http://www.faz.net/-gtm-776c5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.02.2013, 16:31 Uhr

Spielerausbildung beim Sport-Club Freiburg macht Schule

Im Nachwuchszentrum des Sportclubs wird Fußball gelehrt, aber auch Teamfähigkeit und Sozialkompetenz. Die besten Talente holt Trainer Streich in sein Bundesligateam, das an diesem Dienstag im Pokalviertelfinale auf Mainz trifft (19.00 Uhr).

von , Freiburg
© Michael Heuberger Freiburger Jugendbewegung: „Wir haben zu unserer Philosophie zurückgefunden“

Es gibt Käsnudeln mit Salat. Wasser. Jugendspieler, Trainer und Betreuer der Freiburger Fußballschule treffen sich zum Mittagessen. Auch Jochen Saier sitzt am Tisch, der Leiter des Nachwuchszentrums. Es ist eine öffentliche Gaststätte im Bauch des alten Möslestadions, die Tür geht auf, und Pater Roman kommt herein, in Soutane, er ist Pfarrer nebenan in Stegen und General des Paulinerordens. Der Pole ist glühender Fan des SC Freiburg und seiner Jugendarbeit. Sein Neffe Daniel ist 2008 mit der Freiburger A-Jugend deutscher Meister geworden. Heute spielt er beim polnischen Spitzenklub Wisla Krakau.

Michael Eder Folgen:

Pater Roman hat Jochen Saier polnische Michaszki-Kekse mitgebracht, „sehr, sehr gut“, und eine gute Nachricht hat er auch. Zum Spiel am Abend gegen Frankfurt, das 0:0 endete, könne er nun doch ins Stadion kommen. Er habe dafür extra ein Taufgespräch verschoben und eine Beerdigung auf den Vormittag verlegt. Pater Roman ist so etwas wie der gute Geist des Freiburger Fußballs, er betet viel für den Verein, aber selbst ihm ist der aktuelle Erfolg, dieser fünfte Platz in der Bundesliga, nicht ganz geheuer. „Vielleicht sollte ich ein bisschen weniger beten“, sagt er, „wohin soll das sonst noch führen?“

Mehr zum Thema

Zwei Kilometer Luftlinie entfernt sitzt Sportclub-Trainer Christian Streich in einem winzigen, überfüllten Raum und hält Pressekonferenz. Es ist wie immer ein Ereignis, weil da nicht nur das Pokalspiel an diesem Dienstag gegen Mainz (19 Uhr live im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) besprochen wird, sondern auch Fragen des Fußballs und des Lebens - in einer Art und Weise, an der auch ein erfahrener Prediger wie Pater Roman seine Freude hätte.

Christian Streich hat das Profiteam des SC Freiburg vor etwas mehr als einem Jahr übernommen. Zuvor hatte er drüben im Möslestadion viele Jahre mit dem Nachwuchs gearbeitet. Es war eine aussichtslose Mission damals mit 13 Punkten nach der Vorrunde. Streich aber rettete die Mannschaft vor dem Abstieg und führte sie in der neuen Saison bis auf Platz fünf in der Tabelle, an die Grenze zum europäischen Wettbewerb. Er hat den Talenten aus dem Jugendzentrum eine Chance gegeben, zehn stehen heute im Profikader, fünf bis sechs spielen regelmäßig von Anfang an. Durch Streich brennt die Freiburger Fußball-Liebe wieder auf höchster Flamme. Eine „Euphorie“ hat Vereinspräsident Fritz Keller in der Stadt ausgemacht, querbeet durch alle Schichten. „Wir haben zu unserer Philosophie zurückgefunden“, sagt er. „Was in diesem Jahr passiert ist, hat der größte Optimist nicht erwarten können.“

Fragen nach der Europa League gefallen ihm nicht

Auf der Pressekonferenz muss Streich Fragen beantworten, die ihm nicht gefallen. Fragen nach Europa zum Beispiel. Geht es nun ums internationale Geschäft? „Ich denke über so ein Zeugs nicht nach“, sagt er. Warum? „Weil es mich verwirrt.“ Keine Träume? „Träume bringen nichts. Du wachst danach auf und liegst auf der Nase, das ist unangenehm.“ Nur das noch zur möglichen Qualifikation fürs internationale Geschäft: „Wenn wir nach Europa kämen, hätten wir ein Riesenproblem.“ Kaderzusammenstellung, Reisen, Terminflut, Mehrfachbelastung - zweimal haben sie das in ihrer Vereinsgeschichte schon erlebt, zweimal sind sie danach abgestiegen. Vorsicht also vor Europa! „Ein einstelliger Tabellenplatz am Ende der Saison wäre ein sehr, sehr gutes Ergebnis für uns“, sagt Präsident Keller. „Wir müssen auf dem Boden bleiben.“

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Slowakeis Rekordspieler Karhan Wir haben schon mal einen Weltmeister rausgeworfen

Der Slowake Karhan kennt den deutschen Fußball aus zehn Jahren Bundesliga. Im Interview spricht er über die Außenseiterchance seiner Landsmänner und fordert die Anerkennung des EM-Titels von 1976 für sein Land. Mehr Von Daniel Meuren

25.06.2016, 12:50 Uhr | Sport
Nach Hooligan-Krawallen Russlands Fan-Anführer will zurück zur EM

Der gerade erst aus Frankreich ausgewiesene nationalistische russische Fan-Anführer Alexander Schprygin hat seine Rückkehr zu einem Spiel der Fußball-EM angekündigt. Ich bin ein Fan. Das Spiel in Toulouse ist entscheidend. Ich würde es wirklich gerne im Stadion sehen, wir haben auch alles gebucht. Ich will hinreisen, sagte der Russe am Samstagabend am Moskauer Flughafen. Mehr

19.06.2016, 13:01 Uhr | Sport
Doping im Fußball Die wollen doch nur spielen

In fast allen Sportarten wird gedopt. Nur beim Fußball angeblich nicht. Weil das nichts bringt, heißt es. Aber das ist ein einziges Märchen. Mehr Von Andreas Frey und Michael Brendler

17.06.2016, 10:18 Uhr | Wissen
EM in der Philharmonie Eine Fußball-Symphonie

Orchestermusik und Fußball. Passt nicht? Passt schon! Der französische Dirigent Xavier Delette vertont gemeinsam mit seinem Orchester EM-Spiele in der Pariser Philharmonie – diesmal die Begegnung Spanien-Kroatien - eine Fußball-Symphonie, die dramatischer nicht sein könnte. Mehr

23.06.2016, 13:14 Uhr | Gesellschaft
FSV Frankfurt Als Kämpfer bin ich in der dritten Liga richtig

Nach langer Zeit kehrt Patrick Ochs als Fußball-Profi zurück. Im Interview spricht er über seine alten Sympathien für den FSV Frankfurt und seinen neuen Anlauf im Profi-Sport. Mehr Von Jörg Daniels

22.06.2016, 06:06 Uhr | Rhein-Main