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Übersteiger Die Wege des Balles

26.04.2009 ·  Karlsruhe erzielten wochenlang kein Tor, dann kam Langkamp, grätschte und traf. Wolfsburg gelang wochenlang alles, fuhr nach Cottbus, und unterlag. Die Wege des Balles sind unergründlich. Deshalb Vorsicht vor verfrühten Titelthesen.

Von Achim Dreis
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Was haben sie in Karlsruhe nicht alles probiert, um mal ein Tor zu schießen: Flanke von links, Flanke von rechts, Dribbling durch die Mitte, vielleicht sogar mal einen Doppelpass oder den ein oder anderen Freistoßtrick. Der Ertrag war gleich null: 0:0, 0:1, 0:2, 0:1, 0:1, 0:1, 0:0 und 0:2 lauteten die Resultate zwischen dem 14. Februar und dem 11. April.

Und dann kam Sebastian Langkamp, 21 Jahre alt, 1,90 Meter groß, 85 Kilo schwer, gerade mal acht Bundesligaspiele auf seinem Buckel. Zum Toreschießen wurde der Verteidiger nicht dem Hamburger SV abgekauft, wahrscheinlich darf er nur mit Sondererlaubnis in die gegnerische Hälfte. Im Spiel gegen Leverkusen grätschte er nun in Höhe der Mittellinie mit der ganzen Wucht eines aufstrebenden Jungspielers in den Ball, um einen Konter zu verhindern. Doch er grätschte nicht nur, er traf die Kugel auch punktgenau. Sein Schuss wurde lang und länger - und senkte sich über dem düpierten Nationaltorwart Adler ins Netz: Der fand das Schauspiel „ohne Worte“ und wagte die Prognose: „Den schießt er vielleicht einmal in seinem Leben.“

Meister wird Wolfsburg. Oder Stuttgart. Oder Hamburg. Oder Hertha. Oder Bayern.

Auch wenn der Karlsruher Tor-Bann bereits in der Vorwoche beim 2:2 gegen Hoffenheim gebrochen war, so ändert es doch nichts an der reizvollen These des unberechenbaren Fußballs. Genau deshalb gehen die Leute hin: Weil sie nie wissen, wie es ausgeht. Darum sollte man sich auch davor hüten, schon am 29. Spieltag mit sicheren Prognosen über den Ausgang der Meisterschaft Eindruck schinden zu wollen. So nach dem Motto: „Meister kann nur Wolfsburg werden“, oder auch im Ausschlussverfahren, „die Bayern schaffen es auf gar keinen Fall.“ Sicherlich lassen sich zur Zeit trefflich Argumente für die ein oder andere These finden, aber abgerechnet wird, richtig, zum Schluss.

Nach Stand liegt Wolfsburg (57 Punkte) zwei Zähler vor Berlin (55) und einen weiteren vor der Phalanx aus München, Stuttgart und Hamburg (je 54). Diese fünf Teams haben statistisch gesehen realistische Chancen auf die Meisterschaft. Das „Momentum“ spricht derzeit für Stuttgart, den unterschätzten Nachzügler, der fünf Siege in Serie aufweisen kann.

Die Wunderteams der Vorrunde werden es nicht schaffen

Wolfsburg schaffte gar eine Rekordreihe von zehn Erfolgen am Stück. Und das Tabellenführerteam hatte vor dem Sonntagsspiel nicht nur zwei Punkte mehr auf dem Konto als die Konkurrenz, sondern auch noch eine Partie mehr auszutragen. Aber da der Ball rund ist und seine Wege unerklärlich, wie Langkamps Traumtor eindrucksvoll unter Beweis stellte, musste Magaths Mannschaft auch in Cottbus erst mal gewinnen. Sie tat es nicht, der Vorsprung verharrte bei zwei Punkten - und schon wackelt die Wolfsburger Magie ein wenig (siehe: 0:2 in Cottbus: Elf Siege sollten es nicht sein).

Sicher ist nur, dass Hoffenheim, die Wundermannschaft aus der Vorrunde, einst von vielen Experten schon zum „sicheren Meister“ postuliert, es nach einer unerwarteten Pannenrückserie nicht mehr schaffen wird. Und auch Leverkusen, an 1 notiert noch am 13. Spieltag, hat keine Schalen-Chance mehr. Daran trug aber auch Langkamps Sternstunde keine entscheidende Schuld mehr.

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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