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Timo Hildebrand „Das ist schon ein richtig guter Torhüter“

14.05.2007 ·  Derartige Ausbrüche kannte man bisher nur von Oliver Kahn. Martialisch und entfesselt brüllte sich Timo Hildebrand nach seiner Rettungstat in Bochum kurz vor Schluss den Druck von der Seele. Die simple Erklärung des Stuttgarter Torhüters: „Da musste halt was raus.“

Von Oliver Trust, Bochum
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Mario Gomez stand im Kabinengang, ein paar Meter entfernt vom ihm, und nannte ihn anerkennend einen „Teufelskerl, dem wir es zu verdanken haben, dass wir da oben stehen“. Timo Hildebrand selbst hatte leise gesprochen wie immer, aber er lächelte dazu. Im Hintergrund liefen die Bilder dieser unglaublich anmutenden Parade, als er in der 86. Minute wie ein Handballtorwart in den Schuss von Christoph Dabrowski gesprungen war und den quasi letzten Bochumer Versuch, ihm und den Stuttgartern die Tabellenführung zu vereiteln, aus zwei Meter Entfernung mit der Brust abwehrte (Siehe auch: 3:2 in Bochum: Cacau und Gomez lassen Stuttgart feiern).

Als er schließlich ins Freie trat, um die Stufen zum Mannschaftsbus hinaufzusteigen, kreischten die Anhänger enthusiastisch seinen Namen. Er winkte kurz und lächelte wieder. Auch in diesem Moment wurde offenbar, welchen Schritt der 28 Jahre alte Hildebrand in den letzten Monaten getan hatte. Nie schien er so wertvoll wie heute, und nie schien er so locker, gelöst, ja fast mit sich und der Welt im Reinen.

„Da musste halt was raus“

Und mancher schließlich sah im deutschen Fußball den Stern eines neuen Oliver Kahn aufgehen. Martialisch und entfesselt brüllte sich Hildebrand nach seiner Rettungstat sekundenlang den Druck von der Seele. Derartige Brüllorgien hatte man bisher nur vom Münchner Titanen erlebt. „Da musste halt was raus“, sagte er, während Gomez die künftige Rangfolge der Nationaltorhüter in Abwesenheit des Bundestrainers Joachim Löw regelte: „Da wird immer über die künftige Nummer eins geredet und wer das werden sollte, da gibt es doch wohl keinen Zweifel, wer das ist.“

Er meinte natürlich Hildebrand, bei der WM 2006 noch dritter und beschäftigungsloser Torwart und nun ausreisewilliger schwäbischer Profi. Der letzte Vertreter der „Jungen Wilden“ unter Trainer Felix Magath wird in wenigen Wochen gehen. Ins Ausland, das steht fest. Der neue Arbeitgeber wohl auch, nur macht er ein Geheimnis daraus, wer das sein wird. Der FC Valencia steht in der Gerüchterangliste immer noch an der Spitze.

Schwankende Leistungen nach der WM

Mancher will in den vielen Glücksmomenten, die Hildebrand auf seiner Abschiedstour erlebt, einen Schuss Bitterkeit erkennen, was aber, objektiv betrachtet, nicht nachzuweisen ist. Es ist schließlich nachvollziehbar, dass einer, der nach zwölf Jahren einen Verein verlässt, der ihm lange ein warmes Nest war, melancholische Gedanken äußert. Vor allem am Ende einer Saison, die sich wie eine Berg-und-Tal-Fahrt anfühlte, bevor es auf der Zielgeraden nur noch steil bergauf ging.

Nach der Weltmeisterschaft, die er im Schatten der Konkurrenten Kahn und Jens Lehmann erlebte, schwankte seine Leistungskurve wie der Kurs einer höchst unsicheren Währung. Als im Januar feststand, dass er am Ende eines Verhandlungsmarathons das neue VfB-Angebot nicht annehmen würde, dass die Anhängerschaft zwar enttäuscht war, ihn aber nicht zum Sündenbock stempelte, da fand der persönliche „Turnaround“ des Timo Hildebrand statt. Der Erfolg der Mannschaft half ihm dabei, und er verhalf der Mannschaft zum Erfolg.

Neue Aufgabe, neue Motivation

Im Stuttgarter Westen saß er neulich in der Gaststätte „Meisters“ und empfing Journalisten, um über seinen Abschied zu sprechen. „Es ist schwer, wegzugehen“, sagte er. „Ich bin ein emotionaler Mensch und sensibel. Ich bin als Sechzehnjähriger gekommen, ich habe mich hier als Mensch entwickelt. Stuttgart ist meine zweite Heimat, das wird eine emotionale Kiste“, sagte er. Er sprach über den „Kloß im Hals“, den er schon fühlen könne.

Da saß ein Sportler, der sich öffnete. Er freue sich auf die neue Aufgabe, sie liefere ihm neue Motivation. Auch im Rennen um einen Platz im Nationalteam. Dass er auch das schaffen kann, davon ist nicht nur Gomez überzeugt. „Er hat eine gute Entwicklung hinter sich“, sagte sein Trainer Armin Veh, um dann festzustellen: „Das ist schon ein richtig guter Torhüter.“

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