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Uefa-Cup Bremer Depression nach blauem Wunder

27.04.2007 ·  Nach dem Debakel bei Espanyol Barcelona fürchtet Werder nun auch im Titelkampf zu scheitern. „Die ganze Mannschaft hat versagt. Ich nehme mich da nicht aus“, sagte ein merklich angeschlagener und gereizter Miroslav Klose.

Von Roland Zorn, Barcelona
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Die Spieler hatten am Tatort Olympiastadion soeben ihr blaues Wunder erlebt. An den von Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs kurz danach genährten Glauben an ein weiteres grün-weißes Wunder von Bremen mochten sie noch gar nicht denken. „So ein Brett vor den Kopf zu bekommen ist bitter“, klagte Verteidiger Clemens Fritz; „für das Rückspiel haben wir eine mehr als schlechte Ausgangsposition“, stellte Stürmer Aaron Hunt desillusioniert fest; „wenn wir jetzt auch noch in der Bundesliga in Bielefeld verlieren, ist die zweite dicke Chance weg“, warnte Abwehrchef Naldo vor möglichen Folgewirkungen. Die 0:3-Schlappe im Halbfinalhinspiel des Uefa-Pokalwettbewerbs bei Espanyol Barcelona hatte am Donnerstagabend tiefe Spuren bei den Profis des SV Werder Bremen hinterlassen.

Nach einem Spiel, das ihnen an die Nieren gegangen war. Blass und mürrisch schlich der sowohl auf dem Platz als auch im Nachspiel schon mal mutigere Torsten Frings an den Reportern vorbei, gereizt und erst im Nachgang aggressiv reagierte der bei seiner Arbeit fast unsichtbare Stürmerstar Miroslav Klose auf Fragen nach seiner persönlichen Zukunft. „Wie finden Sie Barcelona?“, wollte ein ARD-Reporter von dem angeblich beim FC Barcelona wie beim FC Bayern München begehrten Angreifer wissen. Daraufhin zischte Klose zurück: „Was soll die Frage? Haben Sie noch eine Frage zum Spiel, ansonsten gehe ich weiter.“ Klose trollte sich nach einem Abend des völligen Missvergnügens, an dem er, ohne seinen Trainer Thomas Schaaf noch eines Blickes zu würdigen, in der 74. Minute ausgewechselt worden war. „Die ganze Mannschaft“, hatte er vorher noch gesagt, „hat nicht das umgesetzt, was sie kann. Man kann auch sagen, sie hat versagt. Ich nehme mich da nicht aus.“ Immerhin.

„Mit dem Messer zwischen den Zähnen“

Werder steht nun vor einer entscheidenden Woche. Kommt das Team am Sonntag beim Abstiegskandidaten Arminia Bielefeld nicht aus der Depression von Barcelona heraus, kann der Tabellenzweite im Kampf um die Meisterschaft entscheidend an Boden verlieren; gelingt der Mannschaft gegen Espanyol am kommenden Donnerstag nicht der bahnbrechende Umkehrschwung, ist sie für dieses Spieljahr am Ende ihres internationalen Weges angekommen. Glasgow, wo am 16. Mai das Finale im Uefa-Pokal steigt, scheint derzeit endlos weit weg von Bremen.

Wenigstens Schaaf und Allofs rafften sich schon am Ort ihres Entsetzens zu ersten waghalsigen Wendemanövern auf. Der Trainer versuchte so etwas wie Aufbauhilfe gegen den eigenen Augenschein zu leisten: „Ich sehe das Ganze nicht so dramatisch. Wir haben Fehler gemacht und uns selbst in eine schwache Position gebracht. Jetzt brauchen wir nächste Woche ein besonderes Spiel.“ Allofs rief die grün-weißen Profis sogleich dazu auf, sich am Tabellenzehnten der Primera División ein Beispiel zu nehmen: „Im Rückspiel möchte ich sehen, dass wir ähnlich auftreten wie Espanyol heute: mit dem Messer zwischen den Zähnen. Wir hatten heute nicht mal das Messer in der Tasche.“

Bremer Gefälligkeitsprofis

Tatsächlich staunten die 40.000 Zuschauer im Olympiastadion von 1992 nicht schlecht, wie locker der kleine Nachbar des großen FC Barcelona gegen die deutsche Spitzenelf zu seinen Toren kam: Moisés Hurtado erzielte per Kopf ebenso unbedrängt das 1:0 (20. Minute) wie Pandiani zu Beginn der zweiten Hälfte das 2:0 (50.). Dann wurde dem am Donnerstag ebenso fahrigen wie ungestümen Bremer Torhüter Wiese nach einer „Notbremse“ ohne Not gegen Tamudo (58.) auch noch die Rote Karte vorgehalten, so dass Werder die letzte halbe Stunde mit zehn Mann auskommen musste. Kurz vor dem Abpfiff ließen sich neun Bremer Feldspieler auch noch auskontern, als der eingewechselte Coro (88.) das 3:0 schoss. Zum bösen Schluss sah Fritz in der fünften Minute der Nachspielzeit die dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb. Er wird seiner Mannschaft am kommenden Donnerstag ebenso fehlen wie Barcelona die gesperrten Torschützen Moisés Hurtado und Pandiani.

„Wir haben nicht die totale Bereitschaft gezeigt, uns aufzuopfern“, ließ Allofs kein gutes Haar an der Gesamtleistung der Bremer Gefälligkeitsprofis, „da kann man international nichts gewinnen, da muss man um jeden Zentimeter kämpfen.“ Werder hat es in dem Bestreben, bloß nicht zu verlieren, von vornherein nicht versucht. Espanyol dagegen, in der heimischen Liga grauer Durchschnitt, im Uefa-Cup noch unbesiegt, wollte partout gewinnen. Mit seiner dichten Defensive gönnte der spanische Pokalsieger Werder keine Spielräume, mit seinen Überfallattacken raubte er den Bremern den Atem.

Leise Hoffnungen

Weil Werder in Barcelona „geschlafen hat“, wie Stürmer Hunt gestand, muss nun also der Wunderglaube gestärkt werden, auf dass das Ende in diesem Halbfinalzweiteiler doch noch wunderbar sei. Und so kursierten Erinnerungen an alte Europapokalzeiten, als die Bremer aus einem 0:3 gegen Dynamo Berlin ein 5:0, aus einem 0:3 bei Olympique Lyon ein 4:0 und einem 1:4 bei Spartak Moskau einen 6:2-Triumph machten.

Und noch etwas weckte leise Hoffnungen: Espanyol Barcelona führte 1988 nach Teil eins des damals noch in Hin- und Rückspiel ausgetragenen Uefa-Pokalfinales 3:0 gegen Leverkusen, verlor danach 0:3 bei Bayer und dazu die Sehnsucht nach der Pokalkrönung durch das anschließende Scheitern im Elfmeterschießen. Geschichten, die vielleicht zu lange her sind, um auf eine Renaissance unter anderen Umständen zu deuten. Doch darum ging es am Donnerstag noch nicht konkret, als der Bremer Glaube darniederlag und wenigstens der Aberglaube Trost verhieß.

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