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TSG Hoffenheim : Marco Kurz soll es richten

Neu in Hoffenheim: Marco Kurz Bild: dpa

Der frühere Trainer des 1. FC Kaiserslautern soll den Kraichgauern helfen, dem drohenden Abstieg zu entgehen. Manager Andreas Müller hat jetzt einen engen Freund aus alten Zeiten an seiner Seite.

          Am Montagabend haben sich die Profis der TSG Hoffenheim noch ohne ihren neuen sportlichen Anführer zur Weihnachtsfeier im Mannheimer „Palazzo“ versammelt. Die Stimmung soll nicht wirklich ausgelassen gewesen sein. Alles andere würde nach zuletzt sechs Niederlagen in Serie und einem Überwintern auf Relegationsrang 16 der Fußball-Bundesliga auch überraschen. Sieben Punkte beträgt der Rückstand der TSG auf den endgültig die Klasse sichernden Platz 15, der nun statt der vor Saisonbeginn vom ehemaligen Trainer Markus Babbel angestrebten Europapokalqualifikation zum neuen Saisonziel ausgerufen wurde.

          Diesen winzigen, aber doch entscheidenden Sprung um einen Rang in der Tabelle soll nun vom Vorbereitungsbeginn am 2. Januar an Marco Kurz bewerkstelligen. Am Dienstag bestätigte der Klub aus dem badischen Kraichgau, dass der 43 Jahre alte Fußballlehrer Interimstrainer Frank Kramer ablöst, der nach einem zweiwöchigen Ausflug zu den Profis wieder auf seinen Posten als Trainer der U23 zurückkehrt. Die Auswahl des neuen Übungsleiters lag offensichtlich anders als bei vorangegangenen Personalentscheidungen allein in der Verantwortung von Manager Andreas Müller, der Mäzen Dietmar Hopp erst nach der grundsätzlichen Einigung mit Kurz zu informieren und um Genehmigung zu bitten hatte.

          Keine Mitsprache für die Zuflüsterer

          So haben auch die zuletzt bei einigen Personalentscheidungen so einflussreichen Zuflüsterer Hopps wie der Spielerberater Roger Wittmann dieses Mal wohl keine Mitsprachemöglichkeit gehabt. „Die Entscheidung für einen Trainer geht allein auf meine Rechnung“, hatte Müller schon am Sonntag nach der 1:3-Heimniederlage gegen Dortmund gesagt. Diese Aussage impliziert, dass Müller seine berufliche Zukunft im Fall eines Abstiegs mit dem Schicksal von Kurz verknüpft. Die beiden ehemaligen Profis verbindet aber ohnehin sehr viel: Seit gemeinsamen Zeiten als Spieler von Schalke 04, wo sie als Teil der „Eurofighter“-Generation den Uefa-Pokal gewonnen hatten, sind sie Freunde.

          Müller hat seinem Kumpel schon am Sonntagabend unnötigerweise eine kleine Bürde mit auf den Weg gegeben. Bei der Beschreibung des neuen starken Manns hatte der Manager gesagt, dass er eine „hohe Identifikation mit dem Verein“ besitze. Ob Kurz, der seinen Lebensmittelpunkt mit seiner Familie seit seiner Profizeit bei 1860 in München hat, diese Identifikation mit dem zuletzt völlig profillosen Klub bei seiner offiziellen Vorstellung am Mittwochvormittag glaubwürdig untermauern kann, darf bezweifelt werden. Der in Stuttgart geborene ehemalige Innenverteidiger hatte sich bei seinen bisherigen Stationen 1860 München und 1. FC Kaiserslautern stets als ein bekennender Anhänger von Vereinen mit großer Tradition und Anhängerschaft verkauft.

