Home
http://www.faz.net/-gtn-yrco
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

TSG Hoffenheim Pezzaiuoli muss am Saisonende gehen

Marco Pezzaiuoli bleibt höchstens bis zum Saisonende Trainer der TSG Hoffenheim. Der Bundesligaklub, der derzeit im gesicherten Mittelfeld steht, gab die Trennung bekannt - alles deutet auf Holger Stanislawski als Nachfolger hin.

© dapd Vergrößern Nur noch bis Saisonende: Marco Pezzaiuolis Zeit in Hoffenheim ist begrenzt

Als 1899 Hoffenheim am Dienstagnachmittag die Trennung von Marco Pezzaiuoli zum Saisonende in einer knappen Pressemeldung verkündete, stand der Fußballlehrer auf dem Trainingsplatz des Klubzentrums in Zuzenhausen. Kurz vorher war Ernst Tanner, der Manager des Fußball-Bundesligaklubs, allein vor die Mannschaft getreten und hatte diese von der Entscheidung unterrichtet. Pezzaiuoli hatte vom baldigen Ende seiner Tätigkeit am Abend zuvor erfahren. Zu dem Zeitpunkt kann die Nachricht den 42 Jahre alten Übungsleiter nicht mehr sehr überrascht haben, ebenso wenig wie die 1899-Spieler am Tag danach. Seit Tagen hielten sich hartnäckig Gerüchte über ein Ende der Zusammenarbeit nach nur wenigen Monaten. Pezzaiuoli hatte erst im Januar 2011 das Amt von Ralf Rangnick übernommen.

„Die Situation nach dem Trainerwechsel und den Abgängen im Winter war sicherlich nicht einfach für Marco Pezzaiuoli und den Verein“, ließ Tanner mitteilen, „wir sind jedoch nach den Entwicklungen der letzten Wochen zu dem Entschluss gekommen, mit einem neuen Cheftrainer in die kommende Spielzeit zu gehen. Klar ist jetzt aber auch, dass es für die Mannschaft keine Ausreden mehr gibt und sie in der Verantwortung steht, die kommenden Spiele mit voller Konzentration erfolgreich abzuschließen.“ Zu weiteren Nachfragen wollte er sich zunächst nicht äußern.

Mehr zum Thema

Trotz der Geheimniskrämerei scheint jetzt der Weg frei für die „Wunschlösung“, hinter der Gesellschafter und Klubmäzen Dietmar Hopp steht, der sich mit dem Neuen bereits geeinigt haben soll. Pezzaiuolis Nachfolger heißt, auch nach Informationen dieser Zeitung, Holger Stanislawski. Der Einundvierzigjährige steht noch beim abstiegsbedrohten Hoffenheimer Klassenkonkurrenten FC St. Pauli unter Vertrag, kann den Klub aber trotz eines bis 2012 laufenden Vertrages für 250 000 Euro vorzeitig verlassen. Stanislawski, wird kolportiert, wolle den nächsten Karriereschritt tun und erwarte sich vom Wechsel eine neue Perspektive. Laut „Hamburger Abendblatt“ will Stanislawski seinen bevorstehenden Abschied von St. Pauli noch diese Woche bekannt geben.

Mit jedem Tag ein bisschen freudloser

Im Kraichgau geht derweil ein Missverständnis zu Ende, das seit dem ersten Tag von Turbulenzen begleitet war. Zuerst sollte Pezzaiuoli einen Vertrag bis 2014 bekommen, dann wurde einer bis 2013 mit Option daraus, und nun wird von einer Ausstiegsklausel von 1899 zum Saisonende 2011 gesprochen. Demnach wäre die Trennung kein teures Vergnügen. Sie lässt aber den Klub dennoch nicht in gutem Licht dastehen. Fast überschwänglich hatte man im Januar die frische Verbindung als „langfristige Lösung“ gefeiert, rückte dann aber immer mehr vom neuen Cheftrainer ab. Die Badener machen in erster Linie sportliche Gründe und schwache Ergebnisse für die Trennung verantwortlich. Pezzaiuoli gelang es nicht, Verein und Mannschaft eine neue Perspektive aufzuzeigen. Der Fußball „Marke Hoffenheim“ schien mit jedem Spiel ein Stück freudloser zu werden.

Auf einmal grauer Mittelfeldverein

Allerdings übernahm der Bundesliga-Einsteiger Pezzaiuoli den Klub in einer schwierigen Phase. Gesellschafter Hopp hatte einen radikalen Strategiewechsel angekündigt, weg von freizügigen Transfers hin zu einer maßvollen Finanzpolitik. Von einem auf den anderen Tag mutierte der gefühlte Kandidat für internationale Wettbewerbe zum grauen Mittelfeldverein. Pezzaiuoli schien nie wirklich einen Draht zu seinen Spielern zu finden, die sich nicht nur über manchen peinlichen sprachlichen Patzer amüsierten. Sie nahmen ihrem unbeholfenen Coach auch Wutausbrüche wie den nach der Niederlage am Samstag in Freiburg (2:3) nicht ab, als der Trainer in der Kabine fluchend einen Medizinkoffer umtrat.

Der frühere Trainer der „U-17“-Junioren des Deutschen Fußball-Bundes kam im Sommer 2010 nach Hoffenheim und war vor seiner Beförderung Assistent von Rangnick. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest, hieß es aus der 1899-Klubzentrale. Der spärlichen Informationspolitik zum Trotz, wird allgemein die baldige Vollzugsmeldung in Sachen Stanislawski erwartet.

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
1899 Hoffenheim Im Rückwärtsgang nach vorn

Hoffenheim dreht die Zeit zurück und gräbt die alte Spielphilosophie aus. Nach vielen Irrwegen ist der Klub aus dem Kraichgau wieder bestens aufgestellt. Doch beim Spiel gegen den HSV (15.30 Uhr) gilt: Bloß nicht in die Falle tappen! Mehr Von Michael Eder, Sinsheim

18.10.2014, 15:44 Uhr | Sport
WM ohne Schmelzer, Volland und Mustafi

Bundestrainer Löw hat sich entschieden und drei Spieler aus dem WM-Kader gestrichen. Vor der Nominierungsfrist trifft es Marcel Schmelzer, Kevin Volland und Shkodran Mustafi. Mehr

02.06.2014, 14:35 Uhr | Sport
Hamburger SV Van der Vaart auf Abschiedstournee

Im Sommer endet der Vertrag von Rafael van der Vaart beim HSV. Bis dahin soll der Niederländer die Kreativlücke der Hamburger ausfüllen. Ob ihm das auch schon gegen Hoffenheim gelingt? Mehr Von Frank Heike, Hamburg

18.10.2014, 15:17 Uhr | Sport
Schalke trennt sich von Keller

Seit seinem Amtsantritt als Cheftrainer stand Jens Keller immer wieder in der Kritik. Letztlich kostete die aus Clubsicht fehlende Konstanz Keller den Job. Neuer Trainer wird Ex-Chelsea-Coach di Matteo. Mehr

07.10.2014, 14:48 Uhr | Sport
Schalke 04 Das geht nicht so weiter

Jens Keller ist nicht mehr Trainer von Schalke 04. Das teilte der Fußball-Bundesligaverein am Dienstagvormittag mit. Nachfolger wird der ehemalige Chelsea-Coach Roberto di Matteo. Mehr

07.10.2014, 09:18 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.04.2011, 14:55 Uhr

Umfrage

Welcher ist Ihr Fußballspruch des Jahres 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Ergebnisse, Tabellen und Statistik