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Torwart René Adler Das neue Gesicht des HSV

 ·  Smart, eloquent - und hoffentlich erstklassig: Torhüter René Adler steht für die Hamburger Imagekorrektur. Noch trägt der frühere Nationaltorwart allerdings das Trikot mit der Nummer 15.

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© dpa Der freundliche neue Torwart des Hamburger SV: René Adler

Auf der Jagd nach dem besten Bild beginnen die Fotografen und Kameramänner plötzlich zu laufen - René Adler kommt. „Da ist er!“, ruft eine Frau im Trikot des Hamburger SV und schickt ihren Sohn, um ein Autogramm zu holen. Und Adler hat auf dem Weg von der Kabine zum Trainingsplatz für jeden ein freundliches Lächeln übrig. Ganz selbstverständlich unterschreibt er auf T-Shirts und Postern.

Wie viel es wert sein kann, einen ehemaligen Nationaltorwart im besten Alter zu haben, zeigt sich am Montagnachmittag schon bei der ersten Hamburger Übungseinheit der Spielzeit 2012/2013: Adler scheint die große Hoffnung vieler HSV-Fans zu sein. Der ohne Ablöse aus Leverkusen verpflichtete Torwart soll - so wünschen es sich die Verantwortlichen der Norddeutschen - nicht nur der große Rückhalt im Tor sein, sondern auch das sympathische Gesicht des neuen HSV. Ein smarter Typ, der gut reden kann. Dass er seine ihm zugedachte Rolle als Führungskraft kennt, demonstriert der 27 Jahre alte Profi gleich im ersten Trainingsspiel: Er dirigiert die Abwehr des A-Teams mit klaren Ansagen. René Adler ist bestimmt nicht zum HSV gekommen, um sich hinten anzustellen.

Natürlich knüpfen sich da ganz schön viele Erwartungen an einen, der seit einem Jahr nicht mehr in der Bundesliga gespielt hat. Als deutsche Nummer eins brach sich Adler vor der Weltmeisterschaft 2010 eine Rippe. Dann musste er 2011 wegen einer Verletzung an der Patellasehne ein halbes Jahr pausieren und zusehen, wie ihm Manuel Neuer im DFB- und Bernd Leno im Bayer-Trikot den Rang abliefen. In den Augen mancher Fachleute war Adler vom DFB-Stammtorwart zum „Gläsernen“ geworden, zu einem, der ständig verletzt ist.

Wie ein Spieler, der ständig in sich hineinhorcht, wirkt Adler aber gar nicht bei seiner Vorstellung in den Stunden vor dem Trainingsauftakt. „Ich bin körperlich topfit“, sagt er, „was mir fehlt, ist Spielpraxis. Ich war lange verletzt, das ist klar. Aber die Betonung liegt auf war.“ Flankiert von Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen, den Männern, die ihn dazu gebracht haben, für fünf Jahre in Hamburg zu unterschreiben, scheint sich Adler auf Anhieb wohl zu fühlen im Klub mit dem großen Namen und den zuletzt sehr kleinen Erfolgen. Adler sagt, und es wirkt weder auswendig gelernt noch vom Berater diktiert: „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass das hier ein Neuanfang für mich ist. Ich bin nervös und fühle mich wie am ersten Schultag. Nach zwölf Jahren Leverkusen ist hier alles neu für mich.“ Dieser Eindruck verflüchtigt sich später auf dem Trainingsplatz. Vom Auftreten, von den ersten Aktionen, vom Umgang mit den HSV-Führungskräften Heiko Westermann und Dennis Aogo her - Adler versteckt sich nicht, er geht voran, er weiß, was von ihm erwartet wird. Der Mann im weißen Trikot mit der Nummer 15 und den schwarzen langen Hosen ist kein Schweiger wie Jaroslav Drobny.

Ein holpriger Neustart im Norden

Der bisherige Stammtorhüter fehlte am Montag. Drobny stand im tschechischen Aufgebot bei der Europameisterschaft und hat noch Urlaub. Und mit Drobny beginnt der unangenehme Teil der an sich schönen Hamburger Geschichte mit René Adler in der Hauptrolle. Denn Drobny soll trotz eines Vertrages bis 2013 verkauft werden, weil niemand dem 31 Jahre alten Tschechen zumuten will, jetzt zum Bankdrücker zu werden. Allerdings fehlen bislang sowohl Angebote anderer Klubs als auch Drobnys Bereitschaft zu gehen. Einen fairen Kampf um den Platz im HSV-Tor wird es ohnehin nicht geben. Trainer Fink hat sich auf Adler festgelegt. Schon vor dem ersten gehaltenen Ball lobt Fink den neuen Mann: „René hat alles, was ein Torwart braucht. Mit ihm haben wir einen tollen Fang gemacht.“ Adler spricht zurückhaltend und ohne Drobnys Namen zu nennen davon, dass er keinen Konkurrenzkampf scheue. Vorerst aber bleibt Drobny die Nummer eins - zumindest, was die Zahl auf dem Trikot angeht. Erst, wenn der Tscheche weg ist, darf Adler die „15“ gegen die „1“ eintauschen.

Ein holpriger Neustart im Norden. Schon der Wechsel hatte sich durch den ganzen Frühling gezogen. Der HSV wollte René Adler unbedingt haben - auch als Persönlichkeit, die für eine dringend nötige Imagekorrektur steht. Nach einer Saison, die den Traditionsklub an den Rand des Abstiegs brachte. Doch Zweifel an seiner Fitness und hohe Gehaltsforderungen machten einen schnellen Transfer unmöglich. Natürlich wollte Adler auch nicht in die zweite Liga wechseln, sondern sich bei einem arrivierten, ambitionierten Spitzenklub wieder in den Dunstkreis der Nationalmannschaft spielen. Dass der HSV das erst wieder werden muss, weiß Adler, wenn er sich den Kader anschaut: Fähige Kreativspieler und starke Innenverteidiger fehlen. Trotzdem sieht Adler auch seine persönliche Chance beim HSV: „Ich möchte auf lange Sicht wieder in die Nationalmannschaft zurückkehren. Momentan ist das ganz weit weg, weil Hamburg im Vordergrund steht. Ich habe schon gespürt, wie groß hier die Sehnsucht nach Erfolg ist.“ 1200 Zuschauer bei der ersten Übungseinheit. Das hat es in Leverkusen nie gegeben.

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