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TSG Hoffenheim Einer für das Tor, einer für die Technik

05.01.2009 ·  Torwart Hildebrand gegen Torjäger Ibisevic, ein spannendes Duell zum Trainingsbeginn. Doch Hoffenheim wäre nicht Hoffenheim, wenn der Rückkehrer im Tor gespielt hätte: Hildebrand musste als Innenverteidiger ran.

Von Christian Kamp, Sinsheim
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Eine größere Bewährungsprobe konnte auf Timo Hildebrand gar nicht zukommen. Der Bundesliga-Rückkehrer und frühere Nationaltorwart gegen Vedad Ibisevic, den aktuellen Torjäger Nummer eins in Deutschland, das war schon in dieser Rollenverteilung ein interessantes Duell, das sich den rund 1000 Besuchern beim Trainingsauftakt von 1899 Hoffenheim am Samstag bot.

Doch Ralf Rangnick hatte noch einen anderen Regieeinfall, den man auf den ersten Blick für eine Spielerei des Trainers halten mochte, der in Wahrheit aber auch etwas über das Fußballverständnis beim Tabellenführer und Herbstmeister aussagt: Rangnick ließ seine Torhüter im abschließenden Trainingsspielchen als Feldspieler ran, und so kam Hildebrand zu dem – so sollte man meinen: zweifelhaften – Vergnügen, als Innenverteidiger die Tore von Ibisevic verhindern zu müssen. Es gelang, und zwar mit Bravour. Rangnick sagte danach: „Er ist ein richtig gut mitspielender Torwart, der kicken kann. Man hat gemerkt, dass er theoretisch auch draußen spielen könnte – vielleicht nicht in der Bundesliga, aber Oberliga oder Regionalliga würde ich ihm schon zutrauen.“

Hildebrand und Rangnick, zwei gute Bekannte

Natürlich gilt auch in Hoffenheim, dass ein Torhüter zuerst einmal dafür bezahlt wird, Bälle zu fangen. Doch es kann im flotten und um allzeitige Kontrolle bemühten Spiel des Aufsteigers auch kein Schaden sein, wenn der letzte Mann obendrein den Ball mit den Füßen gut zu behandeln versteht. Weil die Verantwortlichen des Klubs überzeugt sind, dass der 29 Jahre alte Hildebrand beide Fähigkeiten vereint (und zwar besser als die nicht immer überzeugenden Daniel Haas und Ramazan Özcan), haben sie ihn schließlich aus Valencia in den an diesem Samstag zwar nicht minder sonnigen, allerdings bitterkalten Kraichgau gelockt.

Hildebrand und Rangnick, das sind zwei gute Bekannte. Als Rangnick noch den VfB Stuttgart trainierte, verhalf er dem damals Zwanzigjährigen im November 1999 zum Bundesliga-Debüt. „Er hat auf mich genau den Eindruck gemacht, wie ich ihn vorher auch kannte“, sagte Rangnick jetzt – und das war nicht nur wörtlich zu verstehen, sondern zugleich auch als kleine Schönheitskorrektur an Hildebrands Bild in der Öffentlichkeit. Der hatte ja als eigenwillig und etwas divenhaft gegolten, seit Bundestrainer Joachim Löw ihn kurz vor der Europameisterschaft im vergangenen Sommer überraschend aus dem Kader gestrichen hatte. Ein ganz und gar falsches Image, wie Rangnick findet: „Ich kann keine Anzeichen dafür entdecken.“

„Ich möchte nicht als Star gefeiert werden“

Hildebrand selbst gab sich fürs Erste jedenfalls hochprofessionell in Wort und Tat. „Fußball ist ein Mannschaftssport. Ich möchte nicht als Star gefeiert werden“, sagte er. Als die Fans zuvor immer wieder seinen Namen gerufen und vereinzelt auch die Rückkehr in die Nationalmannschaft gefordert hatten, legte er den Finger auf den Mund, als wollte er sagen: Langsam, so weit ist es noch nicht.

Auch Rangnick mochte für seinen prominenten Zugang das Leistungsprinzip nicht außer Kraft setzen. Um in Hoffenheim überhaupt zu spielen, sagte er, müsse Hildebrand erst wieder „in die Form kommen, die er vor zwei Jahren“ hatte. Es gibt allerdings wenig Grund, daran zu zweifeln, dass der neue Mann zum Rückrundenauftakt am 31. Januar gegen Energie Cottbus im Hoffenheimer Tor stehen wird. So oder so: Ein Fehler kann die Rückkehr in die Bundesliga auf keinen Fall gewesen sein, wie die Reaktion von Bundestrainer Löw zeigte. Der, so berichtete Hildebrand am Samstag, habe ihm per SMS zu dem Wechsel gratuliert.

Stillstand darf es in Hoffenheim weiterhin nicht geben

Bei allem Trubel um den neuen Star, der von zwei weiblichen Fans zur Begrüßung sogar eine Torte geschenkt bekam, ging ein weiterer Zuwachs im Hoffenheimer Kollektiv beinahe unter. Marcel Lucassen soll das ohnehin schon umfangreiche Trainerteam verstärken und die Spezialisierung in der täglichen Arbeit mit den Profis weiter vorantreiben. Technikschulung und Fehleranalyse sind die Kernaufgaben des 45 Jahre alten Niederländers, der zuletzt für den MSV Duisburg gearbeitet hatte. Rangnick hegt die Hoffnung, seine lernbegierigen Schüler mit Lucassens Hilfe noch ein bisschen besser und handlungsschneller machen zu können. Für die Konkurrenz muss das wie eine Drohung wirken, auch wenn „die Entwicklungssprünge nicht mehr so groß ausfallen werden wie zuletzt“.

Stillstand darf es in Hoffenheim also weiterhin nicht geben, und so darf man gespannt sein, wie die Mannschaft mit den Herausforderungen der Rückrunde umgeht. Der Umzug ins neue Stadion, die Rolle als Gejagter, der Druck auf das Mannschaftsgefüge – das alles sind Erfahrungen, die die jüngste Mannschaft der Liga erst noch machen muss. Rangnick war deshalb auch gut beraten, das mediale Scharmützel mit den Bayern – zuletzt hatte Präsident Franz Beckenbauer von „beginnendem Größenwahn“ gesprochen – nicht neu zu befeuern. „Wir sehen uns in keinster Weise als Mannschaft, die für sich in Anspruch nimmt, auf Augenhöhe mit den Bayern zu sein“, sagte er. (Siehe: Hoffenheimer Konter: Rangnick plädiert auf „nicht größenwahnsinnig“). Dass seine Hoffenheimer im Augenblick eine Nasenlänge voraus sind, brauchte er nicht zu erwähnen.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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