16.10.2008 · Ottmar Hitzfeld hat im Duell der deutschen Trainer-Altstars triumphiert: Mit dem 2:1-Sieg bei Otto Rehhagels Griechen haben Hitzfeld und seine Schweizer „Nati“ zugleich das Trauma der Niederlage gegen Luxemburg weitgehend überwunden.
Von Roland Zorn, PiräusZu Beginn der Woche hat Ottmar Hitzfeld furchtbar schlecht geschlafen. Eine Stunde Ruhe von Montag auf Dienstag - für ihn wurde die erste Nacht in der griechischen Hauptstadt zum Albtraum von Athen. Ringe unter den Augen, Falten im Gesicht, angespannte Miene: Ziemlich angegriffen sah Deutschlands erfolgreichster Trainer kurz vor seiner fürs erste wichtigsten Mission in Schweizer Diensten aus.
Denn da war ja noch ein zweites Trauma zu überwinden, das sich in die Nachtgedanken des Fußballlehrers seit dem 10. September eingenistet hatte: die schier unglaubliche 1:2-Heimschlappe gegen den Fußball-Winzling Luxemburg. Und das in einem Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel.
Vom Knockout erholt
Da zählten vor der Begegnung beim zuvor dreimal siegreichen Tabellenführer Griechenland die Resultate davor und danach kaum. Das 2:2 in Israel, der 2:1-Sieg gegen Lettland wogen zu leicht gegen das Desaster von Zürich. Seit Mittwochabend sieht nicht nur Hitzfeld wieder entspannt und damit deutlich besser aus, seit Mittwochabend hat sich die „Nati“ und mit ihr die Fußballnation Schweiz vom Knockout gegen Luxemburg erholt.
„Der Trainer“, sagte sein Kapitän Alexander Frei, „hat uns verdeutlicht, dass wir immer wieder aufstehen können.“ Und das, wie Hitzfeld sagte, nur „mit dem Blick nach vorn“. Deshalb führte er seinen Spielern die „Luxemburg-Pleite“ nicht noch einmal vor Augen. „Aktionismus“, sagt Hitzfeld, „bringt doch gar nichts.“ Action schon, und so gewannen die von ihrem Meister auf Sieg programmierten Eidgenossen im Karaiskakis-Stadion von Piräus gegen Griechenland vor 29.000 Zuschauern 2:1.
Schwere Niederlage für Rehhagel
Eine schwere Niederlage für den anderen deutschen Meistertrainer, der diese Partie mitgeprägt hatte. Für Otto Rehhagel, den 70 Jahre alten Essener, war dies allerdings ein zu verschmerzender Rückschlag auf dem langen Qualifikationsweg zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Ihm tat zwar weh, wie seine Mannschaft, der er einen „großartigen Kampf“ attestierte, durch Freis Elfmetertor (42. Minute) und Nkufos Kontertreffer (77.) nach Charisteas' Ausgleich (68.) besiegt wurde, doch am Ende nahm der Trainer des Europameisters von 2004 den Ausgang dieses ersten Wiedersehens mit Hitzfeld seit achteinhalb Jahren sportlich: „Ich habe der Mannschaft gesagt“, hob ihr Coach hervor, „dass wir noch Erster sind, nichts geschenkt bekommen und unseren Platz in Zukunft verteidigen müssen.“
Hitzfeld hatte seine Spieler von vornherein auf eine Strategie eingeschworen, die Rehhagel schon zu Triumphen verholfen hatte: Mit langen Ballstafetten setzten die Schweizer ihren zunächst überraschten, später allzu wild attackierenden Gegner per kontrollierter Offensive unter Druck und wurden erstmals belohnt, als Behrami, in die Zange genommen von Papadopoulos und Torsidis, elfmeterwürdig zu Boden ging. Freischütz Frei ließ sich danach nicht einmal von einem unfairen Störmanöver den Blick fürs Wesentliche trüben. „Vor dem Elfmeter“, berichtete er später, „hat mich ein Zuschauer mit einem Laser geblendet. Der Schiedsrichter hat mich gefragt, ob er das Spiel kurz unterbrechen solle. Ich aber wollte den Penalty gleich schießen.“
Mannhafte Schweizer
Die Entschlossenheit des Stürmers von Borussia Dortmund spiegelte am Mittwoch die Mentalität der ganzen Mannschaft. Die Schweizer gaben sich, als es galt, mannhaft und wehrhaft. „Wenn wir hier gewinnen“, hatte der 59 Jahre alte Fußball-Stratege Hitzfeld seine Profis auf die Hopp-oder-Topp-Lage eingestimmt, „sind wir wieder im Rennen. Diese Chance ist einmalig, und so viele Chancen bekommt man im Laufe der WM-Qualifikation nicht.“
Nun steht seine Mannschaft wieder glänzend da, weil den Ersten Griechenland, den Zweiten Israel und die Schweizer als Gruppendritte nur jeweils ein Punkt trennt. (siehe auch: WM-Qualifikation: Ottmar schlägt Otto - Finnen schlagen sich selbst ) Verständlich, dass der an große Siege gewöhnte Hitzfeld künftig mehr will als Altschäden zu beseitigen und Blamagen zu tilgen: „Wir haben hier Big Points bei einem direkten Konkurrenten geholt. Hätten wir nur unentschieden gespielt, wäre es für meine Mannschaft sehr schwer geworden, noch Erster in unserer Gruppe zu werden. So aber haben wir gute Chancen, am Ende ganz oben zu sein. Vorausgesetzt, wir verlieren nicht noch einmal gegen ein kleines Team.“ Eine weitere Voraussetzung hat Hitzfeld in den vergangenen Wochen bei seinen Schweizern wiederbelebt: die Fähigkeit, an die eigenen Stärken und Qualitäten zu glauben. Sie trug sein Team in Piräus zum Erfolg.
Fans huldigten ihrem „Feldherrn“ mit „Otti, Otti“- Rufen
Während Kollege Rehhagel in der Coaching-Zone zunehmend verzweifelt mit den Armen ruderte, wurde aus Hitzfeld an seinem neuen Arbeitsplatz wie einst in München der gefeierte „General“. Eindeutig die Körpersprache, aufrecht die Haltung, so dirigierte der Boss im dunkelgrauen Anzug mit weißem Hemd und roter Krawatte seine Spieler zum Sieg. Beim ersten Tor ballte er, für ihn typisch, die rechte Faust, bei Tor Nummer zwei tauchte er ein in die schweizerische Jubeltraube seiner Bankbelegschaft, am Schluss huldigten rund tausend mitgereiste Fans ihrem „Feldherrn“ mit „Otti, Otti“- Rufen.
Der General hat lange mit sich und den widrigen Umständen gekämpft und seit Mittwoch die Schweiz erobert - auf eine sehr erdverbundene Weise, die auch beim deutschen Nachbarn ihre Wirkung nicht verfehlt haben dürfte. Die „Nati“ ist wieder aufgestanden, Hitzfeld hat wie so oft gelitten und ist am Ende der aufatmende Spezialist für die großen und wichtigen Siege geblieben - in einer Attitüde, die zu Herzen geht. Kein Wunder, dass so mancher in München Sehnsucht nach diesem volksnahen Meister seines Fachs hat. (siehe auch Vorbericht: Vorschau auf die WM-Qualifikation: Otto gegen Ottmar)
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |