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Timo Hildebrand Seine letzte Chance

22.10.2011 ·  Für Timo Hildebrand endet die Einsamkeit. Der Torhüter ist nicht mehr arbeitslos, sondern Angestellter von Schalke 04. Allerdings nur auf Zeit. Die Frage ist: Wie gut ist er überhaupt noch?

Von Christian Kamp
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Wenn er in den letzten vier Wochen mal beim Training fehlte, war das für Timo Hildebrand immer auch eine unangenehme Erinnerung: daran, dass er einfach nicht dazugehörte. Mit Armin Veh, dem Frankfurter Trainer, war zwar verabredet, dass er sich bis auf weiteres bei der Eintracht fithalten könne - nur eben nicht beim Abschlusstraining.

Wenn es ernst wurde, war Hildebrand, der frühere Nationaltorwart, ein Ausgeschlossener. Der auch dann untätig zu Hause sitzen musste, wenn die Kollegen das taten, was den Reiz des Berufs ausmacht: vor Zehntausenden Zuschauern im Stadion Fußball zu spielen.

Als Hildebrand am Donnerstagnachmittag nicht zur Übungseinheit erschien, war alles anders. Es war gar kein Abschlusstraining. Und auch wenn Hildebrand private Gründe für sein Fehlen angab, lag die Vermutung nahe, dass er unterwegs nach Gelsenkirchen war - und damit auf bestem Weg, endlich wieder dazuzugehören.

Seit Freitag nun steht fest: Hildebrand ist nicht mehr arbeitslos, sondern Angestellter des FC Schalke 04. Auf Zeit zwar nur, sein Vertrag läuft bis zum Ende der Saison. Aber für Hildebrand ging es um etwas anderes: um die vielleicht letzte Chance, überhaupt noch einmal im großen Fußball Fuß zu fassen.

Schalke, hatte Hildebrand in den Tagen vor dem Vollzug gesagt, wäre „sensationell“. In jedem Fall ist es eine doppelt besondere Fügung: Dass es mit diesem Klub doch noch klappte. Und dass es gerade jetzt klappte. Schon vor dieser Saison durfte er die Hoffnung haben, bei den Königsblauen anzuheuern: als ein erfahrener Mann als Nachfolger für Manuel Neuer gesucht wurde.

Doch dann wurde Ralf Rangnick Trainer, und zu dem war das Verhältnis aus Hoffenheimer Tagen belastet. Hätte Rangnick sich nicht wegen Erschöpfung zurückgezogen - die Wahl, wer nun den verletzten Ralf Fährmann ersetzt, wäre womöglich auf einen anderen gefallen.

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© dpa Endlich wieder Arbeit: Hildebrand mit Schalkes Trowarttrainer Bernd Dreher

Der Zeitpunkt ist ein spezieller, weil der Name Hildebrand zuletzt noch aus einem ganz anderen Grund in aller Munde war. Und zwar immer dann, wenn es um den Bundesliga-Rekord ging, den Neuer derzeit im Tor des FC Bayern jagt. Lange war mehr oder minder vergessen, dass es ja Hildebrand ist, der bis heute die längste Serie ohne Gegentor geschafft hat: 884 Minuten in den Jahren 2003 und 2004 mit dem VfB Stuttgart.

Und wenn man dazu noch die sieben Länderspiele nimmt, die er absolviert hat, und den Meistertitel, den er 2007 mit dem VfB gewann, wird einem erst so richtig deutlich, wie viel eigentlich schiefgegangen ist in der Karriere des heute Zweiunddreißigjährigen.

Von ganz oben nach ganz unten, in die Arbeitslosigkeit, in nur vier Jahren - das war das Ergebnis aus schwankenden Leistungen und ungeschicktem Auftreten, aus schlechter Beratung (im Poker mit Stuttgart), schwierigen Umständen (in Valencia) und auch Verletzungspech (in Hoffenheim). In Lissabon, wo Hildebrand im vergangenen Sommer bei Sporting eine Chance witterte, stimmte dann gar nichts mehr.

Überhaupt mal mit einer Mannschaft trainieren

Ohne Aussicht auf einen Einsatz kam er sich wie ein Fremdkörper vor. Die schweren Jahre, sagt er heute, hätten ihn gelehrt, „mit einer gewissen Demut an den Beruf ranzugehen“.

Und das bedeutete, sich zur Not eben auch als Aushilfe bei einem Zweitligaklub zwischen die Pfosten zu stellen. Die Rolle als Trainingsgast bei der Eintracht hatte er der alten Stuttgarter Verbindung zu Veh, dem Meistertrainer von 2007, zu verdanken. Frankfurt, das passte insofern gut, als Hildebrands Elternhaus nur eine Autostunde entfernt liegt. Vor allem aber war er überhaupt „froh, wieder mit einer Mannschaft zu trainieren“.

Zuvor hatte er vier Monate mehr oder weniger für sich allein, mit einem privaten Torwarttrainer, geschuftet. Einsamer kann sich ein Torwart nicht fühlen. Kein Wunder, dass er sagt, dass die Rückkehr in eine Gruppe „vor allem für den Kopf gutgetan“ habe.

Immerhin: Angebote kamen

Zugleich aber musste er in Gedanken immer auch ganz woanders sein - bei einem möglichen neuen Arbeitgeber. Denn dass die Eintracht ihn nicht verpflichten wollte, war ihm gleich signalisiert worden. Immerhin: Angebote kamen, wenn auch nicht im Übermaß. Es sei ihm „klar, dass ich nicht in der guten Lage bin, aus zehn Vereinen einen aussuchen zu können“, sagte er. Vor allem aber wusste er, was er nach der bitteren Zeit in Lissabon nicht noch einmal wollte: ein großes Risiko, womöglich im Ausland. Es müsse eine Entscheidung sein, die „aus dem Bauch heraus“ komme, mit der er sich „gut fühle“.

Nun also Schalke. Nicht nur eine Chance, sondern eine „Riesenchance“, wie er sagt. Die Frage ist nur, wie gut Hildebrand überhaupt noch ist. In Frankfurt hat er die Beobachter nicht überzeugen können. Es sei ihm anzumerken, dass ihm die Spielpraxis fehle, hieß es. Und auch in Gelsenkirchen ist noch nicht klar, welchen Rang ihm Huub Stevens in der Torhüter-Hierarchie mit dem jungen Lars Unnerstall und dem erfahrenen Mathias Schober zuweisen wird.

An diesem Sonntag, in Leverkusen, ist Hildebrand noch nicht spielberechtigt. Aber auch so will er bei seinem neuen Klub „jeden einzelnen Tag genießen“. Der Grund ist ganz einfach: Er gehört endlich wieder dazu.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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