17.11.2008 · Die 14. Berufsstation ist nicht die einfachste: Peter Neururer, der Ruhrgebietstrainer schlechthin, soll beim MSV Duisburg aus dem Stand heraus die Wende schaffen. Der Bundesliga-Aufstieg bleibt trotz des großen Rückstandes das Ziel.
Von Richard Leipold, DuisburgSogar Peter Neururer wirkte ein wenig erstaunt. Nicht darüber, dass er nach mehr als zwei Jahren wieder einen adäquaten Arbeitsplatz gefunden hat, sondern über das Ausmaß des Interesses, das er bei seiner Präsentation als Cheftrainer des MSV Duisburg auf sich zog. Ein Heer von Reportern und Kameraleuten war in die Arena des Zweitligaklubs gekommen, um den ersten Auftritt des Rückkehrers zu beobachten. So ein Auflauf sei schon ungewöhnlich für ihn und den MSV, sagte Neururer. „Hier wird ja schließlich nicht Christoph Daum vorgestellt.“
Nur einmal war das Medienaufkommen bei der Präsentation eines neuen Mitarbeiters im Duisburger Stadion noch größer: als im Sommer 2007 der einstige brasilianische Stürmerstar Ailton auf einem lebensgroßen Plastikzebra mitten auf dem Rasen im Stile eines Cowboys grüßte. Ailton, der seine besten Zeiten längst hinter sich hatte, hielt es nur ein paar Monate in Duisburg aus und zog schon im folgenden Winter frustriert von dannen.
„Jetzt habe ich fast alle großen Klubs des Ruhrgebiets durch“
Neururer hat vor, länger zu bleiben, viel länger, auch wenn ihm das in seiner langen Laufbahn nicht immer und überall gelungen ist. Der MSV ist seine vierzehnte Station als Profitrainer und der dreizehnte Verein, der ihn beschäftigt; bei Hannover 96 arbeitete er zweimal, zuletzt bis Ende August 2006. Nun ist Neururer, die polarisierende Stimme der Region, zurück in seinem Fußballrevier und in der Heimatstadt seines Vaters. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz: „Jetzt habe ich fast alle großen Klubs des Ruhrgebiets durch“ - jener Region also, die er sportlich wie von der Lebensqualität bevorzugt. Heimatnahe Einsätze hatte der in Gelsenkirchen wohnende Fußball-Lehrer schon in Schalke, Bochum, Köln, Aachen, Essen und Ahlen.
Neururer zeigte sich hocherfreut, fast ein wenig gerührt über die einführenden Worte des Duisburger Vereinspräsidenten Walter Hellmich, der offenkundig nicht nur aus Höflichkeit sagte: „Ich bin happy, dass du da bist. Wir haben keinen fremden Trainer geholt, sondern einen mit heimatlichen Gefühlen.“ Neururer antwortete, es sei schön, so freundlich empfangen zu werden, und fügte hinzu: „Wenn ich in zehn Jahren genauso freundlich verabschiedet werde, wäre das natürlich noch schöner.“ Vorerst ist die Zusammenarbeit aber nicht einmal auf ein Jahr befristet, sondern bis zum Ende der aktuellen Spielzeit. Falls Neururer den MSV in die erste Bundesliga zurückführt, verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr.
Verzicht auf Nicht-Abstiegsprämie
So begeistert sich Hellmich über den Nachfolger Rudi Bommers gezeigt haben mag, so wichtig war es ihm auch, herauszustellen, dass der 53 Jahre alte Fußball-Lehrer einen „stark leistungsbezogenen Vertrag“ erhalten habe. „Das war auch dem Peter sehr lieb.“ Besonders angetan sei er über die ungewöhnliche Zurückhaltung Neururers bei einer bestimmten Prämienregelung gewesen, sagte Hellmich. In der Regel sehen Trainerverträge beim MSV eine Nichtabstiegsprämie vor.
Für den Fall, dass die Mannschaft in der nächsten Saison wieder in der ersten Liga kickt, hat Neururer auf diese Gratifikation vorsorglich verzicht. „Peter will diese Prämie nicht, also haben wir den Passus gestrichen, das hat mir sehr gut gefallen“, sagte Hellmich. Umso stärker dürften aber die „leistungsbezogenen“ Aspekte zugunsten des Trainers durchschlagen, falls der Aufstieg gelingt.
Aufstieg ist „Phantasterei“
Angesichts der aktuellen Lage - Duisburg ist dem drittletzten Platz derzeit näher als dem dritten - empfiehlt der Fußball-Lehrer, nicht allzu viel über den Aufstieg zu sprechen. „Das wäre Phantasterei.“ Neururer wäre nicht Neururer, wenn er nicht doch darüber spräche, und zwar ausführlich. „Der MSV gibt mir die Möglichkeit, mein Ziel zu erreichen: dahin zurückzukehren, wo ich hin will, nämlich in die erste Liga. Die sportliche Substanz müsste ausreichen“, sagte er. Allerdings könne der Coup nur gelingen, wenn die Mannschaft schnell in die Erfolgsspur zurückfinde.
Gerade in dieser Hinsicht gilt er ja als Experte. „Wir starten mit einem großen Handicap, aber wir versuchen es trotzdem. Es ist möglich, das Ziel schon in dieser Saison zu erreichen.“ Vor knapp sieben Jahren hatte Neururer beim VfL Bochum eine ähnlich schwierige Lage vorgefunden, rückte aber mit der Mannschaft am letzten Spieltag noch auf den dritten Platz vor.
Spezieller Trainer-Typus
Der Beginn seiner vierzehnten Mission ist eine typische Situation für diesen selbstbewussten, risikobereiten und auch skurrilen Trainer. Er muss mitten in der Saison eine Wende herbeiführen, und das möglichst sofort. Das erfordert in Duisburg nicht nur harte Arbeit und Motivation auf dem Trainingsplatz, sondern auch einen Stimmungsumschwung. „Wir müssen eine Symbiose von Mannschaft, Trainer, Verein, Fans und Medien erreichen.“ Die Fans waren zuletzt aus Enttäuschung arg auf Distanz gegangen, vor allem zu seinem Vorgänger Bommer, dem Tausende vor seinem letzten Spiel als MSV-Trainer buchstäblich die Rote Karte gezeigt hatten.
In einer solchen Lage erscheint der bekennende Ruhrgebietsbürger Neururer den Verantwortlichen als die beste Wahl. Seine Verpflichtung habe „weniger mit Qualität als mit Persönlichkeitsmerkmalen zu tun“, sagt Neururer. „Man hat einen bestimmten Typus gesucht.“ Einen Typus und einen Typen.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |