und meinte, an so etwas denke er nicht mal im schlimmsten Albtraum.

Beim therapeutischen Essen wurde viel gelacht

Man machte an dem Abend noch ein paar Späßchen und unterhielt sich auch über Gomez' jüngsten Gefühlsausbruch nach dem Hinspiel (2:1), als er den Eindruck gewann, man wolle seine leichte Formschwankung mit der für ihn verkorksten EM erklären. „Schreibt doch, ich sei ein Chancentod“, hatte Gomez etwas gereizt gesagt. „Glaubt ihr, wenn wir gegen Györ spielen, laufen die Bilder der EM in meinem Kopf ab?“

Beim therapeutischen Essen wurde viel gelacht, auch über den Gefühlsausbruch. Ein bisschen was vom Ärger über die ständigen Fragen hätte eben mal rausgemusst, gab der Torjäger zu. Rund zwei Wochen nach dem Hinspiel scheint die Sache mit den Nachfragen nicht sonderlich besser geworden zu sein. Aber Gomez räumt schon mal ein, nach einem Training „schwere Beine“ zu haben.

Auch der Kopf spielt eine Rolle

Manager Heldt sagt, dass Gomez „in einer Phase steckt, wo er Zeit braucht“, und Armin Veh bemerkt: „Er braucht sicher noch ein paar Wochen, was die Fitness angeht.“ Und der Kopf spiele auch eine Rolle. „Die Zeit wird er von uns bekommen“, sagte Heldt und meinte: „Der ist nicht leer und hat kein Feuer. Man ist auch verwöhnt von ihm, aber er hat absolute Qualität, deshalb sehen wir keinen Diskussionsbedarf.“ Aus Gomez' Umfeld wird, wie von ihm selbst, versichert, die fundierten Werbeversuche von Bayern München, die 25 Millionen Euro plus X boten, seien abgehakt und vergessen.

Gradmesser sei für ihn allein die Anzahl der Chancen, die er habe, und so lange mache er sich keine Sorgen. Steht Gomez aber auf dem Rasen vor dem Tor und schießt daneben, taucht zwangsläufig die Frage auf, ob er den in der vergangenen Saison nicht doch eher „reingemacht“ hätte. 19 Treffer erzielte er damals in 25 Spielen.

Man kann sich den VfB ohne Uefa-Cup kaum vorstellen

Ob man sich nun über Gomez und den VfB ernsthaft Sorgen machen muss, steht noch nicht fest. Mit ausschlaggebend für die Einstufung „vorübergehende Unpässlichkeit“ oder doch eher „kleine Krise“ dürfte der Ausgang der Partie in Ungarn sein. Man kann sich einen VfB Stuttgart mit den klangvollen Namen Jens Lehmann, Khalid Boulahrouz und Mario Gomez, aber ohne Uefa-Cup kaum vorstellen.

Besser kann man sich dagegen den Ärger ausmalen, den ein Ausscheiden heraufbeschwören würde. „Obwohl wir nicht so viele Neue haben, müssen bestimmte Dinge wieder automatisiert werden“, sagte Veh. Bei den ständigen Unterbrechungen durch Länderspiele ausgerechnet in der Startphase der Saison falle das nicht eben leicht.

„Ich weiß jetzt wieder, wo das Tor steht“

Am Sonntag vor dem Vormittagstraining am Tag nach der frustrierenden 0:2-Niederlage in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen bat Coach Veh seine Spieler zum Videostudium der entscheidenden Szenen. Gute 20 Minuten eindrucksvoller Bilder seien da am Ende zusammengekommen, hieß es.

Als es gestern um elf Uhr vom Flughafen in Echterdingen nach Budapest ging, war Veh wieder fest überzeugt, „dass wir anders auftreten. Die Mannschaft hat selbst eingesehen, dass es so nicht geht.“ Man wolle mit aller Macht weiterkommen. „Wenn das nicht so wäre, hätten wir ein Jahr lang umsonst versucht, Sechster zu werden.“

Die Einschätzung wiederum könnte auch von Mario Gomez stammen. „Ich weiß jetzt wieder, wo das Tor steht, und bekomme viele Chancen. Es gibt also keinerlei Grund, nervös zu sein“, sagte Gomez nach seinem Treffer beim 3:1-Sieg zum Saisonauftakt in Mönchengladbach. Er wünsche sich nun einfach nicht mehr so viel „Schwarzweißmalerei“, was seine Leistung und die des VfB anginge - und sicher auch ein paar Nachfragen weniger.

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