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TSG Hoffenheim Zurück zur Talentschmiede

 ·  Im manchmal selbstzerstörerischen Rattenrennen hatte Hoffenheim die Kontrolle über den sportlichen Kernbereich verloren. Der neue Trainer Markus Gisdol steht für das alte Modell - Forschung und Entwicklung des Fußballs.

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© F.A.S. Vergrößern Fußball-Spielstraße Hoffenheim

Nun ist Hoffenheim wieder ganz bei sich. Zumindest scheint es so. Markus Gisdol tut nach seiner erfolgreichen Premiere als Cheftrainer jedenfalls alles, um die Erwartungen an den fundamentalen Kurswechsel zu bekräftigen. Er gibt sich zurückhaltend, vorsichtig in der Analyse seiner Mannschaft, trotzdem optimistisch, und vor allem betont der 43 Jahre alte Fußballlehrer die Langfristigkeit seiner Arbeit. „Wir wollen hier etwas entwickeln. Und deshalb werde ich auch das Wort Abstiegskampf nicht in den Mund nehmen“, sagte er nach dem 3:0-Heimsieg in der Bundesliga über Düsseldorf. Dieser Erfolg hat vor dem Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker) wieder Hoffnung auf den Klassenerhalt geweckt.

Die Zugehörigkeit zur deutschen Topklasse ist für die vom Software-Milliardär Dietmar Hopp getragene Fußballunternehmung eigentlich keine Überlebensfrage. Dennoch hatte der Tabellenvorletzte in dem manchmal selbstzerstörerischen Rattenrennen der Branche die Kontrolle über den sportlichen Kernbereich verloren. In dem ganzen Chaos waren Sinn und Zweck der Ursprungsidee abhandengekommen. „Ein Grund, warum ich hier bin, ist der, dass Herr Hopp sein altes Hoffenheim zurückhaben möchte“, betont Gisdol.

Der blonde Schwabe ist das frische Gesicht für den Neustart. Zugleich Frontmann, Hoffnungsfigur und Integrator in einem Verein, der seine Kompetenzen auf höchstem Niveau vor allem in der Forschung und Entwicklung des Fußballspiels sieht. Dafür steht Gisdol. Und dafür steht seine fußballerische Prägung. In Hoffenheim existiert wieder der Glaube, dass Typ und Strategie perfekt zusammenpassen, wie in der besten Zeit unter dem damaligen Trainer Ralf Rangnick, der den aufstrebenden Milliardärsklub mit Powerfußball in die Schlagzeilen brachte.

Das ist kein Zufall. Man weiß ja schon, dass Gisdol in Hoffenheim als Juniorencoach unter Rangnick arbeitete und mit ihm dann später zu Schalke ging. Hinter den beiden steht aber mehr - ein einzigartiges Netzwerk, das seinen Ursprung vor dreißig Jahren im württembergischen Fußball hat. Das verbindende Element in diesem System ist ihr beider Mentor, der heute 66 Jahre alte Helmut Groß, der im Südwesten der Republik einst eine Trainer-Philosophie von hoher Innovationskraft begründete.

Der Bauingenieur, der später die Nachwuchsarbeit beim VfB Stuttgart aufgebaut hat, riss mit seinen damals fast revolutionären Ideen viele Nachwuchsleute mit. Er kennt Gisdol von Kindesbeinen an, dessen Vater war sein Trainerassistent beim FC Geislingen. Beim Verbandsligaklub hatte Groß Anfang der Achtziger das Spielsystem Ernst Happels als Nationaltrainer der niederländischen Nationalmannschaft übernommen und verfeinert.

In Deutschland gab es damals nur die Manndeckung. Die fand Groß allerdings unökonomisch, weil von den Spielern beim Verteidigen lange Wege zurückgelegt werden mussten. Er trainierte die ballorientierte Raumdeckung und modifizierte das System, in dem sich beim Angriff des Gegners die eigenen Spieler sehr weit vorne zu Grüppchen verschieben sollten, um Druck auf den jeweils ballführenden Gegenspieler auszuüben und ihn zu Fehlern zu zwingen. Später beim VfL Kirchheim stieg Groß so in die Oberliga auf und wurde zweimal württembergischer Meister.

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