          Zurück ins zweite Glied: Manager Müller (links) vertraute nur zwei Spiele auf die Option Frank Kramer als Interimscoach
          Zurück ins zweite Glied: Manager Müller (links) vertraute nur zwei Spiele auf die Option Frank Kramer als Interimscoach : Bild: dpa

          Nun kann Kurz vertragsgemäß mindestens bis zum 30. Juni 2014 die noch wenig umfangreiche Historie der TSG Hoffenheim mitgestalten. Dabei darf er auf die Hilfe von Assistent Günther Gorenzel bauen, der Kurz schon bei seinen früheren Trainerstationen zur Seite stand. Beim FCK war das Gespann am 20. März von seinen Aufgaben entbunden worden, nachdem der Klub im zweiten Jahr nach dem Aufstieg in die Bundesliga nach 16 Spielen ohne Sieg nahezu hoffnungslos in den Abstiegsstrudel geraten war. Der FCK stieg auch nach der Trennung von Kurz, der den Klub zuvor in seinem ersten Dienstjahr aus der Zweitklassigkeit zurück in die Eliteliga und dort im ersten Jahr auf den siebten Platz geführt hatte, chancenlos ab.

          Bedingt geeignet für Abstiegskampf

          Der Trainer war nach dem Verlust von einigen Stammspielern nicht mehr in der Lage, eine bundesligataugliche Mannschaft zu formen. Nachdem der gerade mit jungen Spielern akribisch arbeitende Coach in den Vorjahren mit einem klaren Konzept und einer eingespielten Stammelf zum Erfolg kam, verunsicherte er seine Mannschaft zunehmend durch immer neue personelle wie taktische Ausrichtungen und beinahe verzweifelte Rettungsversuche. Seine in Hoffenheim benötigte Eignung für den nervenaufreibenden Abstiegskampf hat Kurz in der Pfalz nur bedingt nachgewiesen. Zudem unterliefen ihm gemeinsam mit Klubpräsident Stefan Kuntz einige Fehlgriffe auf dem Transfermarkt.

          Im wirtschaftlich dank der Millionen von Mäzen Hopp gut aufgestellten Hoffenheim dürften es Kurz und Manager Müller etwas einfacher haben, die Mannschaft bis zum Rückrundenstart in ihrem Sinne zu verstärken. Müller hatte bereits am Sonntagabend signalisiert, dass die TSG in größerem Maße tätig werden wird. „Es ist ja so, dass es bisher überhaupt nicht funktioniert hat“, sagte er. Ein heißer Kandidat auf einen Wechsel ins Kraichgau dürfte sicher der beim VfL Wolfsburg selten eingesetzte Torjäger Srdjan Lakic sein, mit dem Kurz in Kaiserslautern hervorragend zusammengearbeitet hatte. Sollten freilich auch die Neuverpflichtungen lediglich dazu beitragen, den aktuellen Tabellenplatz zu verteidigen, dann stünde für Kurz womöglich eine besondere Prüfung bevor: Denn in den möglichen Relegationsspielen Ende Mai könnte er auf den FCK treffen.

          Marco Kurz, neuer Trainer der TSG Hoffenheim

          - Geburtsdatum: 16. Mai 1969
          - Geburtsort: Stuttgart
          - Familienstand: verheiratet
          - Größe: 1,85 m
          - Gewicht: 76 kg
          - Heimatverein: SV Sillenbuch

          Karriere als Spieler:
             1989-1990: VfB Stuttgart
             1990-1994: 1. FC Nürnberg
             1994-1995: Borussia Dortmund
             1995-1998: FC Schalke 04
             1998- 2004: 1860 München
          (insgesamt 300 Bundesliga-Spiele/5 Tore)

          Erfolge als Spieler:
             UEFA-Cup-Sieger 1997 mit Schalke 04
             Deutscher Meister mit Borussia Dortmund 1995

          Karriere als Trainer:
             20.4.2005-18.3.2007: SC Pfullendorf
             19.3.2007-24.2.2009: 1860 München
             18.6.2009-20.3.2012: 1. FC Kaiserslautern   
             01.1.2013-                 : TSG 1899 Hoffenheim

          Quelle: FAZ.NET

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