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Kommentar zur TSG Hoffenheim : Nur halb durchdachte Personalpolitik

Zweite Trennung: Dietmar Hopp (links) und Hansi Flick Bild: dpa

Die Trennung zwischen der TSG Hoffenheim und Hansi Flick ist Folge eines Missverständnisses. Für den Standort Hoffenheim verheißt das nichts Gutes. Erst recht für den Tag, an dem auch Nagelsmann nicht mehr zu halten ist.

          Der Planet Fußball kreist in Hoffenheim immer noch um Dietmar Hopp. Nicht im Bundesliga-Tagesgeschäft, wo Julian Nagelsmann und Alexander Rosen die Geschäfte führen. Aber wenn es um die Ausrichtung der TSG geht, strategisch und personell, dann hört alles auf Hopps Kommando. Es war die Idee des Mäzens und Gesellschafters, Hansi Flick für die TSG Hoffenheim zu gewinnen, nachdem der den Sportdirektoren-Posten beim Deutschen Fußball-Bund quittiert hatte.

          Hopp schien sich das sehr schön ausgemalt zu haben: Flick, Kind der Region, langjähriger Aufbauhelfer bei der TSG und später, als Ko-Trainer der Nationalmannschaft, mit ausgewiesenen Anteilen am deutschen WM-Titel in Brasilien. Ja, das war eine Gelegenheit, da musste man einfach zuschlagen, und als Flick dann im vergangenen Sommer als Geschäftsführer Sport unterschrieben hatte, ließ Hopp sich das Vergnügen der Vorstellung seiner neuen Führungskraft nicht nehmen. Von „Aufbruchstimmung“ sprach Hopp, von einem „bedeutenden Tag für die TSG“, von einem „Meilenstein“.

          Es gab nur zwei Probleme: Erstens war der Headhunter Hopp offenbar aktiv geworden, ohne dass der Personalleiter Hopp vorher ein Stellenprofil definiert hätte. Und zweitens gab es ja schon eine Führungsebene bei der TSG, deren Mitglieder, wie damals bereits zu vernehmen war, mit den Zähnen knirschten, während sie nach außen gute Miene zu den Verschiebungen im Personaltableau machen mussten. Das zusammen war, gelinde gesagt, ein unglückliches Entrée für Flick, der sich, anstatt auf einem ihm ausgerollten roten Teppich, plötzlich im freien Spiel der Hoffenheimer Kräfte wiederfand.

          Für das ihm dann wiederum der Nerv und auch eine gewisse natürliche Verdrängung fehlten – Flicks Input, heißt es, sei dezent gewesen, weshalb Hopp trotz des Fünfjahresvertrags nun den Daumen senkte.

          Hopps Urteil glatt daneben

          Schon vom DFB war Flick geschieden, weil ihn die Mühlen der administrativen Ebene zermürbt hatten. Sein natürliches Revier ist der Fußballplatz, seine Stärke der Umgang mit (jungen) Spielern, sein Kapital das Knowhow im und über den Fußball hinaus. Das zusammen hätte man sich gerade im beschaulichen, aber innovationsfreundlichen Hoffenheim durchaus als gewinnbringende Mixtur vorstellen können. Weil es aber bestenfalls halb durchdacht war, endete es als Missverständnis, an dem beide Seiten ihren Anteil hatten. Wobei man schon darüber staunen darf, wie volatil das Urteil des erfolgreichen Unternehmers Hopp in Fußballfragen ist – und oft genug auch glatt daneben.

          Für den Standort Hoffenheim, an dem die Fliehkräfte derzeit ohnehin mal wieder heftig wirken, verheißt das nichts Gutes. Erst recht für den Tag, an dem auch Nagelsmann für Hopp nicht mehr zu halten ist.

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