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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Timo Hildebrand Zurück am Arbeitsplatz

 ·  Timo Hildebrand darf bei Schalke wieder Tore verhindern. Vor dem ersten Ligaspiel in Hannover gibt sich der frühere Nationaltorwart demütig. Wenn nichts dazwischen kommt, spielt er demnächst wieder Champions League.

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© dapd Am Boden? Timo Hildebrand hat sich wieder aufgerappelt

Ein wenig Selbstironie mag auch mitschwingen. Timo Hildebrand trägt das Trikot mit der Nummer 34. Der Torhüter vollendet im Laufe dieser Saison sein vierunddreißigstes Lebensjahr. Aber er fühlt sich wieder als Nummer eins - und seit dem Pokalauftritt in Saarbrücken ist er es auch. Wenn Schalke 04 an diesem Sonntag (Anstoß: 17.30 Uhr) bei Hannover 96 antritt, steht Hildebrand im Tor der Königsblauen.

Angesichts von Mitbewerbern wie Lars Unnerstall und Ralf Fährmann lag die Annahme nahe, dass der erfahrenste und talentierteste unter den drei Torhütern sich durchsetzen würde. Aber Hildebrand musste durch eine harte Schule. Es kommt nicht oft vor, dass ein Verein zu Beginn der Vorbereitung drei Torhütern die gleichen Chancen einräumt. Trainer Huub Stevens und Manager Horst Heldt haben es getan und ihr Vertrauen so oft durch drei geteilt, bis auch der Letzte von der Chancengleichheit überzeugt war. Letztlich hat Hildebrand das Rennen gemacht. „Ein bisschen stolz bin ich schon“, sagt er. „Es war ein weiter Weg.“

Der Höhepunkt als Wendepunkt

Vor allem mit Blick auf seine Vorgeschichte. Es ist die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Mannes, der sich gegen Ende seiner Laufbahn nochmals anschickt aufzusteigen. Hildebrand war oben; vor sechs Jahren nahm er als dritter Torwart an der Fußball-Weltmeisterschaft teil und galt als „Kronprinz“ für die Zeit nach Kahn und Lehmann. Ein Jahr später wurde er mit dem VfB Stuttgart überraschend deutscher Meister.

Aber der Höhepunkt wurde zum Wendepunkt. Nach langem Hin und Her wechselte Hildebrand zum FC Valencia, um sich zu verbessern, vor allem finanziell. Doch in Spanien stieß er auf Widerstände und vermochte sich nicht durchzusetzen. Seine Karriere erlitt einen Knick, der sich später zum Knacks ausweitete.

Unten, aber nicht bereit aufzugeben

Bei weiteren Anläufen in Hoffenheim und Lissabon geriet Hildebrand ins Stolpern. Seine Ansprüche waren höher als die Gegenleistung, die er abrufen konnte oder durfte. Hildebrand hatte sich abermals verspekuliert; wie es heißt, war er nicht immer gut beraten. Der einstige Nationaltorhüter wurde arbeitslos. Vier Monate lang hielt er sich allein mit einem Privattrainer fit. Dann durfte er ein paar Wochen beim damaligen Zweitligaklub Eintracht Frankfurt mittrainieren, ohne Aussicht auf eine Anstellung.

Hildebrand war „froh und glücklich, wieder mit einer Mannschaft Fußball spielen zu können“ - wenn auch außer Konkurrenz. Er war unten, aber noch nicht bereit, seine Karriere aufzugeben. Dann kam das Angebot aus Schalke, zunächst bis Saisonende als Torhüter im Falle eines Falles auszuhelfen. Fährmann hatte sich verletzt, Unnerstall war unerfahren und Schober, der Routinier, mehr guter Geist als guter Torwart.

Wieder in der Pole Position

Hildebrand stellte sich ganz hinten an. Vielleicht ist in diesen Wochen und Monaten eine Wandlung in ihm vorgegangen. Er zeigte sich bescheiden, spielte mit der U 23 des FC Schalke in der vierten Liga und ließ es über sich ergehen, die Bundesliga nur vom Fernsehen oder von der Tribüne aus zu verfolgen.

„Ich bin mit viel Demut bei der Sache. Die Torwartposition ist eine spezielle, und man muss in einer Situation wie der, in der ich war, einfach warten können und geduldig sein“, sagte er. Mit Blick auf die Monate ohne Anstellung sei er „froh, noch eine Chance bei einem so großen Verein wie Schalke bekommen zu haben“. Im vergangenen Herbst war diese Chance noch klein. Unnerstall spielte, bis er sich verletzte, Hildebrand ersetzte ihn und verletzte sich auch. Jetzt ist er wieder in der Pole Position. Dank guter Leistungen in der Vorbereitung, dank der Erfahrung von 265 Bundesliga-, 57 Europacup- und 7 Länderspielen.

Stevens hält sich bedeckt

Hildebrand hat nicht nur gelernt, seine Stärken zwischen den Pfosten wieder zu mobilisieren. Auch sein Auftreten hat sich geändert. Er ist immer noch selbstbewusst, aber auf eine andere Art als früher. Als der Dreikampf begann, hat er durchaus zu erkennen gegeben, dass er seinen Vertag nicht bis 2014 verlängert habe, um anderen bei der Arbeit zuzuschauen.

Manche Leute finden, Hildebrand sei geläutert, andere vermuten, er habe sich vielleicht verstellt, um noch einmal groß rauszukommen. Wenn nicht irgendetwas dazwischenkommt, wird er demnächst in der Champions League spielen. Doch Stevens hält sich bei seinem Torwartspiel bedeckt. Der Trainer meidet eine offizielle Kür. Lieber wirft er Nebelkerzen, lädt die Reporter ein zu spekulieren und amüsiert sich darüber. Stevens spricht von einer „Momentaufnahme“ und verkündet, in Hannover werde wieder ein Torwart zwischen den Pfosten stehen. Es wird der Blonde mit dem Stirnband sein.

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