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Torwart Fabian Giefer Der letzte Unbezwungene

 ·  Ausgerechnet Fortuna Düsseldorf stellt die stärkste Defensive der Fußball-Bundesliga. Letzte Instanz ist der zupackende Torwart: Fabian Giefer ist seit 440 Minuten ohne Gegentor.

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© dpa Hart im Nehmen: Düsseldorfs Torwart Giefer

Fabian Giefer wurde vor einer Woche ein Loch in den Kiefer getreten. Nur wollte ihm nach dem Unfall in der 80. Minute in der Stuttgarter Arena erst niemand glauben. Nicht mal der Schiedsrichter. Also stellte der Torhüter von Fortuna Düsseldorf nach dem Krankenhausaufenthalt ein detailliertes Beweisfoto seines gerissenen Gaumens bei Facebook ein, trainierte, als ob nichts gewesen wäre, und erschien beim 0:0 gegen den SC Freiburg am Samstag wieder an seinem Arbeitsplatz.

Giefers Furchtlosigkeit, seine 1,96 Meter große Torwartgestalt und seine starken Reflexe sind einige Gründe dafür, dass die Düsseldorfer in dieser Saison als einziges Team noch ohne Gegentor sind. 2:0, 0:0, 0:0, 0:0, dazu ein 1:0 im Pokal - die bisherige Saisonbilanz der Fortunen lässt den 22 Jahre alten Schlussmann gut aussehen. „Klar ist die Null wichtig für unser Selbstvertrauen“, sagt Giefer, der vor der Spielzeit für 400.000 Euro aus Leverkusen rheinaufwärts gewechselt ist.

Dass die eine Null verlässlich steht, erleichtert die Akklimatisierung des Aufsteigers nach fünfzehnjähriger Bundesligapause. Insgesamt 440 Minuten lang hat Giefer nun keinen Ball passieren lassen, in seiner zehnminütigen Abwesenheit nach seiner Auswechslung in Stuttgart setzte Vertreter Robert Almer sein gegentorloses Werk fort. Nun könnte man einwenden, dass Giefer nur die letzte Instanz eines vor allem auf defensive Stabilität bedachten Fortuna-Kollektivs ist. Doch über ausbleibende Arbeit kann sich der Keeper nicht beschweren.

In jedem Spiel hat er bislang den Luftraum über dem Strafraum sicher kontrolliert, er hielt die leichten Bälle fest und wehrte die schweren ab. Wie gegen den Freiburger Guédé (38. Minute). Dennoch offenbart sich in manchen Szenen, dass er noch Neuling auf erstklassigem Terrain ist. Zum Beispiel, wenn Abschläge misslingen oder er Bälle ins Seitenaus kickt, die erfahrenere Kollegen im Spiel gehalten hätten.

„In der Bundesliga wird für uns keine Normalität einkehren“, sagt Giefer. Wenn sich seine Fortunen nicht weiter auf ihre Grundtugenden Abwehrkraft, Organisation und Laufbereitschaft fokussierten, „würden wir von anderen Mannschaften abgeschlachtet“. Während seine Vorderleute in der Offensive bislang enttäuschten, ist Giefers Begabung und Präsenz auf seiner Position unbestritten. Einige Bundesligaklubs wollten diese vor der Saison für sich nutzbar machen - als etatmäßige Nummer zwei. Darunter auch der FC Bayern, dessen Trainer Heynckes sich in seiner Leverkusener Zeit ein gutes Bild von Giefer gemacht hat.

Düsseldorf statt München: Giefer strebte nach seiner Bankzeit bei Bayer (sechs Bundesligaeinsätze) keinen weiteren Posten als Reservist an. Doch auch bei der Fortuna konnte er sich seiner Bundesligakarriere nicht sicher sein. Die Düsseldorfer offerierten ihm einen fairen Wettstreit um die Nummer eins mit dem österreichischen Nationalkeeper Almer, den er schließlich gewann. Und plötzlich steht er nach vier Spieltagen als der letzte Unbezwungene im deutschen Profifußball da.

Demnächst gegen Schalke und Bayern

Dass Giefer sein starkes Zwischenzeugnis zu Kopf steigen könnte, ist bei dem bodenständigen jungen Torwart mit der Bärenruhe nicht zu erwarten. Schließlich stehen die wahren Proben für die Düsseldorfer Defensivstrategie unmittelbar bevor. In den nächsten beiden Heimspielen stellen sich Schalke und Bayern in der Düsseldorfer Arena vor. „Generell kassiere ich lieber ein Tor und gewinne 2:1, als dass ich die Serie ohne Gegentreffer unbedingt halten möchte“, sagt Giefer. Doch vom Motto „Fortuna forsch“ lässt sich Trainer Norbert Meier beim Abenteuer Bundesliga auch weiter nicht leiten. „Wir müssen die erste Liga erst verinnerlichen“, sagt er.

Die Kritik an der von ihm verordneten Spielweise nach dem dritten 0:0 in Folge lässt Meier kalt. Er ist der Ansicht, dass dies einem Aufsteiger zusteht, der sich durch die Relegation gekämpft, 16 neue Spieler in den Kader eingepflanzt hat und gemeinhin als Absteiger Nummer eins gilt. Zugestanden hat Meier seinem Keeper Giefer auch die Veröffentlichung der Kiefer-Fotos. „Doch wenn er noch andere Körperteile auf Facebook zeigt“, sagt Meier, „dann schreite ich ein.“

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