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Traumziel Bundesliga Die Lehre des Matthäus

10.03.2008 ·  „Das Leben allgemein ist Schule“, sagt Lothar Matthäus zum Auftakt seines Trainerlehrgangs. Er wolle „als Trainer in Deutschland zeigen, was ich 17 Jahre lang als Spieler gezeigt habe“. Und endlich in der Bundesliga ankommen.

Von Elisabeth Schlammerl
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Eine große Schultüte voller Süßigkeiten hat es bei der zweiten Einschulung natürlich nicht gegeben, und Mama und Papa sind auch nicht dabei gewesen, um den Sohnemann im richtigen Klassenzimmer abzugeben. Mit fast 47 Jahren ist Lothar Matthäus schließlich selbst in der Lage, den Weg zu finden. Seit Montag drückt der ehemalige Fußballprofi wieder die Schulbank: In dieser Woche büffelt er in der Sportschule Oberhaching für die Fußballlehrer-Lizenz, die restlichen zwei Monate des Lehrgangs wird er vor allem in der Kölner Sporthochschule absolvieren.

An seinem ersten Schultag wurde Matthäus fast ein bisschen philosophisch. „Das Leben allgemein ist Schule. Wir sollten immer bereit sein dazuzulernen“, sagte er. „Es ist eine Herausforderung für mich, wie so vieles in meinem Leben.“

In Zukunft keine Ausnahmeregelungen mehr

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte ihm als Rekordnationalspieler, Ehrenspielführer und Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1990 einen Sonderlehrgang zugestanden. Schon vor sieben Jahren hätte Matthäus die Gelegenheit gehabt, mit verdienten Nationalspielern die Lizenz in einem Blitzkurs zu erwerben, aber damals hatte er noch aktiv in New York gespielt. Matthäus wird der letzte deutsche Fußballprofi sein, der in den Genuss eines verkürzten Lehrgangs kommt, denn ab Sommer gilt eine neue Ausbildungsordnung, die keine Ausnahmeregelungen mehr zulässt.

Matthäus will mit der Prüfung Mitte Mai „einen dicken Stein aus dem Weg räumen“. Bei seinen bisherigen Trainer-Engagements in Österreich, Serbien, Brasilien und bei der ungarischen Nationalmannschaft habe er die fehlende Lizenz immer „geschickt umgehen“ können. Anders in der Bundesliga: Da sei es bislang eine Hürde gewesen, den Schein nicht zu besitzen. Irgendwann aber wolle er auch „als Trainer in Deutschland zeigen, was ich 17 Jahre lang als Spieler gezeigt habe“, sagte Matthäus.

„Dem Jürgen alles Gute“

Allerdings nicht vor dem 1. Juli dieses Jahres, „bis dahin nehme ich kein Angebot an, das steht fest“. Rund 300 Unterrichtseinheiten hat Matthäus unter der Leitung von DFB-Ausbilder Erich Rutemöller und des Dozenten-Teams der Hennes-Weisweiler-Akademie nun vor sich. Der 150-malige Nationalspieler muss Kurse über Fußballtheorie und -praxis, Sportmedizin, Pädagogik, Methodik, Trainingslehre und Wettkampf-Psychologie belegen. Zum Auftakt hat er eine Praxiseinheit mit dem B-Lizenz-Lehrgang, der derzeit in Oberhaching stattfindet, absolviert und dabei auch Mehmet Scholl getroffen, seinen ehemaligen Teamkollegen vom FC Bayern.

Zur Ausbildung gehören auch je eine Hospitation in der Bundesliga und im Ausland mit Trainings- und Spielbeobachtungen. Rutemöller hat Matthäus allerdings nicht dessen früheren Verein, den Branchenführer FC Bayern München, empfohlen, sondern Werder Bremen, weil dort die Strukturen vorbildlich seien, wie der DFB-Ausbilder findet. Das zweite Praktikum möchte Matthäus am liebsten bei Inter Mailand absolvieren. Womöglich hat er am Wochenende bei der 100-Jahr-Feier des Klubs schon einmal vorgefühlt und sich dort auch mit Jürgen Klinsmann ausgetauscht, der ihm beim Trainerlehrgang ein paar Jahre voraus war und in München demnächst den Posten übernimmt, den auch er gerne gehabt hätte. Aber Matthäus gab sich generös, wünschte „dem Jürgen mit dem FC Bayern alles Gute in der nächsten Saison“ und versicherte wieder einmal, dass „der Jürgen und ich nie die Feindschaft hatten, die von außen daraus gemacht wurde“. Vielleicht würde Matthäus gar sein Praktikum bei Klinsmann machen, wenn der jetzt schon Bayern-Trainer wäre.

Einzelunterricht und Arbeit nach Dienstschluss

Da der Lehrgang speziell für ihn gestaltet wurde, kommt Matthäus in den nächsten zwei Monaten in den Genuss von Einzelunterricht. Davon könne er profitieren, sagte Rutemöller. Allerdings „ist es sicher sehr hart, weil Lothar immer gefordert ist. Und ich will ihm keine Angst machen, aber er ist auch abends nach Dienstschluss gefordert zu arbeiten. In einem Kurs mit 30 anderen kann man sich immer mal verstecken.“

Aber verstecken würde sich der vor allem wegen seiner derzeit sehr jungen Begleitung auch auf Society-Seiten präsente Matthäus ohnehin nicht. „Ich weiß zwar noch nicht hundertprozentig, was mich erwartet, aber ich freue mich darauf.“ Rutemöller ist jedenfalls sehr zuversichtlich, dass Matthäus ein guter Schüler sein wird. „Mit seiner riesigen Erfahrung erfüllt er ja schon einmal eine Voraussetzung. Ich gehe davon, dass Lothar das Zeugnis am Ende in den Händen hält.“ Matthäus selbst hat wie so oft in seiner Karriere auch dieses Mal keine Selbstzweifel. „Ich war früher ein aufmerksamer Schüler, kein Superschüler, aber ich habe meine Aufgaben immer erledigt.“

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