Scouting - das ist nicht nur der Name der führenden deutschen Pfadfinderzeitschrift, nein, Scouting ist auch ein wichtiges Berufsfeld geworden. Kein ernstzunehmender Fußballverein mehr, der neben Übungsleitern, Muskelknetern und Pressesprechern nicht auch einen ganzen Stab von Menschen beschäftigte, die wahlweise im nahen Ausland oder im brasilianischen Regenwald nach vielversprechenden Athleten fahnden, allzeit auf der Jagd wie einst die Goldsucher im Gletscherbach und am Amazonas.
So ist es kein Wunder, dass man auf die Frage „Was machen Sie beruflich?“ immer häufiger die Antwort hört: „Scout!“ Wobei Scout nicht Scout ist. Der kleine Sucher, der Scoutlehrling, sitzt meist irgendwo auf dem Vereinsgelände unter Tage, schaut sich über Satellit Fußballspiele der aserbaidschanischen Liga an und tippt Körpermaße und sonstige Auffälligkeiten der teilnehmenden Spieler in den Rechner.
Er sortiert die nichtsahnenden Athleten in die vereinseigene Datenbank, und wenn dem Trainer dann mal nach Verstärkung ist, dann tippen sie alles ein, was er so will: Länge, Breite, Position, Schuhgröße, Laufradius, Rechts- oder Linksfuß (oder beides, wird teuer!), Sprungkraft, Schnelligkeit und so weiter, dann drücken sie wieder auf den Knopf, und heraus springt der passende Spieler und ist so gut wie da.
Für den Frankfurter Weltmeister reicht der bloße Augenschein
Jetzt muss nur noch der Klubmanager in Aktion treten und den gescouteten Supermann derart mit Finanzen und sonstiger Zuwendung eindecken, dass der Wechsel alsbald vollzogen werden kann. Hört sich alles ziemlich einfach an, aber auch das Scouting hält Überraschungen bereit und Tücken des Objekts.
Während es Vereine wie den ruhmreichen 1. FC Köln gibt, der die halbe Belegschaft der Kölner Uni als Scouts im Keller sitzen hat und so manches Schnäppchen angelt, geht es zum Beispiel bei dem gleichfalls ruhmreichen Traditionsklub Eintracht Frankfurt von Zeit zu Zeit ein wenig unpässlich zu. Bernd Hölzenbein gibt dort den Oberscout, und als Weltmeister braucht er natürlich keine Erbsen- und Kilometerzähler im Keller, da reicht der bloße Augenschein, und schon laufen Superspieler in Frankfurt auf. Caio zum Beispiel, der Brasilianer, der vor einem Jahr für läppische vier Millionen Euro aus Palmeiras kam, kann ganz prima kicken.
Solch einen Sportler muss man erst mal finden - Glückwunsch!
Allerdings kann er nicht laufen, wie sich leider erst vor Ort herausstellte. Ist aber nicht so schlimm, kann man ja alles lernen, wenn auch natürlich nicht innerhalb eines Jahres, weshalb Caio auch beim Fitnesstest 2009 den Kollegen wieder weit hinterherlief.
Auch der neueste Frankfurter Scouting-Knaller, der von Dunajska Streda aus der Slowakei ausgeliehene Kameruner Leonard Kweuke, wies bei ersten Trainingseindrücken gewisse Defizite auf, allerdings nur im technischen, taktischen und koordinativen Bereich, wie es heißt. Als Kweuke Liegestützen machen sollte, musste er passen. Diese äußerst seltene Übung hatte er noch nie gesehen - solch einen Sportler muss man erst mal finden. Glückwunsch an die Scouts!