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Señor Raúl Schalker Sorgen-Fall

 ·  Altstar Raúl steckt vor dem Spiel an diesem Sonntag (15.30 Uhr) gegen Magaths Wolfsburger in einer Formkrise. Die Vereinsbosse wollen ihn dennoch halten - aber ist das überhaupt sinnvoll?

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© dpa So würden die Schalker Fans Raúl gerne noch länger sehen

Als Raúl vom Spielfeld getrottet war, gab Trainer Huub Stevens ihm einen Klaps, als wollte er sagen: Danke, dass du es trotzdem versucht hast. Der spanische Stürmerstar hatte gerade eines der schwächsten Spiele gemacht, seit er für den FC Schalke 04 kickt. Eine Blessur am Oberschenkel hatte ihn behindert, aber nicht davon abgehalten, sich aufstellen zu lassen. „Rulo hat gesagt, er wolle sich in den Dienst der Mannschaft stellen“, erläuterte Stevens. „Aber nach siebzig Minuten dachte ich, es ist genug.

An diesem Sonntag (15.30 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) haben wir wieder ein Spiel. Und ich hoffe, dass er wieder frisch und fit genug ist, gegen den VfL Wolfsburg zu spielen.“ Kaum hatte Raúl den Rasen verlassen, erzielte Schalke im Europapokal bei Viktoria Pilsen den Ausgleich. Der Señor, wie sie ihn respektvoll nennen, schleppt sich seit einigen Wochen nur noch über den Platz, statt die Mannschaft mitzureißen. In Köln gewannen die Westfalen ohne ihn, gegen Mainz (1:1), Mönchengladbach (0:3) und Pilsen (1:1) wurde er ausgewechselt.

Die jüngsten Auftritte des höchstbezahlten Schalke-Profis geben zu denken. Doch Raúl genießt so viel Hochachtung, dass er als entschuldigt gilt. Seine Vorgesetzten vermeiden es, von einer Formkrise zu sprechen. Vielmehr hätten Verletzungen ihn aus dem Rhythmus gebracht; erst zwickte die Wade, dann der Oberschenkel.

Sportdirektor Horst Heldt lehnt es ab, die rezessiven Tendenzen auf dem Rasen an Raúl festzumachen. „Man darf nicht alles auf einen Spieler projizieren, alle müssen eine Schippe drauflegen“, sagt er. Kann Raúl wieder eine Schippe drauflegen? Wird er höchsten Ansprüchen noch gerecht? Und wenn ja, wie lange?

Es geht um die Laufzeit - und die Dotierung

Solche Fragen mögen „auf“ Schalke an Majestätsbeleidigung grenzen, aber ein seriöses Management wird sie stellen (müssen), zumindest intern. Nicht nur wenn es darum geht, die schwankenden Leistungen des Bundesliga-Vierten zu analysieren, sondern auch um zu ermitteln, ob es sinnvoll ist, den Vertrag des 34 Jahre alten Offensivspielers zu verlängern.

Beide Seiten hatten schon im Dezember angedeutet, dass sie grundsätzlich bereit seien, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Seitdem sind sie nicht viel weitergekommen. Es geht um die Laufzeit (Raúl strebt zwei Jahre an), vor allem aber um die Dotierung. Von seinem aktuellen Gehalt, sieben Millionen Euro im Jahr, wird Raúl Abstriche machen müssen - zumal sein vorheriger Arbeitgeber Real Madrid sich nur noch bis Saisonende mit zwei Millionen Euro an den Kosten beteiligt.

Die treibende Kraft unter den Befürwortern einer Vertragsverlängerung scheint der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies zu sein, dem sogar zuzutrauen wäre, selbst ein paar Euro zuzuschießen, sollte es am Geld scheitern. Von Tönnies sind überwiegend Signale zu hören, die von Zuversicht zeugen. „Wir haben nicht nur eine gute Chance, sondern auch ein sehr gutes Gefühl, dass Raúl bleibt.“

Manager Heldt zeigt sich zurückhaltender, wenn auch nicht so kritisch wie der vorherige Trainer Ralf Rangnick, der im vergangenen Sommer auf Distanz zu Raúl gegangen war, ihn dann aber doch wieder regelmäßig eingesetzt hatte. Raúls Anwesenheit erfüllt viele Fans und auch Tönnies mit Stolz, außerdem fühlt sich der einstige Weltstar in Gelsenkirchen überaus wohl, genauer gesagt: an seinem Wohnort Düsseldorf.

In Spitzenspielen war von Raúl wenig zu sehen

Das aber dürfte keine entscheidende Rolle spielen im Vergleich mit der Prognose das Leistungsvermögen betreffend. Die Statistik spricht durchaus für den oftmals schweigenden Raúl. Zehn Tore und fünf Vorlagen in zwanzig Bundesligaspielen dieser Saison können sich sehen lassen, besonders bei einem Angreifer, der nicht nur im gegnerischen Strafraum unterwegs ist, sondern auch im Mittelfeld.

Andererseits gibt es Faktoren, die sich in den nackten Zahlen nicht spiegeln. In Spitzenspielen war in den vergangenen Monaten von Raúl wenig zu sehen. Gegen die drei Mannschaften, die vor Schalke stehen, machte er nur einmal den Unterschied aus - am vierten Spieltag gegen Mönchengladbach gelang ihm das Siegtor. Gegen Bayern München und Borussia Dortmund sowie zwei weitere Male gegen Gladbach (einmal im Pokal) ging der Schalker Mann von Welt mit den anderen unter.

Zudem blockiert er die zentrale offensive Mittelfeldposition in der Gelsenkirchener Grundordnung. Dort dürfte mittelfristig der hochtalentierte Julian Draxler seinen Platz finden. Solange Raúl die Mitte besetzt, muss der Achtzehnjährige nach links ausweichen. Am liebsten aber spiele er zentral, sagt Draxler. „Dort wurde ich in der gesamten Jugendzeit ausgebildet, dort kann ich meine Stärken am besten einbringen.“

Noch zeigt der Junior sich dankbar dafür, mit Raúl zusammenspielen und von ihm lernen zu können. Aber ein Generationswechsel im Zentrum des Geschehens zeichnet sich ab, zumal auch Lewis Holtby, aktuell verletzt, dort spielen könnte. Vielleicht sollte man ihn nicht unnötig hinauszögern. Es mag Gründe geben, Raúl zu halten - aber nicht um jeden Preis.

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