24.06.2007 · Der umstrittene Spielerberater Klaus Gerster im Interview über den geplatzten Wechsel des Frankfurters Albert Streit zu Schalke 04, die Denkweise der Profis und die Bedeutung von Beratern im Fußballgeschäft.
Der umstrittene Spielerberater Klaus Gerster im Interview über den geplatzten Wechsel des Frankfurters Albert Streit zu Schalke 04, die Denkweise der Profis und die Bedeutung von Beratern im Fußballgeschäft.
Herr Gerster, haben Sie Albert Streit schlecht beraten?
Bei was?
Streit hat in der Öffentlichkeit trotz bestehenden Vertrags in Frankfurt seinen Wechsel zu Schalke 04 vorangetrieben, der jetzt aber offenbar nicht zustande kommt.
Der Spieler hatte eine Anfrage von Schalke 04. Der Klub ist Champions-League-Teilnehmer. Albert kann sich sportlich und wirtschaftlich verbessern. Es war sein Wunsch, dort hinzugehen. Was ist daran schlechte Beratung?
Jetzt spielt Streit wohl weiter bei der Eintracht, wo er doch den Verein verlassen wollte.
Wenn Sie 360 Bundesligaspieler fragen, würden von denen gerne 300 bei Bayern München spielen. So gesehen spielen sie alle bei Vereinen, wo sie nicht spielen möchten. Der Spieler Streit ist ehrlich und offen mit der Möglichkeit des Wechsels umgegangen. Er spielt dort, wo er einen Vertrag hat.
Aber die Situation ist doch unbefriedigend für Streit, oder?
Wenn der Wunsch, den der Spieler hat, nicht in Erfüllung gegangen ist, ist er mit Sicherheit nicht erfreut. Aber er ist Profifußballer und muss sich ganz auf die alte Aufgabe konzentrieren.
Sie sagen, die Verhandlungen zwischen der Eintracht und Schalke seien eingestellt. Spielt Streit demnach definitiv in der kommenden Saison in Frankfurt?
Wenn die Vereine sich nicht einigen, ja. Stand heute ist der Transfer gescheitert.
Es heißt aber, Sie böten den Spieler jetzt anderen Klubs an.
Das ist Unsinn. Albert Streit hatte wegen seiner Klasse andere Angebote vorliegen. Er hat sich für Schalke entschieden. Es gibt nur die Eintracht oder Schalke.
Nach der kommenden Saison kann Streit mit der festgeschriebenen Ablösesumme in Höhe von einer Million Euro die Eintracht verlassen. Wechselt er dann zu Schalke?
Streit wird zum Trainingsauftakt am 2. Juli bei der Eintracht trainieren. Alles andere wird man sehen.
Streit hat gesagt, dass ein Grund für seinen Wechselwunsch sei, mehr Geld verdienen zu können. Hat er dafür eine Rüge von Ihnen bekommen?
Nein.
Ist das Verhalten des Spielers auch Ausdruck der Denkweise seines Beraters?
Jeder Spieler ist seine eigene Persönlichkeit. Und jeder geht mit gewissen Situationen anders um. Für den Berater ist wichtig, dass er versucht, diese professionelle Denkweise, die der Profifußball mit sich bringt, dem Spieler klarzumachen.
Waren Sie mal kurz davor, sich von Streit zu trennen?
Auf keinen Fall. Albert ist ein emotionaler Typ, der in seiner Körpersprache seine Gefühle zeigt. Er ist total ehrlich und geradlinig mit der Sache umgegangen.
Ist es Ihr Anspruch, cleverer als die anderen zu sein?
Mein Anspruch ist, bei den Spielern als uneingeschränkte Vertrauensperson anerkannt zu sein. Ich habe keinen Vertrag mit den Spielern. Alles ist per Handschlag geregelt.
Wie denken Sie über einen Vereinsmanager, der sich mit Ihnen nicht mehr an einen Tisch setzen will?
Im ganzen Profibereich, in der ersten, zweiten und dritten Liga, gibt es davon keinen. Und ich denke, es gibt wenige Spielerberater, wo dies der Fall ist.
Welche Kritik an Klaus Gerster trifft zu?
Dass ich mich in manchen Situationen bis an den Rand der Belastbarkeit für die Spieler einsetze und mich nicht zu Lasten von Spielern mit den Vereinen arrangiere.
Denken Sie bei den Verhandlungen auch mal an das Interesse des Vereins?
Ich denke in erster Linie ausschließlich an das Interesse des Spielers. Es gibt aber Situationen, in denen ich dem Spieler klarmachen muss, dass gewisse Dinge für den Verein nicht zumutbar sind.
Bei den Offenbacher Kickers werden sieben Profis von Ihnen und Ihrem Partner beraten. Würden Sie Markus Kreuz und Marco Reich, die miteinander befreundet sind, noch mal in die gleiche Mannschaft stecken?
Nein. Weil der Verein und die Spieler unnötigen Belastungen ausgesetzt sind. Der Verein und die beiden Spieler leiden unter der Situation und werden dadurch nicht mehr gerecht beurteilt.
Werden Kreuz und Reich weiter bei den Kickers spielen?
Beide sind bereit, den Verein zu wechseln, wenn dementsprechende Alternativen da sind.
Und?
Dann wären Sie nicht mehr da.
Wie sehr mussten Sie beiden die Leviten lesen?
Ich habe selbstverständlich ernsthafte Gespräche mit ihnen geführt. Es ist auch mein Interesse, dass die Spieler die Leistung bringen, die der Verein von ihnen erwartet. Reich hat am Anfang vielleicht die Leistungsstärke der zweiten Liga unterschätzt und ist zu locker mit der Situation in Offenbach umgegangen.
Wie problematisch ist es, wenn in einer Mannschaft viele Spieler den gleichen Berater haben?
Das ist überhaupt kein Problem. Die Position des Beraters wird völlig überschätzt.
Der 50 Jahre alte Klaus Gerster lenkt als Spielerberater zusammen mit seinem Partner Paul Koutsoliakos die Vertragsverhandlungen von 43 Fußballprofis. In den achtziger Jahren wurde Gerster als Manager der Erstligaklubs Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt sowie als Berater des früheren Nationalspielers Andreas Möller bekannt.
Eintracht selbst schuld
Markus Schulze (leser-faz)
- 25.06.2007, 12:07 Uhr