27.11.2009 · In der vergangenen Saison eskalierten im Spiel gegen Dortmund die Fananfeindungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. Vor dem Spiel der beiden Klubs am Samstag irritiert BVB-Boss Watzke die Badener. Hopp wünscht sich ein wachsames Auge des DFB.
Von Oliver Trust, SinsheimDietmar Hopp ist ganz froh, dass Boris Becker angerufen hat. So konnte der Gesellschafter von 1899 Hoffenheim in für ihn turbulenten Zeiten über ein erfreuliches Thema sprechen. Der ehemalige Tennisstar will Mitglied in Hoffenheim werden. Und Hopp hat auch einen zweiten Erdenbürger davon „überzeugt“, dem Verein beizutreten – seinen vor kurzem geborener Enkel. „Ansonsten“, sagt der Hoffenheimer Klubmäzen, „war es richtig, dem Frieden nicht zu trauen. Es gibt offenbar keinen Frieden.“
Selten hat Hopp derartige Gefühlsschwankungen erlebt wie in den Tagen vor der Partie gegen Borussia Dortmund am Samstag. Es wurde öffentlich, dass Hopp über Monate eine Erpressung aushalten musste, der Täter muss sich nun vor Gericht verantworten. Seitdem ist der Milliardär und Mitgründer des Softwareunternehmens SAP noch vorsichtiger geworden. Zu Auswärtsspielen fährt er nun, ohne vorher darüber öffentlich zu sprechen. Was ihn deshalb besonders schmerzte, waren neue Angriffe. Zuerst beim Auswärtsspiel in Köln, dann aus der Dortmunder Ecke. „Das war ein neuer Höhepunkt“, sagt Hopp zu den Attacken in Köln, „Diskriminierung steht eindeutig auf der Verbotsliste. Ich hoffe, man macht dem Treiben bald ein Ende.“
Die Fans in Köln warfen Hopp vor, mit seinem finanziellen Engagement den Volkssport Fußball zu verraten. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und auch der Frankfurter Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen attackierten ihn jüngst, weil er die 50 plus 1-Regel untergrabe, die Mehrheitsbeteiligungen Außenstehender an Fußballklubs ausschließt. Und Watzke sagte auf der Aktionärsversammlung am vergangenen Dienstag noch mehr. Er nannte Hopp den „weißen Ritter von Hoffenheim“ und meinte zum Thema Fernsehgelder, Klubs wie Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen „lutschen die Sahne aus dem Thema, während wir Traditionsklubs die Folklore liefern“.
Erinnerung an Spiel vor einem Jahr
Zumindest bei Watzke drängte sich der Eindruck auf, da wolle einer von nicht durchweg erfreulichen Ereignissen ablenken. Dass die BVB-Aktien von einst fast drei Euro auf 92 Cent in den Keller rasselte, verkam jedenfalls zum Randthema. In Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen wurden die Äußerungen als „schwer erträglich“ bezeichnet. In Hoffenheim hatte man im Vorfeld der Partie gegen Dortmund mit Erinnerungen gerechnet. Es ist knapp ein Jahr her, als ein BVB-Anhänger mit einem Plakat auffiel, das Hopps Konterfei unter einem Fadenkreuz zeigte: „Hasta la Vista Hopp“ (siehe: Der Fußball-Kommentar: Viel mehr als nur ein dummer Streich).
Eine Grenze war überschritten. Hopp nahm seine Anzeige zurück, als sich der 19 Jahre alte Täter entschuldigte. Das tat damals auch BVB-Chef Watzke im Namen seines Klubs. Umso verwunderter registrierte Hopp nun dessen neuerliche Angriffe und den anschließenden offenen Brief, in dem Watzke die Dortmunder Fans zur Fairness aufforderte: „Herr Hopp ist ein integrer Mann, der es nicht verdient hat, zur Zielscheibe böswilliger Attacken zu werden.“
Hopp wünscht sich, dass der DFB ganz genau hinschaut
Hopp nahm in Kitzbühel den „Laureus Medien Preis 2009 für Wohltätigkeit“ entgegen, als ihn die neuesten Nachrichten erreichten. „Ich habe nichts gegen gesunde Konkurrenz. Aber was von anderen Vereinen in meine Richtung und die von 1899 Hoffenheim kommt, ist Ansporn für manchen Fan. Ich wünschte mir, dass diese Vereine damit verantwortungsbewusster umgehen. Außerdem frage ich mich, was der Unterschied meines Engagements zu anderen Sponsoren ist, die Vereine im großen Stil unterstützen“, sagt der 69 Jahre alte Mäzen.
Zu allem anderen, „auch zu Bruchhagens Auslassungen“, wolle er lieber nichts sagen. Es sei grotesk, was ihm vorgeworfen werde. „Ich den Fußball verraten?“, fragt Hopp. Erst kürzlich habe er fünf neue Autos an den Sportkreis Mannheim für die Aktion „Mobil zum Spiel“ übergeben, die kleinen Vereinen zur Verfügung stehen. „Meine Stiftung fördert 3000 Jugendliche in der gesamten Region. Wir kümmern uns verstärkt um Integration. Insgesamt haben wir über 230 Millionen Euro für soziale Zwecke aus meiner Stiftung heraus investiert. Davon weit über 60 Millionen für die Jugendförderung im Sport, nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball, Eishockey und Golf.“ Das würden die Menschen in der Region so begeistert aufnehmen wie die Dortmunder Fußball-Fans ihre Borussia. „Warum sollten sie das nicht dürfen?“, sagt Hopp. Für den Samstag aber wünsche er sich, dass „der DFB ganz genau hinschaut“.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |