Home
http://www.faz.net/-gtn-775io
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Sascha Mölders Der Schnäppchen-Torjäger

Wenig Talent, viel Einsatzwillen: Sascha Mölders bewegt sich nicht immer grazil, aber der Spätberufene trifft zuverlässig. Der Stürmer könnte zur Lebensversicherung des FC Augsburg werden.

© picture alliance / dpa Vergrößern Hingehen, wo es wehtut: Sascha Mölders (links) ist nicht der Typ, der den Kopf einzieht

Auf den ersten Blick lesen sie sich nicht wie eine Fußballkarriere, die Stationen des seltsamsten Stars der fünfzigsten Bundesligasaison. Sondern wie ein Kneipenzug durchs Ruhrgebiet. Vogelheim, Atletico, Schönebeck, Schwarz-Weiß, so lauteten die frühen Etappen von Sascha Mölders, alle in seiner Heimatstadt Essen.

Christian Eichler Folgen:  

Mit 19, in einem Alter, in dem sich heute Jungprofis nach jahrelanger Verfeinerung ihrer technischen und sozialen Fähigkeiten in den Akademien großer Vereine auf den Sprung ins Rampenlicht machen - mit 19 also spielte auch Mölders seine erste Saison bei den Erwachsenen: in der Bezirksliga.

DJK Wacker Bergeborbeck hieß der Startplatz einer Fußballkarriere, die acht Jahre später einen der aktuell effizientesten Stürmer der Bundesliga produziert hat. Mit acht Toren in zwölf Spielen kommt Mölders beim FC Augsburg, dem Vorletzten, auf eine Trefferquote, die nur die Torjäger der drei Top-Klubs, Mandzukic, Lewandowski und Kießling, erreichen. Der Mann, der 175.000 Euro kostete, ist das Schnäppchen der Liga. Keiner schießt so billige Tore wie er.

Mehr zum Thema

Das Ruhrgebiet hat einige solcher Nachzügler im Sturmzentrum hervorgebracht, die erst als Mittzwanziger in den Blickpunkt rückten, sich dann aber sehr nützlich machten - Spieler wie Horst Hrubesch oder Oliver Bierhoff, zwei Spätzünder, die Deutschland zu den beiden letzten EM-Titeln schossen. Die Klasse dieser beiden wird Mölders nie erreichen, aber es gibt Parallelen.

Auch er lebt von seiner Sperrigkeit und Kopfballstärke. Und vor allem sieht er sich „definitiv als Revierkicker“. Als Fußballkind des Ruhrgebiets. Wie sich das äußert? „Bis zur letzten Sekunde alles geben. Immer rennen, immer kämpfen, die Tugenden, die man immer abrufen kann.“ Aber auch: „Nie den Spaß verlieren.“ Nicht mal im Abstiegskampf.

Mölders: „Das könnte ein Vorteil für uns sein“

Mölders verkörpert zwei der Stärken, von denen der FC Augsburg profitiert: dass seine Spieler gelernt haben, aus wenig viel zu machen, also Talentmangel mit Tatkraft zu kompensieren. Und dass sein Kader zum großen Teil aus Spielern besteht, die anderswo kaum eine Chance in der Bundesliga bekommen hätten und deshalb eine besondere Motivation haben, diesen Verein zu retten.

Das unterscheidet sie von den Kollegen aus Hoffenheim, dem Gegner an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) im Duell darum, wer direkt absteigen muss, und wer noch den 50:50-Joker der Relegation bekommt. „Beim FCA werden nie Superstars spielen. Aber jeder, der dort spielt, hat sich das hart erarbeitet“, sagt Mölders. „Der entscheidende Punkt ist: Wir wussten, dass wir um den Klassenerhalt spielen, während man in Hoffenheim ganz andere Erwartungen hatte. Das könnte ein Vorteil für uns sein.“

FC Augsburg - FC Bayern München © dpa Vergrößern Beim Versuch der hohen Fußballkunst kann bei Mölders schon einmal etwas schiefgehen

Nach der Bezirksliga in Bergeborbeck spielte Mölders in der Oberliga bei Schwarz-Weiß Essen und beim Zweitteam des MSV Duisburg, wo er in den Profikader übernommen wurde und erstmals an der Bundesliga schnuppern konnte. Nach dem Abstieg der „Zebras“ ging er dann aber lieber zu Rot-Weiß Essen in die Regionalliga, von der ersten in die vierte Liga. Er habe es „nicht bereut“, sagt er. Was für andere wie ein Karriereknick aussähe, war für ihn das Richtige.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hamburger SV Van der Vaart auf Abschiedstournee

Im Sommer endet der Vertrag von Rafael van der Vaart beim HSV. Bis dahin soll der Niederländer die Kreativlücke der Hamburger ausfüllen. Ob ihm das auch schon gegen Hoffenheim gelingt? Mehr Von Frank Heike, Hamburg

18.10.2014, 15:17 Uhr | Sport
Doppelpass mit der Hoffenheimer Maschine

Die neue Bundesligasaison beginnt am Freitag: Rechtzeitig hat auch unser Fußballreporter die Vorbereitung angefangen. Ein Selbstversuch im Footbonaut der TSG Hoffenheim. Mehr Von Andreas Brand

22.08.2014, 10:54 Uhr | Sport
1899 Hoffenheim Im Rückwärtsgang nach vorn

Hoffenheim dreht die Zeit zurück und gräbt die alte Spielphilosophie aus. Nach vielen Irrwegen ist der Klub aus dem Kraichgau wieder bestens aufgestellt. Doch beim Spiel gegen den HSV (15.30 Uhr) gilt: Bloß nicht in die Falle tappen! Mehr Von Michael Eder, Sinsheim

18.10.2014, 15:44 Uhr | Sport
WM ohne Schmelzer, Volland und Mustafi

Bundestrainer Löw hat sich entschieden und drei Spieler aus dem WM-Kader gestrichen. Vor der Nominierungsfrist trifft es Marcel Schmelzer, Kevin Volland und Shkodran Mustafi. Mehr

02.06.2014, 14:35 Uhr | Sport
2:1 in Freiburg Wolfsburg-Sieg dank Caligiuri-Doppelpack

Ausgerechnet Daniel Caligiuri schießt Wolfsburg zum Sieg in Freiburg. Der frühere Spieler des Sportclubs trifft doppelt beim 2:1-Sieg des VfL. Die Wolfsburger sind nun schon Vierter, Freiburg steckt im Keller fest. Mehr

18.10.2014, 17:35 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.02.2013, 10:16 Uhr

Umfrage

Welcher ist Ihr Fußballspruch des Jahres 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Ergebnisse, Tabellen und Statistik