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Borussia Dortmund : Der Feind im eigenen Haus

Sprachlos und nichts von echter Lieber: Das eineinhalb Jahre alte Bild von Watzke (links) und Tuchel illustriert die Distanz der beiden seit Wochen. Bild: Imago

Die Geschichte einer Scheidung um Geschäftsführer Watzke und Trainer Tuchel gefährdet den größten Erfolg von Borussia Dortmund seit fünf Jahren. Dabei geht es nur noch um eines.

          Die Kanzlei von Olaf Meinking liegt im Herzen Hamburgs, nahe der Außenalster, dort, wo das Geld wohnt und im Mai weißer Rhododendron vor rausgeputzten Gründerzeithäusern blüht. In das Büro im zweiten Stock gelangt man über eine alte, ausladende Holztreppe. An den Wänden hängen goldene Schallplatten und Bilder von Clueso, Udo Lindenberg und Fettes Brot. Neben dem Sofa ist eine Gitarre wie eine Skulptur plaziert. Die Musik, die Kunst nehmen den gesamten Raum ein. Neben seinem Schreibtisch hat der Anwalt eine Aufnahme von Andreas Gursky gerahmt, dessen Bilder wie das ikonische Diptychon „99 Cent“ ein Vermögen kosten.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es ist das Gursky-Bild von der gelben Wand, der legendären Fantribüne von Borussia Dortmund. Eine Reproduktion, nicht das etwa zwei auf drei Meter große, sündhaft teure Originalkunstwerk „Dortmund“. Gleichwohl ist das reale Dortmund, das Dortmund der Pöhler, der Abgehängten, des abgefuckten Nordens der Stadt, in dieser hanseatischen Kanzlei so fern wie ein anderer Planet. Als Meinking vor zwei, drei Jahren erstmals mit Dortmund und Fußball als Berater von Thomas Tuchel beruflich in Kontakt kam, näherte er sich dieser Welt mit dem Blick eines Ethnologen. Er fragte sich: Wie sind hier die Regeln? Was ist hier wichtig? Wie funktioniert hier Kommunikation?

          Meinking staunte – und wunderte sich. Seit drei Wochen ist er nun mittendrin in dieser fernen Welt, ein Spielball im Sturm der Eitelkeiten und Egos. Meinking fragt sich nur noch, wie sein Mandant Tuchel und er da halbwegs heil wieder herauskommen.

          Nach Lage der Dinge steht Tuchel an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) vor seinem letzten Heimspiel als Trainer der Borussia. Sein Vertrag gilt zwar noch für die kommende Saison, aber die Namen seiner möglichen Nachfolger werden schon gehandelt. Der Klub dementiert nicht einmal Verhandlungen. Wie konnte es so weit kommen, dass die gemeinsamen Interessen von Hans-Joachim Watzke und Tuchel zu schwach wurden für einen gemeinsamen Weg und die beiden jetzt nur noch für ein paar Tage zusammenbinden? Klar ist längst: Zwischen dem BVB-Geschäftsführer und dem BVB-Trainer hat sich vor den Augen der Öffentlichkeit die Geschichte einer Entfremdung abgespielt. Die Schwächen von Tuchel werden dabei ausgiebig erörtert. Hinter den Scheidungsszenen steckt aber zugleich eine Führungsschwäche, die mit Watzkes Amtsverständnis zu tun hat, über die in Dortmund jedoch nicht gesprochen wird, obwohl sie die Lage bei der Borussia eskalieren ließ.

          Borussia Dortmund wie „House of Cards“?

          Der Eindruck, dass der Unwille oder die Unfähigkeit der Führung, Konflikte mit dem Trainer direkt auszutragen, die Lage beim BVB zuspitzte, drängt sich seit Wochen auf. Und auch der Verdacht, dass von der BVB-Führung deswegen immer wieder andere Menschen instrumentalisiert werden, um diesen Mangel an Mumm auf billige Weise auszugleichen. Anwalt Meinking fühlt sich dieser Tage mitunter an Szenen aus „House of Cards“ erinnert, der Fernsehserie über durchtriebene und machthungrige Politiker. Und selbst Matthias Sammer, der frühere Dortmunder Kapitän und Trainer, sprach in dieser Woche von der „fatalen Wirkung“, die sein ehemaliger Klub derzeit erzeuge. Die Verantwortlichen beim BVB könnten selbstverständlich unterschiedlicher Meinung sein, aber es sei der vollkommen falsche Ansatz, wenn man glaube, „die Probleme über die Öffentlichkeit lösen zu können“. Weiter in die Tiefe ging Sammer nicht, aber er sagte, was beim BVB geschehe, mache ihn traurig.

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