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Bundesliga-Kommentar : Die Schauspieler können es nicht lassen

Los, aufstehen! Hertha-Profi Mitchell Weiser bekommt nach seiner Flugeinlage freundliche Hilfe von den BVB-Spielern Bild: EPA

Viele Fußballprofis machen mehr aus einer Sache, als sie hergibt – denn sie haben damit Erfolg. Schauspieler wie Hertha-Profi Weiser profitieren von kaum spürbaren Bestrafungen, die ihnen drohen, wenn sie ertappt werden.

          Es gehört quasi zur DNA der meisten Fußballprofis, mehr aus einer Sache zu machen, als sie hergegeben hat. Und weil sie oft genug damit Erfolg hatten, hören sie auch nicht plötzlich damit auf – unabhängig davon, ob sie mittlerweile von Dutzenden Kameras an ihrem Arbeitsplatz seziert werden. Die Schwalben, aber auch die Showeinlagen nach dem Foulspiel eines Gegners sind ein fester Bestandteil der Bundesliga, da helfen auch gute Worte mancher Trainer und Sportdirektoren nicht.

          Ob der Gladbacher Dieter Hecking, der Hoffenheimer Coach Julian Nagelsmann, sein Frankfurter Kollege Niko Kovac oder der Kölner Sportdirektor Jörg Schmadtke, sie alle hatten in dieser Saison schon beklagt, dass sich die Unsportlichkeiten häufen, die einzig darauf abzielen, eine höhere Bestrafung für den Gegner zu erreichen – und sind nie davor gefeit, dass auch einer ihrer Spieler zu diesem Mittel greift wie nun etwa der Berliner Mitchell Weiser.

          Es geht um die Reaktion und die Absicht

          Dass der Herthaner vom Dortmunder Dembélé am Knöchel getroffen worden war, ist dabei unstrittig – wie Weiser mit einiger Verzögerung danach aber noch absprang, wirkte peinlich. Es hilft auch nicht, dass die Hertha am Tag darauf ein Foto veröffentlichte, das zeigt, wie lädiert der Fuß des Mittelfeldspielers aussieht, und meldete, dass er deshalb für das nächste Spiel auszufallen drohe. Aufgrund der Fernsehbilder bezweifelt niemand ernsthaft, dass Weiser getroffen worden war. Es geht um seine Reaktion, um die Absicht, die dahintersteckte. Die gab Weiser nach dem Spiel ja auch zu: „Ich mache nur das, was er auch immer macht. Wenn man ihn mit den eigenen Waffen schlägt, dann ist es okay.“ Ist es nicht.

          Es ist diese Denke, dieses Gehabe auf dem Platz, die Fußballspielern viel Spott von anderen Sportlern einbringt – etwa vom Handball oder vom Rugby, wo man sicher sein darf, dass ein Wälzen auf dem Boden in einem sehr direkten Zusammenhang mit dem Foul steht. Abgesehen davon, dass ein unausgesprochener Ehrenkodex in anderen Sportarten – und beim Fußball vornehmlich und wohl ausschließlich in England – die Spieler daran hindert, mit solcher Theatralik zum Schaden des Gegners zu agieren: Es ist vor allem die kaum spürbare Bestrafung, die einem ertappten Fußballspieler droht, die verlockend ist beim Risikoabgleich zum möglichen Ertrag.

          Als Unsportlichkeit wird es mit einer Gelben Karte geahndet, die keinerlei direkten Einfluss auf das Spielgeschehen hat – es sei denn, der dem Schauspiel zugeneigte Fußballspieler hatte vergessen, dass er in dieser Partie schon mit einer Verwarnung belastet war, und somit die Gelb-Rote Karte droht.

          Es gibt aber keine Zeitstrafen im Fußball, die einen unmittelbaren Einfluss auf das Spielgeschehen hätten – wenn auch nicht in diesem Fall, weil das Ganze in der 89. Minute geschah. Wenn der Fußball dieses Übel aber irgendwann ausmerzen will, würde nur eine Verschärfung im Regelwerk helfen, nämlich die Einstufung als grobe Unsportlichkeit, die sie in Wahrheit ja auch immer ist. Ja, Weiser ist gefoult worden, und wie die Fernsehbilder auch zeigten, wohl eher unabsichtlich, weil Dembélé wegrutschte. Alles, was folgte, war ein Täuschungsversuch. Und wir sollten auch aufhören, alle zu loben, die nicht zu solchen Mitteln greifen. Es muss einfach normal werden.

          Quelle: F.A.Z.

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