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Hoeneß-Kritik an Ancelotti : „Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste“

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War die Bayern-Welt da schon nicht mehr in Ordnung? Hoeneß (links) und Ancelotti. Bild: dpa

Nach dem Debakel von Paris und den sonderbaren Personalwechseln trennt sich der FC Bayern von Trainer Ancelotti. Nun erklärt Präsident Hoeneß die Hintergründe – und spart nicht an deutlicher Kritik.

          Finito Carlo Ancelotti! Nur 17 Stunden nach der 0:3-Klatsche von Paris hat ein gedemütigter FC Bayern seinen Trainer Carlo Ancelotti vor die Tür gesetzt. In einer Krisensitzung wurde das Ende des Italieners beim Rekordmeister am Donnerstag besiegelt, das Präsident Uli Hoeneß nach den Vorkommnissen in Frankreich alternativlos nannte. „Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten“, stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge klar. Er bedauere das, „aber wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen“. Am Donnerstagabend verabschiedete sich Ancelotti in einem knappen Statement. „Es war eine Ehre, Teil der Geschichte der Bayern zu sein. Danke an den Klub, die Spieler und die grandiosen Fans. Ciao“, schrieb der Italiener bei Twitter und Facebook auf Deutsch und Englisch.

          Eine indiskutable Leistung in der Champions League bei Europas neuer Fußball-Größe Paris St. Germain und sonderbare Personalentscheidungen von Ancelotti hatten den Bossen an der Säbener Straße keine Wahl gelassen. „Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben“, sagte Hoeneß am Donnerstagabend dem Radiosender FFH: „Ich habe in meinem Leben einen Spruch kennengelernt: Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste. Deswegen mussten wir handeln.“ Auch das italienische Betreuerteam um Ancelotti-Sohn Davide wurde freigestellt. Stattdessen übernimmt der bisherige Ko-Trainer Willy Sagnol und wird das Team in der Bundesliga am Sonntag bei Hertha BSC (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) betreuen, wie es hieß. In der unmittelbar nach Paris eingesetzten Nachfolge-Debatte fällt auch der Name Thomas Tuchel.

          Ancelottis Zeit bei Bayern endete nach 15 Monaten mit einer historischen Pleite, nach der schnell Endzeitstimmung rund um den Trainer aufgekommen war. Mit stoischer Miene hatte der 58-Jährige, dessen Vertrag bis 2019 lief, in der Nacht den bedrohlichen Worten gelauscht, die sein Sitznachbar Rummenigge nach dem Zerfall des deutschen Meisters im Prinzenpark wählte. „Ich denke, das war nicht Bayern München“, sagte der Vorstandschef in seiner kurzen Ansprache beim vereinsinternen Bankett im Teamhotel. Die Stimmung am Vorstands- und Präsidiumstisch wirkte eisig.

          Nach Pleite gegen Paris : Bayern-Coach Ancelotti muss gehen

          Direkt nach dem Desaster gegen die Highspeed-Fußballer von Paris St. Germain um die sündhaft teuren und herausragenden Turbostürmer Neymar und Kylian Mbappé hatten die Münchner Bosse das Stadion bedrückt, verstört und auch sprachlos verlassen. Aber nach der höchsten Vorrundenniederlage in 21 Jahren Champions League wollte die Führung nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Dieser 27. September 2017 war ein Einschnitt, der ein „Weiter so“ nicht mehr zuließ. „Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen“, machte Rummenigge deutlich und forderte: „Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.“ Der Gruppensieg in der Champions League ist nach dem 0:3 allerdings schon in weite Ferne gerückt.

          Der Rauswurf von Ancelotti hatte sich bereits bei der Bankettrede angedeutet, als Rummenigge davon sprach, „auch in Klartextform Konsequenzen ziehen“ zu müssen. Hoeneß, der auch am Tisch saß und mit zusammengepressten Lippen zugehört hatte, nippte am Weißwein und klatschte wie die Mehrzahl der Zuhörer am Ende der Ansprache des Vorstandschefs in die Hände. Der aufgewühlte Rummenigge hatte mit einer klaren Ansage geendet: „Es ist wichtig, dass wir schnell nach diesem Spiel wieder die Kurve kriegen und uns als Bayern München präsentieren. Und dann eben auch zeigen, dass wir eine Mannschaft sind, die in den letzten Jahren in Europa und auch national für Furore gesorgt hat, und dass wir da wieder anschließen.“

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