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Schalkes Mirko Slomka Der Mann mit den sieben Trainer-Leben

01.03.2008 ·  Mirko Slomka stand bei Schalke schon oft auf der Kippe – aber so schwach wie vor den Spielen gegen Bayern und Porto war seine Position noch nie. Im Hintergrund wird wohl schon an Slomkas Nachfolge gearbeitet - und von einem großen Namen geträumt.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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Nur Katzen haben sieben Leben, sagt der Volksmund. Im Berufsfußball eilt Mirko Slomka der Ruf voraus, auch er habe sieben Leben und lande immer unverletzt, selbst wenn er aus beachtlicher Höhe auf den Boden fällt. In den gut zwei Jahren, die er nun für Schalke 04 arbeitet, stand Slomka mehrmals kurz davor, den Dienst quittieren zu müssen.

Bisher kam ihm seine Mannschaft, so wenig Konstanz ihr sonst zu eigen ist, stets rechtzeitig zu Hilfe, wenn der Trainer gute Ergebnisse brauchte, um seinen Kopf zu retten. Aber noch nie ist der Mann mit den sieben Trainer-Leben beruflich so arg in Bedrängnis geraten wie vor dem Bundesliga-Heimspiel an diesem Samstag gegen Bayern München, dem vier Tage später das Rückspiel gegen den FC Porto im Achtelfinale der Champions League folgt.

„Coach, der großes internationales Standing hat“

Der erste Vorsitzende Josef Schnusenberg und der Aufsichtsratschef Clemens Tönnies haben Slomka im Duett (wenn auch unterschiedlich scharf in der Diktion) zur Disposition gestellt. Schnusenberg diagnostizierte tagelang „Handlungsbedarf“ und formulierte den Wunsch nach einem „Chefcoach, der großes internationales Standing hat“. Tönnies zeigte sich verwundert über die Personalpolitik und hielt es für nötig, den Trainer darauf aufmerksam zu machen, „wie wichtig die nächsten Spiele sind“.

Erst zwei Tage vor dem Bayernspiel brach Manager Andreas Müller, der einzige Fußballfachmann in der Führungscrew, sein Schweigen, um die öffentlich und halböffentlich vorgetragenen Planspiele in der Trainerfrage beiseitezuwischen. „Mirko Slomka besitzt unser volles Vertrauen“, sagte er. Warum hat Schnusenberg den Trainer dann derart geschwächt? Als Antwort tischt Müller eine phantasievolle Erklärung auf.

„Schnusenberg hatte eben einen dicken Hals“

Schnusenbergs Angriff auf den Trainer sei „wohl so eine Art Weckruf gewesen“ – ein Ausdruck großer Emotion, wie sie Schalke im Allgemeinen und den Vorsitzenden im Besonderen auszeichne. „Er hatte eben einen dicken Hals.“ Demnach bestand für Slomka nicht etwa das Risiko, seinen Job zu verlieren, sondern nur die Gefahr, einen Hörsturz zu erleiden, weil vier Tage lang unaufhörlich der Wecker geklingelt hat, bis Müller den Krach abstellte.

Der angeschlagene Trainer hofft, seinen Arbeitsplatz behalten zu können. „Vielleicht kann ich mir das geforderte internationale Standing ja noch erarbeiten.“ Sollte ihm das in Porto gelingen und ein gutes Ergebnis gegen den FC Bayern hinzukommen, müssten seine Kritiker vielleicht länger auf den passenden Zeitpunkt für eine Trennung warten, als sie gedacht haben. Slomka hat angekündigt, zu kämpfen und die Fehler zu korrigieren, die er zuletzt gemacht habe.

Fans fordern lautstark den Rauswurf des Trainers

Fast devot sagt der Trainer, er müsse sich „der Kritik stellen, auch wenn sie unangenehm ist“. Einige Profis haben Slomka vor dem Bayernspiel ihre Solidarität bekundet. „Wir haben als Mannschaft nicht die erforderliche Leistung gebracht, und der Trainer kriegt jetzt alles ab. Wir stehen hinter ihm“, sagte Gerald Asamoah. Sein Stürmerkollege Kevin Kuranyi äußerte sich ähnlich.

Sonst sind nicht allzu viele Verbündete in Sicht. Die Fans forderten vor einer Woche lautstark den Rauswurf des Fußball-Lehrers. Bei einem großen Teil der Medien ist Slomka nicht besonders beliebt, auch wenn er wie auf Knopfdruck ein Fernsehgesicht aufsetzen kann, das einen gewissen Charme versprüht.

„Ich kann mich nicht in Slomka hineinversetzen“

Nicht zuletzt seiner Art wegen, die mancher als herablassend empfindet, hat der Fußball-Lehrer sich viele Gegner gemacht. Mit Schnusenberg hatte er sich schon vor ein paar Monaten überworfen. Nach einem Disput mit dem Vorsitzenden zeigte Slomka sich nachtragend. „Wenn Sie einen Nagel in die Wand schlagen und ihn wieder herausziehen, weil sie das Bild woanders aufhängen wollen, bleibt trotzdem ein Loch“, sagte er.

Spätestens seit jenem Streit sind Risse in der Beziehung des Trainers zum Präsidenten sichtbar. Inzwischen gilt das Verhältnis unter Insidern als zerrüttet. Schnusenberg schert sich nicht mehr darum, wie es dem Trainer, dessen Vertrag bis Juni 2009 datiert ist, dabei geht. „Ich kann mich nicht in Slomka hineinversetzen, das tue ich auch nicht.“ Fürs Erste hat Schnusenberg eine Kampfpause eingelegt. Seine Begründung lässt allerdings tief blicken. Er müsse „auf den inneren Frieden achten“, sagt der Vorsitzende.

Slomka: „Wir hatten auch viele schöne Momente“

Hinter den Kulissen soll die Suche nach einem neuen Trainer schon im Gange sein. Am Ernst-Kuzorra-Weg hält sich das Gerücht, Müller habe schon mit zwei Kandidaten gesprochen. Wie die „Neue Ruhr-Zeitung“ erfahren haben will, macht die Klubführung in ihren Überlegungen selbst vor großen Namen wie José Mourinho nicht mehr halt. Es gehört allerdings schon eine gehörige Portion Schalker Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass der berühmteste und teuerste aller derzeit verfügbaren Klubtrainer einen Reiz darin sehen könnte, mit einem Bundesligafünften, dem große Stars eher suspekt erscheinen, in den europäischen Wettbewerb einzutreten.

Müller behauptet, er habe „nicht den Auftrag, einen Trainer zu suchen“. Sein Protegé Slomka hätte sogar Verständnis dafür, wenn es anders wäre – sagt er. „Wenn es wirklich den Gedanken gibt, nach Porto einen Wechsel vorzunehmen, dann würde ich Andi Müller sogar empfehlen, jetzt schon einen anderen Trainer zu kontaktieren.“ Der Mann mit den sieben Leben mag mit Schalke noch nicht abgeschlossen haben. Aber er rechnet mit allem, wie ein Satz vermuten lässt, der oft fällt, wenn Partner sich trennen. „Wir hatten auch viele schöne Momente.“

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