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Schalke 04 Der Leisetreter Fred Rutten

14.12.2008 ·  Trainer Fred Rutten ist angetreten, um das Rätsel Schalke 04 zu entschlüsseln. Doch bis jetzt ist er selbst ein kleines Rätsel geblieben. Nach dem alles andere als guten Start dürfte der Auftritt in Hoffenheim ein Wegweiser werden.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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In einem Punkt immerhin hatte Fred Rutten beim FC Schalke 04 einen besseren Start als der Vorgänger seines Vorgängers. Während der damalige Manager Rudi Assauer den Reportern einst „Rolf Rangnick“ als Cheftrainer vorstellte, nannte Andreas Müller, der Nachfolger Assauers, im vergangenen Frühjahr den neuen Fußball-Lehrer korrekt beim Vornamen. „Ich habe ihn nicht als Fritz vorgestellt, sondern als Fred“, sagt der Manager, als er die beiden Trainer vergleichen soll.

Wenn sie an diesem Sonntag in der Fußball-Bundesliga aufeinandertreffen, sind die Unterschiede allerdings viel größer, als die phonetische Diskrepanz zwischen Ralf und Rolf oder Fred und Fritz. Während Rangnick mit dem Aufsteiger 1899 Hoffenheim das erste Halbjahr als Klassenbester abschließen kann, geht es für Rutten nur noch darum, den Anschluss an die „internationalen“ Plätze zu halten, vor allem an jene, die eine Teilnahme an der Champions League ermöglichen oder wenigstens in Aussicht stellen.

Kein guter Start „auf“ Schalke

Im Gegensatz zu Rangnick hatte Rutten sportlich keinen guten Start „auf“ Schalke. Vor allem gemessen an den Ankündigungen, die zumeist den Charakter von Versprechen hatten: Schalke werde offensiver, attraktiver und dabei eher (noch) erfolgreicher spielen als in der vergangenen Saison, die der Revierverein als Dritter beendet hatte. Vor lauter Begeisterung, die der Vorstand entfachte, wurden Ruttens dezente Versuche, die Erwartungen klein zu halten oder wenigstens zu relativieren, vom Publikum geflissentlich überhört.

Der 46 Jahre alte Niederländer spricht ja auch nicht laut, vor allem aber nicht gern, jedenfalls nicht vor Publikum oder wenn gar Mikrofone und Kameras auf ihn gerichtet sind. Müller führt die Sprachbarriere als Grund für diese Schüchternheit an, die im Kontrast zu Ruttens Härte auf dem Trainingsplatz steht. Wer Ruttens wenn auch selten vorgetragene Fähigkeit zur Ironie kennt, fragt sich indes, ob er sprachliche Mängel nicht clever als Alibi nutzt.

Große Kabine für die Ladenhüter

Manches von dem, was er gesagt hat im ersten halben Jahr, ist dennoch im Ohr geblieben – weil er es so oft wiederholt hat. Wie etwa die Metapher von der „großen Kabine“, die Schalke besitze – und auch brauche, weil nur eine stattliche Anzahl an Profis den nötigen Konkurrenzdruck erzeuge. Eine große Kabine benötigt Schalke tatsächlich, schon um all die Ergänzungsspieler unterbringen zu können, die Müller vor Ruttens Zeit angeschleppt hat und die inzwischen als Ladenhüter gelten.

Der Trainer hat längst gemerkt, dass mit Kräften wie Großmüller, Zé Roberto, Streit oder Sanchez nicht viel anzufangen ist. Oder auch mit Gustavo Varela, dessen Vertrag ohne zwingenden sportlichen Grund verlängert wurde. Konkurrenz aus der eigenen Kabine ist gerade das, was Schalke nicht hat.

„Müller und Rutten sind nicht zu trennen“

Rutten ist also zu bedauern – könnte man meinen. Nach sechzehn Runden belegt seine Mannschaft nur Rang sechs, und die sportliche Entwicklung deutet auf ein Nullwachstum. Mit Blick auf den Vergleichszeitraum des Vorjahres ist der Rückstand auf Platz drei gleich groß: fünf Punkte. Insofern ist Rutten durchaus nicht zu bedauern. Gemessen an den sogenannten Mechanismen der Branche ist er sogar zu beneiden. In der Tristesse dieses Herbstes verlässt Schalke die ausgetretenen Pfade, wenn schon nicht sportlich, so zumindest in der Personalpolitik. Zu Hilfe gekommen sind Rutten die Fans. Ein beträchtlicher Teil von ihnen fordert den Rauswurf des Managers.

Das Kuriose dabei ist, dass Müller sich in der heraufziehenden Dämmerung öffentlich für den Trainer starkmacht, obwohl der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies sagt, Rutten stehe „sowieso nicht zur Diskussion“. Im Widerspruch zu herkömmlichen Szenarien dient der Trainer in Schalke eher als Schutzschild für den Manager. „Müller und Rutten sind nicht zu trennen“, behauptet der Manager.

Festhalten am 4-3-3-System bleibt ihm gestattet

Während Müller intern aufgefordert wurde, sich mehr und heftiger zu wehren, kann Rutten in dessen Windschatten Geduld einfordern für einen vermeintlichen Prozess, den die Mannschaft seit Monaten durchläuft, wenn auch ohne sichtbaren Erfolg. Sogar das sture Festhalten am 4-3-3-System bleibt ihm gestattet, obwohl Schalke weder drei adäquate Stürmer besitzt noch im Mittelfeld, das in der Regel drei defensive Stammkräfte besetzen, geeignetes Personal vorhält.

Den Trainer ficht das offenbar nicht an. „Wenn ich unruhig werde, wird es meine Mannschaft auch“, sagt er. „Aber ich bin auch nach Niederlagen ruhig geblieben.“ Rutten ist angetreten, das Rätsel Schalke 04 in aller Ruhe und mit aller Härte zu entschlüsseln. Bis jetzt ist er selbst ein kleines Rätsel geblieben.

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