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Sirius und die DFL Ende einer lukrativen Liaison

26.09.2008 ·  Der Milliarden-Vertrag zwischen der DFL und der Kirch-Agentur Sirius ist geplatzt. Der Liga-Verband wird die Bundesliga-Rechte nun selbst ausschreiben - obwohl nach Informationen der F.A.Z. noch ein potentieller Mitspieler auf den Plan trat.

Von Roland Zorn
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Die Liaison war am Ende nicht mehr als ein Versprechen, das beide Partner nicht halten konnten, weil ein Dritter im Bunde nicht mitspielen wollte. Seitdem das Bundeskartellamt im Juli zum Thema Fußball und Fernsehrechtevergabe sein Diktum verkündet und sich darauf festgelegt hat, dass die Erstausstrahlung der Bundesliga-Zusammenfassungen im frei zu empfangenden Fernsehen samstags vor 20 Uhr gesendet werden müsse, zeichnete sich die Auflösung des vor knapp einem Jahr geschlossenen Vertrags zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der Agentur Sirius, einer Firma des Medienunternehmers Leo Kirch, ab.

Mochte auch die Begründung der Bonner Behörde, dass der an die ARD-“Sportschau“ zwischen 18 und 20 Uhr gewöhnte Konsument nur auf diese Weise angemessen an den Segnungen der zentral vermarkteten Rechte teilhabe, für manchen befremdlich klingen, so schuf das Kartellamt mit seinem Vor-Urteil auch ohne förmlichen Beschluss nicht mehr zu ignorierende Tatsachen. Daraus hat der Ligavorstand bei seiner Frankfurter Sitzung am Donnerstag Konsequenzen gezogen, die vorher schon zwischen der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga und Sirius ausgehandelt waren: Der Vertrag wurde aufgelöst, die DFL wird nun wie schon vor drei Jahren die Rechte selbst ausschreiben und vorerst auf rechtliche Schritte gegen das Kartellamt verzichten.

Einen eigenen Ligasender wird es nicht geben

Aus dem Deal von 2009 bis 2015 mit den von Kirch jährlich garantierten Einnahmen von 500 Millionen Euro im Schnitt wird also nichts mehr, und einen eigenen Ligasender, der dazu geplant war, wird es auch nicht geben. Woran sich die Liga ab sofort orientieren muss, ist die Kennziffer 409. Die Summe von 409 Millionen Euro wird derzeit mit der Inlandsvermarktung der Bundesliga-Rechte eingespielt.

Sie für die Zeit vom 1. Juli 2009 bis 30. Juni 2012 aufs Neue zu erreichen, dürfte das primäre Ziel der DFL-Marktstrategen sein. Kleinere Abweichungen würden die 36 Klubs und Kapitalgesellschaften aus der Ersten und Zweiten Bundesliga wohl auch billigend in Kauf nehmen. Sie hatten ja Zeit genug, ihre Enttäuschung nach dem folgenschweren Votum des Kartellamts zu verarbeiten.

Sportfive wollte von 2009 bis 2015 vermarkten

Am Tag vor der Liga-Vorstandssitzung trat überraschend noch ein potentieller Mitspieler auf den Plan: die Hamburger Sportrechteagentur Sportfive, die zu dem französischen Mischkonzern Lagardère gehört. Sportfive bot der Liga nach Informationen dieser Zeitung an, die zu vergebenden Fernsehrechte von 2009 bis 2015 komplett zu vermarkten.

Das Gebot soll bei 420 Millionen Euro für die Saison 2009/2010 plus moderaten Steigerungsraten für die Zeit danach gelegen haben und damit knapp oberhalb der 409 Millionen Euro, die die Bundesliga derzeit aus ihren Inlandsrechten erlöst. Nach vierstündiger Beratung legte sich der Ligavorstand jedoch darauf fest, Christian Seifert, den Vorsitzenden der DFL-Geschäftsführung, und seine Frankfurter Mitstreiter mit dem Verkauf der Rechte über einen Dreijahreszeitraum zu beauftragen.

Premiere dürfte der erste Partner der Liga bleiben

Viel Zeit, aus eigener Kraft neue Fakten zu schaffen, hat die Liga nun nicht mehr. Schließlich müssen sich die Vereine im März, wenn sie ihre Lizenzierungsunterlagen einreichen, ein konkretes Bild über Soll und Haben machen können. An diesem Freitag soll die Rechteausschreibung angekündigt werden. Die eigentliche Auktion beginnt rund vier Wochen später. Im Dezember, spätestens im Januar, soll dann feststehen, wer die neuen oder vermutlich altbekannten Partner der Liga für die kommenden drei Jahre sein werden.

Es ist kein Geheimnis, dass der Premiumfinanzierer Premiere, in der Nachfolge des untergegangenen Pay-TV-Anbieters Arena mit 205 Millionen Euro jährlich dabei, auch in Zukunft der erste Partner der Fußball-Bundesliga bleiben dürfte. Dass die ARD, die für ihr Bundesligasenderecht bislang 97 Millionen Euro per annum zahlte, mit der „Sportschau“ am Samstag weiter auf Ballhöhe bleibt, darf ebenfalls gefahrlos vermutet werden.

„Wir stehen ein bisschen mit dem Rücken zur Wand“

Ob der Monopolist Premiere auch ohne einen signifikanten Zuwachs an Exklusivität in puncto Sendezeit zu den alten Konditionen alle Spiele, alle Tore zeigen will, ist die spannende Frage; sie richtet sich auch an die ARD, der die Kartellwächter im Sinne des Verbraucherschutzes, auch ohne die „Sportschau“ beim Namen zu nennen, fast schon einen politischen Gemeinwohlauftrag erteilt hat.

Dennoch sind sich die Ligabosse darüber im Klaren, in ihrer jetzigen Situation auch „ein bisschen mit dem Rücken zur Wand zu stehen“. Auch deshalb werden weitere Einnahmemöglichkeiten in nächster Zeit konkret besprochen oder angepackt werden: die Einführung eines gemeinsamen Ligaballs gehört dazu wie die Diskussion über einen Ligasponsor, die eventuelle Verankerung eines Ligapokalwettbewerbs oder die mehrheitliche Beteiligung von Investoren.

Schwierige Zeiten sind immer auch gute Zeiten

Dazu kommt, dass immer mehr Klubs eine - frühestens von 2010 an realisierbare - Aufstockung der Bundesligen von 18 auf 20 Klubs befürworten. „Wir brauchen eine 360-Grad-Diskussion“, hat Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, vor kurzem gesagt. „Wo stehen wir als Wettbewerber, wie stark ist die Marke Bundesliga?“

Schwierige Zeiten sind immer auch gute Zeiten, aus Ideen zügig umgesetzte Taten werden zu lassen. Wie dann in drei Jahren der Markt und die Fernsehlandschaft aussehen werden, wer weiß das schon angesichts der rasanten Entwicklungen auf diesem Spielfeld? Vielleicht, mag mancher hoffen, ist bis dahin sogar das Kartellamt zu anderen Einsichten gekommen. Nichts ist unmöglich, im Fußball sowieso nicht.

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