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SC Freiburg : Kampf um ein neues Stadion - und die Zukunft

Stadion mit Landebahn: Hier soll das Stadionprojekt des SC Freiburg Wirklichkeit werden Bild: dpa

Am Samstag startet der SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr) als Tabellenletzter in eine schwierige Rückrunde der Bundesliga. Für „die letzten Mohikaner“ geht es aber auch am Sonntag um die Existenz. Ein Bürgerentscheid könnte das Stadion-Projekt noch kippen.

          Noch einen Salbeitee, sagt Fritz Keller, dann kann es wieder losgehen. Den Präsidenten des SC Freiburg zieht es auf die Straße, unter Leute, damit er möglichst viele Freiburger von seinem Anliegen überzeugen kann. Es ist Wahlkampf in der Stadt, die heiße Phase - mit Showdown am Sonntag, dem Tag nach dem Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt. Dann sind rund 170.000 Bürger ab 16 Jahren aufgerufen, ihr Kreuz rechts oder links auf dem Wahlzettel zu machen.

          „Sind Sie dafür, dass die Stadt Freiburg den SC Freiburg bei der Realisierung eines Fußballstadions im Wolfswinkel auf Grundlage des vom Gemeinderat befürworteten Organisations-, Investitions- und Finanzierungskonzepts unterstützt?“Das ist, sachlich formuliert, die Frage, um die sich in Freiburg fast alles dreht in diesen Tagen. Um die aber, so wirkt es, ein regelrechter Kulturkampf voller Emotionen entbrannt ist. Weshalb Keller den Tee nicht nur brauchen kann, um gut bei Stimme zu bleiben - sondern auch für die Nerven. „Es ist eine unsägliche Geschichte, bei der permanent unter die Gürtellinie gegangen wird“, sagt er. Man spürt, das Thema bewegt ihn nicht nur, es setzt ihm regelrecht zu. Und vor allem lässt es ihm in diesen Tagen keine Ruhe.

          Spielfeld mit Gefälle, Infrastruktur mit Mängeln

          Keller selbst ist zwar nicht wahlberechtigt, weil er nicht in Freiburg lebt. Aber natürlich wünscht er sich möglichst viele Kreuze links: bei Ja. Das neue Stadion ist für ihn die Grundlage dafür, dass der Sportclub eine Zukunft in der Bundesliga hat. So etwas wie eine Existenzfrage also? „Nicht ,so etwas wie‘ - das ist eine“, sagt er. „Nicht für die nächsten zwei oder drei Jahre. Aber auf längere Sicht steht das Modell Freiburg auf dem Spiel.“ Am Samstag, wenn das Spiel des Tabellenletzten gegen Frankfurt angepfiffen wird (15.30 Uhr/ live in Sky und F.A.Z.-Liveticker), kann man ihn wieder beobachten: den Ausnahmezustand, der in Freiburg längst zum Normalzustand geworden ist.

          Mit einem Spielfeld, das fünf Meter zu kurz ist. Das ein Nord-Süd-Gefälle von einem Meter aufweist, so dass man sich, salopp gesprochen, bei der Platzwahl auch für bergab oder bergauf entscheiden könnte. Und mit einer bescheidenen Infrastruktur, wie es sie so in der Liga sonst nirgendwo mehr gibt. Liebenswert, das ja - aber nicht mehr zeitgemäß, seit Jahren spielt der Klub mit einer Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Schwarzwald-Stadion, dem früheren Dreisam-Stadion.

          „Wir sind wirklich die letzten Mohikaner in Deutschland“, sagt Keller. Natürlich geht es beim Thema Neubau nicht nur um die äußeren Bedingungen, sondern auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Mit den derzeitigen Stadion-Einnahmen, sagt Keller, liege der SC auf dem vorletzten Platz der Liga, „obwohl wir zu 99 Prozent ausgelastet sind“. Mit der neuen Arena, die eine Kapazität von 35 000 statt derzeit 24 000 hat, könnten nach seiner Rechnung drei bis fünf Millionen Euro jährlich zusätzlich erwirtschaftet werden - die zu erwartenden Mehreinnahmen beim Sponsoring noch gar nicht mitgerechnet. Geld, das der Verein dringend braucht, um im Konzert der Großen mitspielen zu können: als gewöhnlicher Verein, der nicht als PR-Vehikel eines großen Unternehmens daherkommt. „Wir lieben den Ort dort“, sagt Keller über das idyllische Ambiente an der Dreisam, „aber ein neues Stadion ist unsere einzige Zukunftschance. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

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