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Fußball-Bundesliga : Warum Freiburg derzeit so erfolgreich ist

Macht seine Spieler besser: Freiburg-Trainer Christian Streich. Bild: AFP

Ohne Stars und Stargehabe: Der SC Freiburg hat seit sieben Spielen nicht mehr verloren – auch weil Christian Streich seine Spieler besser macht. Doch der Trainer weiß, wie schmal der Grat zum Erfolg ist.

          Christian Streich hat ein Gespür für die roten Linien, also jene Sphären, in denen Entwicklungsprozesse gefährdet sind oder gar Gefahren für die eigene Unversehrtheit lauern. Der Cheftrainer des SC Freiburg hat dieser Tage besorgt nach Darmstadt geschaut, wo sein Kaiserslauterer Kollege Jeff Strasser während des Zweitligaspiels beim SV 98 einen Schwächeanfall erlitt, und sich dabei an Situationen erinnert, in denen auch er selbst mit emotionalen Ausnahmesituationen fertig werden musste. „Ich bin auch nach dem 0:3 in Köln (in einem Bundesliga-Achterbahnspiel, das Freiburg Mitte Dezember noch 4:3 gewann, d. Red.) nicht mehr aufgestanden und wusste warum.“

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Vor der gewiss aufregenden Bergetappe seiner Mannschaft am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) in Dortmund, wo der Sportclub gegen die Borussia unter Streichs Anleitung bisher nur verlor, hat sich Streich auch über Extremsituationen geäußert – in seinem Beruf und dem der Spieler, wenn sie überfordert werden. Der 52 Jahre alte Südbadener weiß zwar einerseits zu schätzen, dass sein Team die mit sieben Spielen (vier Siege, drei Remis) derzeit längste Serie ohne Niederlage hingelegt hat, muss aber andererseits Woche für Woche die Personalressourcen in seinem von Verletzungen auf den ersten Blick geschwächten Kader bis zur Neige ausschöpfen.

          Not macht aber erfinderisch, und deshalb haben Streich und sein Trainerstab Neu-Freiburger wie den zu Saisonbeginn aus Kaiserslautern gekommenen Robin Koch und den im Winter vom SV Sandhausen verpflichteten Angreifer Lucas Höler auf die Schnelle zu Profis der ersten Freiburger Wahl gemacht. Innenverteidiger Koch, der Filius des vormaligen Lauterer Abwehrrecken Harry Koch, wechselte sein Aufgabengebiet und überzeugt seit einigen Spielen als defensiver Mittelfeldspieler in der Rolle als Sechser vor der Vierer- oder Dreierkette; Höler hat als Rechtsaußen in Windeseile einen Platz in der derzeitigen Stammformation erobert. Und das in Freiburg, wo neue Kräfte sonst oft genug behutsam mit den Spezifika des Kopf und Körper fordernden komplexen Sportclub-Fußballs vertraut gemacht werden.

          „Wir arbeiten mit ihnen im Grenzbereich“, sagt Streich, „und wir müssen schauen, dass es da auch bleibt.“ Der Trainer lässt sich deshalb, wohlwissend, wie schmal der Grat zum Erfolg bei diesem seit je vom Gemeinschaftsgeist zusammengehaltenen Verein mit dem niedrigsten Personalbudget der Liga (30 Millionen Euro) ist, von der jüngsten Serie nicht blenden. „Das Wasser steht uns nicht bis zum Hals, weil wir in den letzten Spielen gewonnen und gut gespielt haben“, sagt der 52 Jahre alte Fußballlehrer, „aber wir sind noch immer in Abstiegsgefahr.“ Darüber können einen der profiliertesten Bessermacher der Liga auch nicht der momentane Tabellenplatz zwölf mit 23 Punkten und ein Sicherheitsabstand von sieben Punkten zum Drittletzten Werder Bremen hinwegtäuschen.

          Bei der Medienrunde zwei Tage vor dem mutmaßlichen Kraftakt in Dortmund verhehlte Streich zwar nicht, wie optimistisch er und seine Mannschaft diesmal die Reise zum Tabellensechsten mit Champions-League-Ambitionen antreten („wir sind mutig und wollen denen die Stirn bieten; an einem besonderen Tag haben wir eine Chance“), doch gleichzeitig argumentierte er aus dem Bewusstsein der Fragilität jeweils hart erkämpfter Erfolgserlebnisse. So bezeichnet es Streich „nicht als Zufall“, dass seine Mannschaft zwölf ihrer 23 Punkte aus Spielen geholt hat, in denen die Freiburger einen Rückstand wettgemacht haben. Das sind für ihn unübersehbare Indizien für den unbeugsamen Teamspirit in seinem Aufgebot ohne Stars und Stargehabe.

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